Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Werkzeugkette für echtzeitfähiges Programmieren

21.03.2016

In Luft- und Raumfahrttechnologie, Automatisierungstechnik und Automobilindustrie müssen intelligente elektronische Rechnersysteme eine Reihe von Sicherheits- und Echtzeitanforderungen erfüllen. So muss die Software etwa bei kritischen Ereignissen eine sehr kurze Reaktionszeit einhalten. Das Programmieren entsprechender Anwendungen ist zeit- und kostenaufwendig. Eine neue Werkzeugkette (Toolchain) zum effizienten, standardisierten, echtzeitfähigen und modellbasierten Programmieren entwickeln Partner aus Forschung und Industrie im nun gestarteten EU-Konsortium ARGO. Projektkoordinator ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Basis bildet die Open-Source-Software Scilab.

Immer mehr auch sicherheitskritische eingebettete Elektroniklösungen sind mit schnellen, energieeffizienten Mehrkernprozessoren ausgestattet. „Zwei der wichtigsten Anforderungen zukünftiger Anwendungen sind zum einen noch höhere Performanz, also Leistung, in Echtzeit und eine weitere Reduktion der Kosten – ohne dabei die funktionale Sicherheit zu beeinträchtigen“, sagt Professor Jürgen Becker vom Institut für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) des KIT, der ARGO koordiniert.


Der AVES-Flugsimulator des DLR bietet eine Möglichkeit den ARGO-Ansatz in der Praxis zu erproben.

DLR

„Dazu müssen die Mehrkernprozessoren das erforderliche Leistungsspektrum bei möglichst geringem Energieverbrauch automatisiert und effizient programmiert zur Verfügung stellen.“

Mehrkern- oder Multicore-Systeme vereinen mehrere Prozessorkerne auf einem Chip. Die Kerne arbeiten parallel und bringen dadurch mehr Geschwindigkeit und Leistung. Die Programmierung solcher heterogener Multicore-Prozessoren ist sehr komplex. Gleichzeitig müssen die Programme genau auf die Zielhardware zugeschnitten sein – und außerdem die zusätzlichen Echtzeitanforderungen erfüllen.

Das EU-Forschungsprojekt ARGO – benannt nach dem überaus schnellen Schiff der griechischen Sage – zielt darauf ab, diese Programmierung durch automatische Parallelisierung modellbasierter Anwendungen (Applikationen) und Codegenerierung erheblich zu vereinfachen. Bislang muss ein Programmierer seinen Code, das heißt die Anweisungen an den Computer, meist an die Hardware-Architektur anpassen, was sehr aufwendig ist und eine Übertragbarkeit auf andere Architekturen verhindert.

„Mit ARGO entsteht eine neue standardfähige Werkzeugkette für Programmierer, die dann auch ohne genaue Kenntnis der komplexen parallelen Prozessorhardware den Prozess der automatischen Parallelisierung anforderungsgerecht steuern können. Daraus ergibt sich eine deutliche Verbesserung der Leistung bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten“, so Becker.

Die Komplexität der Parallelisierung und der Anpassung an die Zielhardware lässt sich künftig mit der ARGO-Werkzeugkette weitgehend automatisiert mit geringem Aufwand bewältigen. Im Projekt werden beispielhaft echtzeitkritische Anwendungen aus den Bereichen der Echtzeit-Flugdynamiksimulation und der Echtzeit-Bildverarbeitung untersucht und bewertet.

Das Projekt bringt acht Partner aus Wissenschaft und Industrie zusammen: Neben dem KIT sind die Universität Rennes (Frankreich), das Technological Educational Institute of Western Greece (Griechenland), das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS (beide Deutschland) sowie die Recore Systems B.V. (Niederlande), Scilab Enterprises (Frankreich) und die AbsInt Angewandte Informatik GmbH (Deutschland) an ARGO beteiligt. Die EU fördert „ARGO – WCET-Aware Parallelization of Model-Based Applications for Heterogeneous Parallel Systems” in den kommenden drei Jahren mit 3,9 Millionen Euro. Projektkoordinator ist Professor Jürgen Becker, Leiter des Instituts für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) am KIT.

Weitere Informationen unter http://www.argo-project.eu/

Weiterer Kontakt:

Margarete Lehné, Pressereferentin, Tel.: +49 721 608-48121, Fax: +49 721 608-43658, margarete.lehne@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

KIT – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu

Weitere Informationen:

http://www.argo-project.eu/
http://www.kit.edu

Monika Landgraf | Karlsruher Institut für Technologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Industrie 4.0: Fremde Eindringlinge im Unternehmensnetz erkennen
16.04.2018 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Die Thermodynamik des Rechnens
11.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics