Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

So bleiben Kinderfüße gesund

20.07.2007
Forscherteam der TU Chemnitz entwickelte ein Messgerät zur exakten Bestimmung der Schuhgrößen bei Kindern

Die meisten Kinder kommen mit gesunden Füßen zur Welt. Doch durch falsches Schuhwerk können Kinderfüße Schaden nehmen. "Am gefährlichsten sind dabei Schuhe, die zu klein sind", gibt Stephan Odenwald, Inhaber der Juniorprofessur Sportgerätetechnik, zu bedenken. Aus diesem Grund entwickelte die Arbeitsgruppe Sportgerätetechnik und Bewegungswissenschaft im Rahmen eines Drittmittelförderprojektes im Auftrag des Unternehmens RENO ein Messgerät, das unabhängig vom subjektiven Eindruck des Kindes die richtige Schuhgröße ermittelt. "Wir Sportgerätetechniker profitieren dabei von der Nähe zum Institut für Sportwissenschaft der TU Chemnitz, denn die in Deutschland einzigartige enge Zusammenarbeit zwischen Bewegungswissenschaftlern und Maschinenbau-Ingenieuren eröffnet für Forschung und Entwicklung zahlreiche neue Möglichkeiten im Bereich "Sport und Technik" - insbesondere in der Schuhforschung", sagt Odenwald.

"Das ganze Projekt basiert auf einer Studie der Universitätsklinik Tübingen aus dem Jahre 2005. Im Auftrag von RENO wurden deutschlandweit über 3.000 Kinderfüße vermessen. Die Tübinger Kollegen stellten unterschiedliche Passformtypen fest. So gibt es Kinder mit einem breiten, einen normalen oder einem schmalen Fuß. Zudem wurden auch Maße am Fuß gefunden, die für die verschiedenen Passformtypen charakteristisch sind", führt Odenwald aus. Neben der Vermessung wurden aber auch die Schuhe der zwei bis 14-jährigen Probanden untersucht. Das erschreckende Ergebnis, dass die Kinder im Mittel ein bis zwei Nummern zu kleine Schuhe tragen, klingt nicht nur unglaublich, sondern ist auch gefährlich. "Kinder sind auf Grund ihrer noch nicht voll entwickelten Wahrnehmungsfähigkeit nicht in der Lage, uns zu sagen, ob ein Schuh richtig passt", so der Sportgerätetechniker, "und da die Füße der Kleinen größtenteils noch aus knorpeligen Strukturen bestehen, sind sie weich und verformbar - sie passen sich also auch an falsch sitzende Schuhe an". Vor allem die Innenlänge des Schuhs stimmt selten mit der außen angegebenen Größe überein. Ist der Schuh eine Nummer zu klein, fehlen den Kinderfüßen in der Länge sechs Millimeter Platz. Es folgen nicht nur passive Fußstauchungen sondern auch Zehenverkrümmungen, so dass die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird. "Der berühmte Daumendruck des Verkäufers, um die Größe zu prüfen, ist dabei genau falsch. Denn das Kind zieht die Zehen ein, und so liegt die Vermutung nahe, dass genug Platz im Schuh ist. Sobald der Daumen aber wieder weg ist, werden die Zehen ausgestreckt und der Schuh ist zu klein", gibt Odenwald zu bedenken.

So wurde die Professur Sportgerätetechnik im Juli 2005 beauftragt, ein Messinstrument zu entwickeln, das genau die Maße am Fuß misst, die gebraucht werden, um einen Schuh richtig anzupassen. "Schon nach acht Wochen hatten wir einen ersten Prototyp des Messgerätes. Dann testen und optimierten wir das Gerät und widmeten uns dem Design. Im Oktober 2006 lieferten wir die ersten 20 Vorserienmodelle an RENO", so Odenwald. Damit entwickelte die Juniorprofessur das Nachfolgemodell zu den schon existierenden Messgeräten in den deutschlandweiten RENO-Filialen. Das neue Messinstrument aus der Chemnitzer Universität arbeitet mit Hilfe von Kameras anstatt mit den bisherig eingesetzten Flachbettscannern. Dabei wird der Fuß nicht nur von unten fotografiert, sondern auch von der Seite. Somit ist auf einem Bild die planare Ansicht und die Seitenansicht der Füße zu sehen. Das System berechnet im Anschluss ein Referenzkoordinatensystem, aus dem dann letztendlich die richtige Schuhgröße bestimmt wird. Die Vorteile, die solch ein neues Messgerät bringt, nennt Odenwald: "Wir können damit die systembedingten Nachteile der bisherig eingesetzten Flachbettscanner ausschließen. Der Lichtstrahl muss nicht erst den ganzen Fuß abtasten, bis das Bild entsteht. Da unser System mit Kameras arbeitet, haben wir innerhalb eines Knopfdrucks das fertige Bild, wobei das Messinstrument unter allen Lichtverhältnissen einsetzbar ist. Zudem werden bei uns beide Füße nacheinander gemessen". Dieses Messsystem wurde von der Juniorprofessur auch als Gebrauchsmuster eingetragen.

Die Juniorprofessur will auch zukünftig Augenmerk auf die Passfähigkeit von Schuhen legen: "Wir lentwickelten mit dem Messgerät ein verlässliches und preiswertes System, mit denen wir zuverlässige Daten über Kinderfüße liefern können. Aber wir ruhen uns nicht auf dem bisherigen Stand aus. Wir werden weiter in dieser Richtung forschen und entwickeln", versichert der Inhaber der Juniorprofessur.

Weitere Informationen erteilt: Jun.-Prof. Stephan Odenwald, Juniorprofessur Sportgerätetechnik, Telefon (03 71) 5 31 - 32 172, E-Mail odenwald@hrz.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Neu entwickelter Therapiesitz hilft beeinträchtigten Menschen
18.05.2017 | Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

nachricht Schnell schweben: Studierende konstruieren Transportkapsel
04.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie