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Heathrow: Neuer Röntgenscanner unter Kritik

10.11.2004


"Freibrief für Voyeure"



Eine neue Röntgen-Maschine am Londoner Flughafen Heathrow, die durch die Kleider der Passagiere schauen kann, wurde scharf von Bürgerrechtlern kritisiert, wie CNN berichtet. Sie bezeichneten die Neuheit als Freibrief für Voyeure. Die Maschine nutzt niedrige Strahlung und produziert ein anatomisch detailliertes schwarz-weiß Foto vom Körper. Außerdem ist sie imstande feste Objekte zu erkennen, die unter der Kleidung versteckt sind. Im Oktober begann eine viermonatige Testphase.

Zufällig ausgewählte Passagiere werden dabei gefragt, ob sie sich freiwillig zur Verfügung stellen und sich von der Maschine scannen lassen. "Ich stand vor der Maschine und sie haben drei Bilder in verschiedenen Positionen von mir gemacht", sagte eine Passagierin, "Mir ist es egal, dass die Bilder etwas persönlicher sind, solange ich in der Luft sicher bin. Darauf kommt es an." Eine andere Passagierin sagte: "Es geht nur um Sicherheit. Ich habe damit wirklich kein Problem." Eine Sprecherin des Flughafens sagte, dass 98 Prozent der Versuchspersonen positives Feedback gaben.


Die Britische Menschenrechts-Gruppe Liberty nannte die Röntgenbilder ungerechtfertigt und aufdringlich. "Wir sind nicht gegen Sicherheits-Maßnahmen, aber ich bin ganz und gar nicht überzeugt, dass dies nötig ist," sagte ein Sprecher der Gruppe. Um den Gebrauch des Röntgengerätes zu rechtfertigen, solle der Flughafen beweisen, dass herkömmliche Detektoren unzulänglich sind. "Es handelt sich um einen offensichtlichen Eingriff in die Privatsphäre", so der Sprecher weiter. Die American Transport Security Administration, die ebenfalls an dem Röntgengerät interessiert war, stimmte den Einwänden von Liberty zu.

Die herkömmlichen Scanner, die nach versteckten Waffen oder Sprengstoff bei Passagieren suchen, haben in der Vergangenheit Mängel aufgewiesen. Auch die Röntgenmaschinen, die das Gepäck durchleuchten, hatten oft Schwierigkeiten, Plastiksprengstoff zu identifizieren. Oft schlugen sie Alarm bei Schokolade, Käse oder Erdnussbutter, da diese eine ähnliche Dichte haben wie das explosive Semtex.

Heathrow will aus Sicherheitsgründen nicht sagen, welche Verbesserungen der neue Röntgen-Apparat gegenüber den alten Geräten hat. Doch wird bestritten, dass er Peinlichkeiten hervorrufen könnte. "Er arbeitet mit einer sehr geringen Strahlung und die Bilder werden nicht gespeichert. Außerdem werden die Bilder von Leuten ausgewertet, die das gleiche Geschlecht haben, wie der Passagier. Und der Mitarbeiter, der die Bilder sieht, sieht die Passagiere nicht", wie ein Sprecher des Flughafens mitteilte. Heathrow ist einer der verkehrsreichsten Flughäfen der Welt. In einem Jahr werden etwa 64 Mio. Passagiere abgefertigt.

Angela Deußen | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.baa.co.uk
http://www.cnn.com
http://www.liberty-human-rights.org.uk

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