Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweit größter Schlag gegen Spam-Netzwerk

03.03.2010
Mannheimer Forscher an Zerstörung eines kriminellen Computernetzwerks beteiligt

Vier Universitäten, das Unternehmen Microsoft und ein US-Gericht haben den bislang größten Schlag gegen kriminelle Spam-Versender erzielt. Eine maßgebliche Rolle spielten dabei Forscher der Universität Mannheim. Gemeinsam mit den Universitäten Washington, Bonn und der TU Wien legten die Mannheimer Informatiker das so genannte "Waledac-Botnetz" lahm, das täglich bis zu 1,5 Milliarden Spam ("Müll")-Mails verschickt hat.

Hunderttausende Computer waren meist ohne das Wissen ihrer Besitzer Teil des "Waledac-Botnetzes". Botnetze vernetzen Computerprogramme, die weitgehend selbständig sich wiederholende Aufgaben abarbeiten. Die Internetnutzer hatten sich über E-Mailanhänge oder präparierte Webseiten Programme eingefangen, mit deren Hilfe Hacker die Computer nutzen konnten, um etwa Spam-Mails zu versenden. Indem einerseits Forscher der Universitäten Bonn, Mannheim und TU Wien die Kommunikation der infizierten Computer lahmlegten, das Unternehmen Microsoft eine Klage gegen Betreiber von kriminellen Internet-Adressen erhoben hatte und infolge dieser Klage 273 Domains gesperrt wurden, ist es gelungen, das "Waledac-Botnetz" auszuschalten. "Die Aktion hat gezeigt, dass eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Forschern und Gerichten funktioniert und im Kampf gegen Internet-Kriminalität zum Erfolg führen kann", erklärt ein an der Aktion beteiligter Forscher von der Universität Mannheim.

Dabei stellte das "Waledac-Botnetz" eine besondere Herausforderung dar: Anders als in einfachen Netzwerken, in denen die infizierten Computer direkt mit dem zentralen Server der Kriminellen kommunizieren, waren in diesem Botnetz Computer als "Vermittler" zwischengeschaltet, die von insgesamt acht verschiedenen Servern betrieben wurden und die Kommunikation mit den infizierten Rechnern steuerten. Die Computerwissenschaftler haben an der "Vermittlerstelle" eingegriffen, sich selbst quasi als "Vermittler" installiert und so die Kommunikation der Botnetz-Betreiber mit den infizierten Computern unterbrochen. Darüber hinaus ist es gelungen, die vom Netzwerk genutzten Server abzuschalten.

Gleichzeitig wurden auf Gerichtsbeschluss knapp 300 Internet-Domains abgeschaltet. In monatelangen Ermittlungen hatte das Unternehmen Microsoft, dessen E-Maildienst Hotmail betroffen war, 273 Internet-Adressen ausfindig gemacht, über die das Botnetz gesteuert wurde. Gegen die Betreiber dieser Internet-Adressen hatte Microsoft dann Anfang vergangener Woche vor einem Bundesgericht im US-Staat Virginia Klage eingereicht und Rückendeckung erhalten: Das Gericht verpflichtete das Unternehmen, das die Adressen verwaltet, diese stillzulegen. Damit sind die betroffenen Internet-Seiten nicht länger erreichbar, das Botnetz nicht mehr funktionsfähig.

Infiziert sind Computer weltweit. Mit der Zerstörung des Botnetzes wurde die Schadsoftware auf den infizierten Computern nicht entfernt. Dazu muss vom Benutzer entweder manuell ein Entfernungswerkzeug ausgeführt oder ein aktueller Virenscanner betrieben werden, der die schädlichen Programme eliminiert. Als Schutz vor Schadsoftware hilft generell Wachsamkeit beim Surfen sowie das regelmäßige Einspielen von Sicherheits-Updates auf dem eigenen PC.

Kontakt:

Prof. Dr. Felix Freiling
Universität Mannheim
Lehrstuhl für Praktische Informatik I
Tel.: 0621 / 181-2545
E-Mail: walowdac[at]informatik.uni-mannheim.de

Achim Fischer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Schnelle Time-to-Market durch standardisierte Datacenter-Container
28.03.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Modellfabrik Industrie 4.0: Forschungs- und Trainingsplattform für Wissenschaft und Wirtschaft
28.03.2017 | Hochschule Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit