Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

500. Wasserrucksack verlässt die Uni Kassel

21.09.2011
Der an der Universität Kassel entwickelte Wasserrucksack PAUL (Portable Aqua Unit for Life Saving) versorgt inzwischen fast 200.000 Menschen in Krisen- und Notgebieten mit sauberem Wasser. Der 500. PAUL geht in Kürze nach Ostafrika.

Hilfsorganisationen haben PAUL in den vergangenen eineinhalb Jahren immer häufiger in Afrika, Asien und Lateinamerika eingesetzt. So half der Kasseler Wasserrucksack den Menschen beim Überleben nach dem verheerenden Erdbeben in Chile, nach der Überschwemmungskatastrophe in Pakistan, in Vietnam, bei der Choleraepidemie in Haiti und aktuell bei der Dürre in Ostafrika. 41 PAUL, finanziert vom Hilfswerk der deutschen Lions, sind bereits mit action medeor nach Somalia und Kenia in die Notstandgebiete geflogen worden. PAUL ist mittlerweile in 21 Ländern zu finden.

„Wissenschaft macht nur Sinn, wenn sie Menschen und Umwelt dient“, sagte Universitätspräsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep: „Ich bin sehr froh, dass eine Erfindung der Universität Kassel hilft, viele Menschen auf der Erde mit dem wichtigsten aller Lebensmittel zu versorgen.“ Der Wasserrucksack wurde von Prof. Dr. Franz-Bernd Frechen am Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft der Uni Kassel entwickelt. Um die Leistung von PAUL zu demonstrieren, füllten die Mitarbeiter des Fachgebiets bei einem Pressetermin am Mittwoch im Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe die Menge Wasser in Flaschen ab, die eine Anlage pro Tag filtern kann, insgesamt 800 PET-Flaschen mit jeweils 1,5 Liter Inhalt.

„Das Gerät filtert Krankheitserreger aus dem Wasser, macht es trinkbar und bietet einen wirksamen Schutz gegen Cholera, Typhus und weitere Infektionskrankheiten“, sagte Frechen. Dank seines Membran-Blocks, der eine Lebensdauer von zehn Jahren hat, könne das Gerät mehr als 99 Prozent der Krankheitserreger aus dem Wasser filtern. Die Membranen haben mikroskopisch kleine Öffnungen, etwa ein tausendstel eines menschlichen Haares, die wie sehr feine Siebe funktionieren: Sie lassen Wassermoleküle hindurch, Bakterien und Krankheitskeime aber werden zurückgehalten.

Die Bedienung des Filters, der nur 20 Kilo wiegt und wie ein Rucksack auf dem Rücken getragen werden kann, ist einfach und verlangt keinerlei technische Kenntnisse: Verschmutztes Wasser wird oben eingefüllt. Nach einigen Minuten kann sauberes Wasser am Auslasshahn gezapft werden. Das Gerät arbeitet dabei ohne Chemikalien oder Energiezufuhr.

„Der Wasserfilter ist damit das ideale Gerät, um im Katastrophenfall Menschen in entlegenen, von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfern zu versorgen“, sagte Frechen: „Über Monate können täglich etwa 1.200 Liter Wasser gefiltert werden - ausreichend für 400 Menschen zum Überleben.“

Ein wichtiger Aspekt neben der „Hilfe zur Selbsthilfe“ sei auch, dass die Kosten zur Versorgung drastisch reduziert würden. So müsse man für 400 Menschen jeden Tag 1,2 Tonnen Wasser transportieren, und das, solange Bedarf besteht, betonte der Wissenschaftler. Würde man stattdessen an einem Tag 60 Wasserrucksäcke (das entspricht 1,2 Tonnen – eine Tagesmenge für 400 Menschen) transportieren, so könnten sich am nächsten Tag 24.000 Menschen ihr Wasser selbst filtern.

Info
Prof. Dr. Franz-Bernd Frechen
Universität Kassel
Fachbereich 14 - Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft
Tel.: 0561/804-2795
E-Mail: frechen@uni-kassel.de

Prof. Dr. Franz-Bernd Frechen | Universität Kassel
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Berichte zu: Krankheitserreger Ostafrika Wasserrucksack

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Neu entwickelter Therapiesitz hilft beeinträchtigten Menschen
18.05.2017 | Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

nachricht Schnell schweben: Studierende konstruieren Transportkapsel
04.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise