Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissen, was gefragt ist: Data Mining kann Innovationen beschleunigen

28.10.2013
Von der Werkbank bis zum Schrottplatz können Unternehmen künftig den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte nachverfolgen.

Sie wissen, welches Bauteil von welchem Lieferanten stammt, wie häufig Reparaturen nötig sind und wie lange die Wartung dauert. Bereits heute fallen Unmengen solcher Daten an – systematisch ausgewertet werden sie bisher aber nicht.


Der Weg zur Erleuchtung: Dank Data-Mining-Algorithmen können Unternehmen künftig Logistik- und Servicedaten besser auswerten und die Erkenntnisse für Neuentwicklungen nutzen.

Quelle: Fotolia

Dabei könnte das dazu beitragen, Produkte zu verbessern und Innovationen zu beschleunigen. Wie sich das Wissen aus dem Produktlebenszyklus mittels Data Mining nutzen lässt, wird derzeit in einem Forschungsprojekt untersucht, an dem auch das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) beteiligt ist.

Im Laufe eines Produktlebens von der Fabrik bis zum Schrottplatz fallen eine Reihe von Daten an. Bereits bei der Herstellung wird erfasst, wie lange es dauert, das halbfertige Produkt zwischen zwei Stationen im Unternehmen zu transportieren. Theoretisch lässt sich bis zur kleinsten Schraube nachvollziehen, welches Bauteil von welchem Lieferanten stammt.

Auch im späteren Gebrauch verursacht das Produkt Daten – insbesondere bei der Wartung. Diese Logistik- und Servicedaten werden zwar bereits heute erfasst, aber die Auswertung ist noch zu kompliziert – deshalb wird der Datenschatz meist ignoriert. Dabei könnte er Unternehmen helfen, ihre Produkte weiterzuentwickeln und Innovationen voranzutreiben.

Fällt zum Beispiel bei einer Kaffeemaschine häufig die Pumpe aus, so wird der Servicetechniker bei einer Störung zuerst dort nachsehen. Erstaunlicherweise werden solche Probleme bisher selten systematisch an die Entwicklungsabteilung gemeldet. Dabei könnten Unternehmen von der Auswertung profitieren und beispielsweise den Zulieferer wechseln, der die Pumpe herstellt.

Auch der Service lässt sich durch die Datenauswertung verbessern. Wenn zum Beispiel die Reparatur der Kaffeemaschine ungewöhnlich lang dauert, könnte es schlicht daran liegen, dass die Abdeckung mit zwölf Schrauben befestigt ist, obwohl auch vier ausreichen würden. Dieses Problem ließe sich ganz einfach beheben – sofern die Entwickler davon wissen.

Data-Mining-Algorithmen sollen künftig helfen, solche Daten gezielt auszuwerten und Muster zu erkennen. Dadurch sollen Zusammenhänge erkannt werden, die vorher nicht ersichtlich waren – womöglich fällt die Pumpe der Kaffeemaschine nur dann aus, wenn sie mit einem bestimmten Schlauch kombiniert wurde und die beiden Bauteile nicht zusammenpassen.

In dem Forschungsprojekt soll eine Ontologie – also ein Wissensmodell – entwickelt werden, mit der vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ihre Daten auswerten können. Die Systematik soll später für Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen anwendbar sein. Entwickelt wird außerdem eine Software, die nach Projektende allen interessierten Unternehmen zur Verfügung gestellt werden soll.

An dem Forschungsprojekt beteiligen sich neben dem Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) auch acht Unternehmen. Fünf von ihnen stellen ihre Daten zur Verfügung. Bei ihnen wird zunächst ermittelt, welches Wissensangebot und welcher Wissensbedarf besteht. Die Forscher werden Mitarbeiter der Entwicklungsabteilungen vor Ort befragen, um beispielsweise herauszufinden, welche Informationen die Produktentwickler benötigen, um Herstellungskosten zu minimieren, Störungen vorzubeugen und die Ausschussrate zu minimieren.

Anschließend werden die Forscher die Daten analysieren und auswerten. Betrachtet werden beispielsweise Logistikdaten wie Durchlauf-, Stör- und Beschaffungszeiten sowie Servicedaten wie Reparatur- und Wartungsberichte. Abgeglichen wird dann, welches Wissen die Entwickler für ihre Arbeit benötigen und welches Wissen bereits vorhanden ist. Anschließend wird ein Wissensmodell entwickelt, das Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Faktoren darstellt. Dieses Modell wird in einer Software umgesetzt. Data-Mining-Algorithmen sollen helfen, die Daten statistisch auszuwerten und so Muster und Zusammenhänge zu erkennen.

Die entwickelte Software wird gegen Ende des Projekts in der Praxis getestet und soll bei den beteiligten Unternehmen zum Einsatz kommen. „Dass Unternehmen Potenziale trotz lauter Daten nicht sehen, ist bald Geschichte“, sagt Projektingenieur Michael Zenker vom IPH. „Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sollen von unseren Forschungsergebnissen profitieren und wissen, was gefragt ist.“

Das Forschungsprojekt wurde vom IPH gemeinsam mit der Pumacy Technologies AG beantragt, die das Projekt federführend bearbeitet. Weitere Projektpartner sind die Paradigma Software GmbH aus Unterföhring und die GTT Gesellschaft für Technologie Transfer mbH aus Hannover. Darüber hinaus beteiligen sich fünf Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen an dem Forschungsprojekt, darunter kleine und mittlere, aber auch Großunternehmen.

Das Forschungsprojekt „Akquisition und Nutzung von Lebenszyklus-Wissen für Produktinnovation (LeWiPro)“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert – im Rahmen der BMBF–Fördermaßnahme „KMU-innovativ: Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)“. Projektträger ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das Projekt ist zum 1. Januar 2013 gestartet und läuft bis zum 30. Juni 2015.

Susann Reichert | idw
Weitere Informationen:
http://lewipro.de
http://www.iph-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder
19.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab
18.01.2018 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics