Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wachsames Kamera-Auge

01.09.2010
Ein neuartiges Kamerasystem könnte künftig auf öffentlichen Plätzen und in Gebäuden für mehr Sicherheit sorgen: Smart Eyes funktioniert ähnlich wie das menschliche Auge. Das System analysiert die aufgenommen Daten in Echtzeit und weist sofort auf Besonderheiten und ungewöhnliche Szenen hin.

»Tor, Tor, Tor!« Der Jubel der Fans im Fußballstadion kennt keine Grenzen, der Aufruhr ist groß. Da wundert es nicht, dass das Handgemenge zwischen einigen Zuschauern vom Sicherheitspersonal unbemerkt bleibt. Jubelnde von Streitenden zu unterscheiden, ist in so einer Situation kaum möglich.

Abhilfe schaffen könnten spezielle Überwachungskameras, die Auffälliges sofort entdecken und ungewöhnliche Vorkommnisse identifizieren. Ein solches Gerät haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT in Sankt Augustin jetzt im EU-Projekt »SEARISE – Smart Eyes: Attending and Recognizing Instances of Salient Events« entwickelt. Das automatische Kamerasystem soll beim Erkennen und Verarbeiten von bewegten Bildern menschenähnliche Leistungen erreichen.

Wie das menschliche Auge kann es beispielsweise beim Betrachten einer Szene Objekte unterscheiden, auch wenn sich diese vor einem sehr unruhigen Hintergrund bewegen. Das Smart Eyes System analysiert die Videodaten in Echtzeit und weist sofort auf Besonderheiten hin. »Zur Video-Sicherheitsüberwachung von öffentlichen Gebäuden oder Plätzen ist das von unschätzbarem Wert«, sagt Dr. Martina Kolesnik, Wissenschaftlerin am FIT. »In einigen Situationen sind die Fähigkeiten eines menschlichen Beobachters begrenzt. Soll er eine Fankurve in einem Fußballstadion überwachen, entgehen ihm viele Einzelheiten. Er kann nur bestimmte Areale der Gesamtfläche sehr aufmerksam betrachten und er ermüdet schnell. Hier sind die Smart Eyes klar im Vorteil.«

Die Hardware des Systems besteht aus einer fest installierten Übersichtskamera, die ein bestimmtes Gebiet abdeckt, und zwei ultra-aktiven Stereokameras. Diese können wie die Augen des Menschen sehr schnell nacheinander verschiedene Punkte fixieren und verfolgen – aber darüber hinaus auch auf Details zoomen. Kern der Smart Eyes ist eine neuartige Software, die Bildsequenzen automatisch auswertet. Sie bildet wesentliche Strategien des menschlichen Seh- und Verarbeitungsapparats nach. Ähnlich den Sehströmen des Gehirns ist die Software hierarchisch und modular aufgebaut. Sie ermittelt zuerst für jeden Bildpunkt den Bewegungsgrad und identifiziert so die besonders aktiven Areale in der Szene. Daraus werden Bewegungsmuster erlernt und als typische Modelle abgespeichert. Anhand der Modelle erkennt das System dann Ereignisse und ordnet sie ein: Beispielsweise unterscheidet die Software passive Zuschauer von aufspringenden Fans. Auch Bildmuster wie unbesetzte Stühle oder Treppen werden identifiziert. Die Anwendung wählt markante Ereignisse aus und fokussiert diese mit den aktiven Stereo-Kameras. Je nach den von den Sicherheitsexperten gesetzten Prioritäten werden verschiedene Ereignisse als markant gekennzeichnet. So filtert das Programm auf Wunsch etwa geschwenkte Fahnen heraus, um gezielt andere Auffälligkeiten zu fokussieren, zum Beispiel eine Person am Spielfeldrand.

»Unsere Bildauswertungssoftware ist zu den Kamera-Systemen aller Hersteller kompatibel. Sie lässt sich einfach installieren. Der Anwender muss keinerlei Anpassungen vornehmen«, sagt Kolesnik. Das Smart Eyes System ist auf der Messe Security Essen vom 5. bis 8. Oktober 2010 zu sehen.

Dr. Marina Kolesnik | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/09/wachsames-kamera-auge.jsp

Weitere Berichte zu: Bildauswertungssoftware Echtzeit FIT Kamera-Auge Kamerasystem eyes smart bridges

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Das Start-up inveox will Krebsdiagnosen durch Automatisierung im Labor zuverlässiger machen
15.06.2018 | Technische Universität München

nachricht Fußball durch die Augen des Computers
14.06.2018 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics