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Der Warenmarkt der Zukunft: Intelligente Assistenzsysteme für Händler und Kunden im Innovative Retail Lab des DFKI bei GLOBUS

18.05.2009
Zum Wohle des Kunden: Produkte denken mit. Das IRL - Innovative Retail Lab in der Zentrale der GLOBUS SB-Warenhaus Holding in St. Wendel wurde heute ausgezeichnet als ausgewählter Ort 2009.

Mit seinen Ideen ist das IRL des DFKI und der GLOBUS SB-Warenhaus Holding einer der "365 Orte im Land der Ideen" unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Die Öffentlichkeit war eingeladen, am 18. Mai 2009 die Arbeiten des DFKI-IRL kennen zu lernen.

Im Innovative Retail Laboratory (IRL) erforscht das DFKI intelligente Dienste und Interaktionskonzepte für das Einkaufen der Zukunft:?? Eine Einkaufsliste, die sich mit dem Supermarkt abstimmt und aktuelle Angebote prüft; ein Einkaufswagen, der Kunden zu den gesuchten Produkten navigiert, Rezepte vorschlägt und hilft, dass man nichts vergisst; eine digitale Produktlupe, die über Herkunft, Inhaltsstoffe oder Allergene informiert. Damit der tägliche Einkauf zum Erlebnis wird, gibt es außerdem virtuelle Kundenberater, wie digitale Sommeliers, die computeranimierte Verkäuferin am interaktiven Werbe- und Informationskiosk oder die intelligente Umkleidekabine.

Am Easy Checkout wird der gesamte Inhalt im Wagen abgerechnet, ohne dass die Ware umgelagert werden muss. Bezahlen kann man mit dem instrumentierten Autoschlüssel. Nach dem Kauf stellt eine intelligente Kühlbox sicher, dass die Ware gut gekühlt zu Hause im intelligenten Kühlschrank ankommt.

In ihren Grußworten würdigten Peter Müller, Ministerpräsident des Saarlandes, Thomas Bruch, Geschäftsführer der Globus SB-Warenhaus Holding und Klaus Bouillon, Bürgermeister von St. Wendel das IRL als beeindruckende Forschungsplattform für die zukünftige intelligente Einkaufsumgebung.

Prof. Dr. Antonio Krüger, Wissenschaftlicher Direktor des IRL, hob die gemeinsame Forschung des DFKI in diesem Bereich mit weiteren Industriepartnern wie SAP, IDS Scheer, BMW und DHL hervor und erläuterte: "Das Innovative Retail Laboratory, als gemeinsame Einrichtung des DFKI und Globus, hat sich zum Ziel gesetzt, exzellente Forschung unter der Anwenderperspektive des Handels zu betreiben. Als DFKI Living Lab ist es im Saarland das zentrale Anwendungslabor, in dem Innovationen zum Anfassen entwickelt werden.", so Krüger, seit April auch Informatikprofessor an der Universität des Saarlandes. "Dabei sollen nicht nur Wissenschaftler und Handelsexperten in die Lage versetzt werden, erfolgreich exzellente Forschungsergebnisse in Anwendungen zu transferieren, sondern auch die Öffentlichkeit wird das IRL nutzen können, um einen unmittelbaren Zugang zu alltagstauglicher Zukunftstechnologie zu erhalten."

In instrumentierten, mit Sensorik ausgestatteten vernetzten Heim- und Marktbereichen werden neue Formen der Interaktion mit Kunden und eine intelligente Logistik für den Kaufmann realitätsnah getestet, angebunden an reale Warenhausdaten und -prozesse und in direkter Zusammenarbeit mit Praktikern.??

Erforscht und realisiert werden auch Konzepte der Innovationsallianz Digitales Produktgedächtnis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Produkte führen Tagebuch. Im BMBF-Projekt SemProM - Semantic Product Memory - werden unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der DFKI-Geschäftsführung, Schlüsseltechnologien für das Internet der Dinge entwickelt. Smarte Labels geben Produkten ein Gedächtnis. Das Internet der Dinge eröffnet neue Chancen für den Einzelhandel. Die Potenziale "intelligenter" Produkte gehen weit über die reine Identifikationsfunktion heutiger RFID-Kennzeichnungen hinaus. Sie sollen die Daten verschiedener eingebetteter Sensoren (z.B. Temperatur, Helligkeit, Feuchtigkeit, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Lage) auswerten und daneben alle relevanten Produkt- und Betriebsdaten erfassen. Im Sinne eines "Internet der Dinge" sollen diese Informationen mit ihrer Umgebung, ihren Nutzern und mit anderen Produkten aktiv ausgetauscht werden können. Herstellungszusammenhänge werden transparent, Lieferketten und Umwelteinflüsse nachvollziehbar. Der Produzent wird unterstützt, der Verbraucher besser informiert.

Der Parcours der Live-Demonstrationen im DFKI Living Lab IRL illustrierte am 18.05.2009, wie Neuentwicklungen Chancen für den Einzelhandel eröffnen und dem Verbraucher das Leben deutlich erleichtern:

Die Einkaufsliste
Die elektronische Einkaufsliste wird von einem Kunden zu Hause oder von unterwegs aus erstellt und ist anschließend auf dem Mobiltelefon abgerufen. Die Liste kann von Familienmitgliedern natürlich online ergänzt und verwaltet werden.
Der instrumentierte Einkaufswagen
Am instrumentierten Einkaufswagen kann durch Anmeldung über den Fingerabdruck oder Autoschlüssel eine elektronische Einkaufsliste abgerufen werden. Anhand dieser Liste navigiert der Wagen den Kunden durch den Supermarkt zu den gesuchten Produkten. Wird ein Produkt in den Einkaufswagen gelegt, wird es automatisch erkannt und auf der Liste abgehakt. Auf dem Display des Wagens werden zudem Informationen zum Produkt, der aktuelle Gesamtpreis der Waren oder auch Rezeptvorschläge angezeigt.
Der digitale Sommelier
Durch das Zusammenspiel von Bewegungs- und Temperatursensoren mit Funketiketten unterstützt der digitale Sommelier bei der Auswahl des Weins und gibt Tipps zum richtigen Umgang mit dem edlen Getränk. Mittlerweile gilt: Erlaubt ist, was gefällt. Wer jemals einen Bordeaux zu Meeresfrüchten verkostet hat, weiß jedoch, dass es in der Tat Kombinationen gibt, die nur den wenigsten gefallen.
Die instrumentierte Obstschräge
Die Obst- und Gemüseschräge ist mit Funktechnologie so ausgestattet, dass sie automatisch die genaue Position der Obstkiste erkennt. So werden die Informationen auf dem digitalen Produktinformationsschild an der Schräge immer passend aktualisiert. Das erleichtert die Arbeit des Marktpersonals und vereinfacht die Orientierung des Kunden.
Der interaktive Werbe- und Informationskiosk
Wollen Sie wissen, woher die Bananen kommen, die Sie gerade kaufen wollen? Wie können Sie sicher sein, dass bei Transport und Lagerung der Bananen die Richtlinien eingehalten wurden? Die virtuelle Verkäuferin am interaktiven Werbe- und Informationskiosk kennt die Informationen aus dem digitalen Produktgedächtnis und sorgt so für mehr Transparenz. Dieser virtuelle Charakter erläutert den Lebenszyklus der Produkte und bietet auch noch leckere Rezeptvorschläge an.
Die intelligente Kühlbox
Auf dem Weg vom Supermarktregal bis zum heimischen Kühlschrank kontrolliert die intelligente Kühlbox laufend Temperatur und Feuchtigkeit der Tiefkühlprodukte. Diese Daten werden in den semantischen Produktgedächtnissen gespeichert, deren Inhalte der Kunde zu Hause am intelligenten Kühlschrank abrufen kann. Automatisch wird er auf kritische Sachverhalte hingewiesen, wie sie z.B. bei einer Unterbrechung der Kühlkette auftreten können, welche die Haltbarkeit der Lebensmittel erheblich einschränken würde.
Produkte führen Tagebuch:
Der Produktgedächtnis-Browser und die intelligente Produktlupe
Der Gedächtnisbrowser ruft die Inhalte der Produktgedächtnisse ab und visualisiert sie auf dem Bildschirm. So können sich Kunden z.B. über die CO2-Bilanz (Carbon Footprint) eines Produkts informieren oder überprüfen, ob die Tomaten auf der Pizza tatsächlich aus ökologischem Anbau stammen. Mit Hilfe der integrierten intelligenten Produktlupe werden die Informationen auf der Produktverpackung zur besseren Lesbarkeit vergrößert dargestellt und durch Hinweise und Erklärungen ergänzt. So können z.B. Allergiker auf den ersten Blick erkennt, ob ein Lebensmittel für sie bedenklich ist oder welcher Zusatzstoff sich hinter einer bestimmten E-Nummer verbirgt. Im Rahmen des Forschungsprojekts Semantic Product Memory - SemProM arbeitet das DFKI am Internet der Dinge und an Ideen, technologischen Zukunftsvisionen und Chancen semantischer digitaler Produktgedächtnisse.
Die intelligente Umkleidekabine
Es gibt unendlich viele Farbtöne. Kleinste farbliche Veränderungen der Kleidung beeinflussen Aussehen und Ausstrahlung. Lässt die Kleidung ihren Träger sympathisch und frisch aussehen? Oder blass und kränklich? In Anlehnung an die Jahreszeiten der Natur unterscheidet man in der Farbberatung vier Farbtypen. Jedoch sind die vielen zu einem Typ passenden Farbnuancen für ein ungeübtes Auge schwierig zu erfassen. Die intelligente Umkleidekabine bietet Unterstützung zum Thema Farbberatung. Sie informiert den Kunden, welches der ausgesuchten Kleidungsstücke farblich am besten passt und empfiehlt weitere Kleidungsstücke oder Accessoires.
Easy Checkout
An der Kasse angelangt, fährt der Kunde seinen instrumentierten Einkaufswagen durch ein Gate, das die Waren automatisch mit Hilfe von RFID-Lesern scannt und abrechnet, ohne dass die Einkäufe aus dem Wagen genommen werden müssen. Bezahlen kann der Kunde anschließend mit seinem Fingerabdruck oder sogar mit seinem instrumentierten Autoschlüssel.

Reinhard Karger | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfki.de

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