Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virtuelle Welten werden Militär-Entscheidshilfe

30.11.2009
Fortschrittliche Simulationen für Krisenherde wie Afghanistan

Informatiker an der University of Maryland sind vom Wert modernster Simulationsmethoden in Kombination mit den grafischen Möglichkeiten virtueller Welten als Werkzeug für Militäranalytiker überzeugt. Solch ein System könne helfen, die Auswirkungen verschiedener Entscheidungen auf die Lage in Krisenregionen auch mit komplexer Ausgangslage vorherzusagen, so die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Magazins Science.

Ein wesentlicher Teil der nötigen Theorie und Software, um beispielsweise ein virtuelles Afghanistan oder Pakistan für Analyse-Aufgaben zu realisieren, existiere bereits. "Menschliche Analysten mit realweltlichem Wissen und Erfahrung werden auf dem Rest des Weges zu solchen digitalen Welten wesentliche Partner sein", so V. S. Subrahmanian, Informatikprofessor und Leiter des Institute for Advanced Computer Studies an der University of Maryland.

Komplexere Konfliktsituationen

Zwar kommen seit den 1950ern Computermodelle in der militärischen Analyse zum Einsatz, welche Aspekte der Spieltheorie nutzen. Doch meist waren diese auf zwei Konfliktparteien und klare Sieg-Niederlage-Bedingungen beschränkt, erklären Subrahmanian und sein Kollege John Dickerson. Doch heute gibt es oft viele verfeindete Gruppen in einer Region und die Entscheidungsoptionen sind nicht nur militärischer Natur. Beispielsweise müssten Analysten in Afghanistan auch abschätzen, wie sich etwa der Bau von Schulen auf das Verhältnis der ethnischen Gruppen auswirkt.

Sichtbare Auswirkungen

Virtuelle Welten versprechen den Wissenschaftlern zufolge die Möglichkeit, dass die Auswirkungen der von ihnen vorgeschlagenen Vorgehensweisen nicht nur für die Militäranalysten selbst sicht bar wird. "Sie können eine Strategie vorschlagen und skeptische Befehlshaber durch eine virtuelle Welt führen, wo der Kommandant wirklich 'sehen' kann, wie sich die Entscheidung auswirken könnte", so die Forscher. Damit würde der Befehlshaber die wahrscheinlichen Vor- und Nachteile einer Entscheidung erleben.

Moderne Simulationsmethoden

Die Wissenschaftler an der University of Maryland haben ihren Angaben zufolge eine Reihe an Bausteinen für entsprechend fortschrittliche virtuelle Welten entwickelt. Dazu zählen so genannte "Stochastic Opponent Modeling Agents". Das ist KI-Software, die das frühere Verhalten von Gruppen berücksichtigt, um deren Reaktion auf verschiedene Ereignisse abzuschätzen. Charaktere in "kulturellen Inseln" virtueller Welten sollen jeweils passenden Verhaltensmodellen folgen, während spezielle Engines dazu gedacht sind, aufgrund historischer Daten Änderungen im Verhalten einzelner Gruppen vorherzusagen.

"Die im Artikel beschriebenen Ergebnisse sind meiner Ansicht nach sehr beeindruckend", kommentiert William Scanlon, Professor für drahtlose Kommunikation an der der Queen's University in Belfast, auf Nachfrage von pressetext. Er nutzt virtuelle Welten in der Entwicklung militärischer Kommunikationslösungen (pressetext berichtete: http://www.pressetext.com/news/091105036/).

Scanlon hält es für glaubwürdig, dass die US-Forscher die wesentlichen Bausteine für das vorgeschlagene Simulationswerkzeug haben. "Ich würde annehmen, dass eine Reduktion von Komplexität und Ressourcenbedarf der Simulation selbst und der Setup-Entscheidungen die größte Herausforderung sein wird", meint der Wissenschaftler.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.umd.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Der Form eine Funktion verleihen
23.06.2017 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Zukunftstechnologie 3D-Druck: Raubkopien mit sicherem Lizenzmanagement verhindern
23.06.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften