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Vom „integrierten Krankenhaus“ zur „elektronischen Gesundheitskarte“

24.11.2004


Wie die Vernetzung hilft, Kosten zu sparen und die Qualität der Versorgung zu steigern

Wenn in Kliniken und Praxen Minuten über die Gesundheit eines Menschen entscheiden können, dann kommt es auf effiziente Prozesse und das richtige Datenmanagement an. Alle wichtigen Informationen rund um den Patienten – von den neuesten Befundbildern über die aktuellen Labordaten bis hin zu Angaben über bisherige Medikationen und möglichen Allergien – müssen dem Arzt so schnell wie möglich zur Verfügung stehen, um eine Behandlung effektiv und zielsicher durchführen zu können – und das nicht nur im Akutfall, sondern auch in der täglichen Routine. Um jedoch Informationen zu jeder Zeit an jedem Ort verfügbar zu machen, ist eine umfassende Vernetzung aller Bereiche einer Klinik nötig – von der Patientenaufnahme über Diagnostik und Krankenzimmer bis hin zu Buchhaltung und Materialwirtschaft. Wie ein derartiges „integriertes Krankenhaus“ aussehen kann und wie mithilfe einer elektronischen Gesundheitskarte die Effizienz des gesamten Gesundheitswesens verbessert wird, zeigt Siemens auf der diesjährigen Medica in Düsseldorf.

Innovative Medizintechnik macht sich die neusten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik im Interesse der Patienten zu Nutze, um diagnostische Aussagen frühzeitiger, treffsicherer und zuverlässiger zu erhalten. Gleichzeitig tragen moderne Systeme, Verfahren in Verbindung mit leistungsstarken Informationstechnologien entscheidend zur Kostenreduktion bei: Schätzungen gehen davon aus, dass durch Einführung umfassender IT-Lösungen im Krankenhaus, je nach Ausgangslage, Einsparungen von bis zu 30% erzielt werden können. Voraussetzung: Die durchgängige Vernetzung und Digitalisierung aller Abteilungen.



Allein die Zeitersparnis ist enorm: Noch heute müssen in vielen Krankenhäusern beispielsweise Papierakten umständlich durch das Krankenhaus transportiert werden, bis alle nötigen Daten für eine genaue Diagnose eingetragen sind – seien es Blutwerte, Filme von CT und MR oder physiologische Daten wie EKG und EEG. Nutzt die Klinik dagegen eine elektronische Patientenakte, können alle mit dem Netzwerk verbundenen Abteilungen zu jeder Zeit ihre Ergebnisse eingeben, ebenso einfach lassen sich die Informationen in Sekundenschnelle vom Arzt wieder abrufen – im OP, im Besprechungszimmer oder, über einen drahtlosen PenTablet-PC, direkt am Krankenbett des Patienten. Am Ende der Behandlung lässt sich dann per Mausklick die komplette Abrechnung erledigen, und auch die Archivierung wird effizienter: Auf zentralen Servern bleiben die Daten entsprechend der gesetzlichen Fristen immer abrufbereit, große Lagerhallen für die bisherigen Papierakten gehören der Vergangenheit an. Als Beispiel sei nur das St. Michael’s Hospital im kanadischen Toronto genannt, wo Soarian derzeit 10,2 Millionen Patientendaten in 1,8 Millionen digitalen Akten verwaltet.

Überall und jederzeit abrufbar: Die „elektronische Patientenakte“

Zentrales Element eines digitalen Krankenhauses ist ein Softwaresystem, das sämtliche Prozesse steuert, überwacht und nötigenfalls optimiert. Siemens hat dazu Soarian entwickelt. Schon bei der Einlieferung eines Patienten organisiert das System – falls nicht bereits bei einer früheren Untersuchung geschehen – die Anlage der digitalen Patientenakte, in der fortan alle Daten und Befunde gespeichert werden.

Zur Verbesserung des Workflows helfen integrierte Ablaufpläne Ärzten und klinischem Personal bei der schnellst möglichen Durchführung der nötigen Untersuchungen und Behandlungen. Dadurch werden Wartezeiten für die Patienten vermieden, Diagnosen können frühzeitig gestellt und eine eventuelle Therapie begonnen werden. Darüber hinaus verwaltet und kontrolliert ein derart ausgefeiltes System die verabreichten Medikamente und warnt bei Kontraindikationen oder gefährlichen Wechselwirkungen. Dadurch trägt die Software in erheblichem Maße zur Patientensicherheit bei, schätzt doch das Bundesministerium für Gesundheit und Soziales die Zahl der Toten pro Jahr aufgrund fehlerhafter Medikation auf bis zu 24.000 Personen.

Verbrauchte Materialien werden nach der Behandlung automatisch an das Materialwirtschaftssystem der Klinik übermittelt. Die Abrechnung erfolgt ebenso softwaregesteuert und unter Berücksichtigung geltender Regelungen wie beispielsweise DRG (Diagnosis Related Groups). Auf diese Weise sorgt Soarian für mehr Kostentransparenz in der Klinik.

Effizienzsteigerung durch Kombination von Modalitäten und IT

In Verbindung mit den innovativen Modalitäten von Siemens – auf der Medica sind unter anderem der neue Magnetresonanztomograph (MR) Magnetom Espree oder der mobile C-Bogen Axiom Artis U zu sehen – lässt sich die Effizienz noch weiter steigern. Die bildgebenden Systeme von Siemens zeichnen sich durch eine schnelle und detaillierte Bildgebung aus. So ermöglicht beispielsweise der neue Computertomograph Somatom Sensation 64 einen Ganzkörperscan in 21 Sekunden – und dies mit einer bisher nicht gekannten Auflösung von 0,4 Millimetern. Ein Großteil der Systeme wird dabei über dieselbe Bedienoberfläche syngo gesteuert, die mithilfe standardisierter Buttons und Arbeitsschritte eine einfache und intuitive Bedienung unter anderem von Computer- und Magnetresonanztomographen oder auch Ultraschallsystemen erlaubt. Syngo ist weltweit mittlerweile 25.000 Mal verkauft worden.

Die aus den Systemen gewonnenen Bilddaten übernimmt nach der Bearbeitung am Bildschirm ein PACS-(Picture Archiving and Communication)-System, das Siemens unter dem Namen Sienet anbietet. Sienet verwaltet und speichert die digitalen Aufnahmen und stellt sie wiederum der elektronischen Patientenakte von Soarian oder anderen Radiologie- und Krankenhaus-Informationssystemen (RIS/KIS) zur Verfügung. Damit ist ein nahtloser und schneller Transport der Bilder vom Bildsystem bis hin zum Befundbericht gewährleistet. In Deutschland wurde zuletzt die Radiologie des Hamburger Marienkrankenhaus mit Sienet vernetzt. Gemeinsam mit dem installierten Siemens-RIS/KIS kann die 555-Betten-Klinik jetzt rund 23.000 stationäre und 26.000 ambulante Patienten pro Jahr komplett digital verwalten.

Elektronische Gesundheitskarte

Derartige Prozessoptimierungen können mithilfe der „elektronischen Gesundheitskarte“ auch im gesamten Gesundheitswesen Einzug finden. Ziel einer solchen Infrastruktur ist es, medizinische Informationen eines Patienten nicht nur innerhalb einer Klinik oder Praxis, sondern innerhalb eines gesamten Landes verfügbar zu machen. Dadurch können – beispielsweise nach einem Umzug des Patienten – ein neuer Arzt oder eine neue Klinik sofort auf alle bisherigen Daten und Bilder des Patienten zurückgreifen, bereits am alten Wohnsitz erfolgte Untersuchungen müssen nicht erneut durchgeführt werden. Hierfür ist jedoch zuerst eine telematische Infrastruktur notwendig, um einerseits den Zugriff auf sensible Informationen sicher zu gestalten, sowie andererseits einen elektronischen Abgleich einer Medikation mit der individuellen elektronischen Patientenakte durchzuführen. Durch derartige Sicherheitschecks werden beim Arzt oder auch in der Apotheke Kontraindikationen verhindert. Weil sich in diesem Szenario die elektronische Patientenakte zu einem über die Grenzen einzelner Krankenhäuser hinaus gehenden und überall verfügbaren, digitalen Dokument entwickeln muss, wird in Zukunft eine sehr viel engere Zusammenarbeit zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten, aber auch mit Apotheken und den Krankenkassen unausweichlich sein. Als einziger Anbieter weltweit kann Siemens heute schon für alle Teile dieser vernetzten und integrierten Versorgung adäquate Angebote zu Komponenten, Lösungen und Dienstleistungen unterbreiten. In konkreten Projekten beweist Siemens dabei die Praxistauglichkeit seines Konzepts: Die Region Lombardei in Italien stattet alle Bürger mit Smartcards, den „Carta Regionale dei Servizi della Lombardia – Sistema Informativo Socio Sanitario (CRS-SISS)“ aus, um das Gesundheitswesen effizienter gestalten zu können. Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden dabei über neun Millionen Gesundheitskarten an Bürger, Ärzte, Apotheker und Angestellte im Gesundheitswesen ausgegeben.

Das Telemedizin-Portal der Bayerischen Universitätskliniken und des Deutschen Herzzentrums hat Mitte Dezember 2003 den Betrieb aufgenommen. Das Portal fungiert dabei für die angeschlossenen Partner als Informationsdrehscheibe für medizinische Dokumente aus bildgebenden Diagnoseverfahren (CT, MR, konventionelles Röntgen, Herzkatheter, Sonographie, etc.). Im Rahmen von Pilotprojekten des Nordrhein Westfälischen Ministeriums, in Schleswig-Holstein und in Bayern werden weitere Anwendungsszenarien getestet.

Bei der Medica 2004 ist Siemens in Halle 10, Stand A18 zu finden.

| Siemens Medical Solutions
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/med-presse

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