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Mikroskop mit Automatik

14.06.2004


Viele moderne Geräte können zu viel. Nicht nur wer Videorekorder und Mobiltelefone bedienen will verirrt sich schnell in den Tiefen von Menüs voller unklarer Funktionen. Neues bleibt unerkannt, und selbst sinnvolle Standardfunktionen liegen oft brach - auch bei Lichtmikroskopen. Längst arbeiten die Vergrößerungsapparate mit einer Auswahl von Kontrastverfahren für lichtdurchlässige oder opake Proben. Undurchsichtige lassen sich mit Auflicht betrachten. Für die verschiedenen Modi müssen viele Linsen, Blenden und Filter ausgewählt und virtuos kombiniert werden. »Man muss Experte sein, um dem Mikroskop das beste Bild zu entlocken«, sagt Christian Knoll vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO.


Das digitale Mikroskop DM5000 B eignet sich besonders für Untersuchungen in den Lebenswissenschaften. Rund vier Fünftel aller Einstellungen lassen sich über das Display im Fuß vornehmen.



Dies hat die Firma Leica bei ihrem neuen Gerät »DM5000 B« geändert: Seine elektronische Steuerung verknüpft sämtliche, voneinander abhängige optische Komponenten. Der Anwender entscheidet sich für ein Kontrastverfahren und das Mikroskop wählt automatisch die dazu passenden optischen Bauteile und deren Einstellungen. »Bisher hatte ein Mikroskop viele Hebel und Schalter, die der Nutzer von Hand bedienen musste«, erklärt Knoll eine weitere Arbeitserleichterung. »Für das vollautomatische Gerät haben wir eine zentrale Benutzerschnittstelle entwickelt: 80 Prozent der Funktionen lassen sich über einen Touch-Screen im Fuß des Geräts steuern.« Für diesen Typ Steuerung gab es allerdings keine Standards. Daher entwarfen die Forscher auch den Aufbau der Bedienmenüs. Dabei standen sie vor Problemen wie: Welche Symbole verwendet man am besten für ein sprachunabhängiges System? Oder: Was passiert, wenn der Nutzer miteinander unverträgliche Eingaben macht? Die Verständlichkeit der Steuerung und der Piktogramme untersuchten sie an Testpersonen in Deutschland, Frankreich, USA und Japan.

»Unser Ziel war, dass das Gerät dem Nutzer sagt, was es kann«, so Knoll. Die Forscher haben das Menü daher so aufgebaut, dass es immer anzeigt, welche Einstellungen mit dem aktuell gewählten Verfahren kompatibel sind und welche weiteren Verfahren sich anbieten. Auf diese Weise können Forscher bei unbekannten Proben zunächst die Beobachtungsbedingungen optimieren. Sie speichern die Einstellungen und können sie später für weitere oder ähnliche Untersuchungen automatisch abrufen. Besonders Routinemessungen werden beschleunigt, denn selbst Nutzer, die mit dem Mikroskop nicht vertraut sind, kommen bereits nach kurzer Anleitung zu optimalen Ergebnissen.

Christian Knoll | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.iao.fraunhofer.de/d/projekte/ppmemaschi.hbs

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