Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Technologische und rechtliche Hürden: Noch kein E-Voting auf europäischer Ebene möglich

10.05.2011
Trotz des nahezu allgegenwärtigen Web 2.0 werden der Gang zur Wahlurne und das Kreuz auf dem Stimmzettel in naher Zukunft nicht überflüssig: Die Stimmabgabe per Internet, das sogenannte E-Voting, lässt auf sich warten, weil viele technologische und rechtliche Fragen noch offen sind.

Eine Betrachtung lohnt dennoch, da E-Voting lang-fristig die klassische Papierwahl ergänzen könnte. Die Vor- und Nachteile der Online-Stimmabgabe diskutierten Experten auf einem Workshop im Rahmen des E-Democracy-Projekts, ein weiterer Workshop zum Thema E-Participation findet am 26. Mai 2011 im Europäischen Parlament in Brüssel statt, Anmeldungen sind bis 19. Mai möglich.

Wie kann das Internet zur Entwicklung einer europäischen Öffentlichkeit beitragen? Wie können Einrichtungen davon profitieren, ihre Prozesse mit Hilfe des Internets für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen? Kann das E-Voting die Wahlbeteiligung erhöhen? Diese und andere Fragen werden im Projekt "E-Democracy: Technical possibilities of the use of electronic voting and other Internet tools in European elections" im Auftrag des Europäischen Parlaments beantwortet.

An dem Projekt sind das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Karlsruher Instituts für Technologie sowie das Institut für Technikfolgen-Abschätzung in Wien beteiligt."Unser Ziel ist es, Entscheidern Informationen über die Potenziale von E-Democracy in Europa zu geben", sagt Dr. Bernd Beckert, Projektleiter am Fraunhofer ISI.

Die Beteiligung an den Wahlen zum Europäischen Parlament ist mit durchgehend unter 50 Prozent sehr gering. Die Verantwortlichen sind daher grundsätzlich offen für neue Möglichkeiten, diese zu erhöhen. Vor allem von jungen Leuten, die besonders selten ins Wahllokal gehen, wird erwartet, dass sie die Möglichkeit nutzen, über das Internet zu wählen. Dies könnte, so die Vorstellung der Befürworter von E-Voting, mal eben schnell zwischen der Aktualisierung des Facebook-Profils und dem Ansehen eines Clips bei YouTube geschehen.

Für die Befürworter ist E-Voting in Zeiten von Web 2.0 ein logischer Schritt: "Wir haben bereits E-Commerce, E-Education, E-Administration – warum sollten wir nicht auch unsere Parlamente über das Internet wählen?", so Beckert. Aufgrund der zeitlichen und räumlichen Flexibilität könnte E-Voting eine Alternative zur Briefwahl werden. Zudem bietet es die Möglichkeit, ein zur anstehenden Entscheidung passendes Informationsangebot zur Verfügung zu stellen, etwa durch die Verlinkung zu Homepages des Kandidaten. Weiterhin könnte es die Effizienz, Geschwindigkeit und Genauigkeit der Stimmabgabe und -auszählung erhöhen und so Kosten sparen.

Gegner von E-Voting lassen dieses Argument jedoch nicht gelten: "Natürlich ist E-Voting nicht das Gleiche wie E-Commerce. Wahlen sind ein essenzieller Teil der Demokratie, und wenn ihre Gültigkeit bedroht ist, muss auf E-Voting verzichtet werden", betont Beckert. Cyber-Attacken auf Online-Wahlen haben weitreichendere Konsequenzen als etwa Hackerangriffe auf Online-Shops – im Zweifelsfall werden ganze Wahlen ungültig und nicht nur einzelne Kaufvorgänge. Zudem gibt es derzeit noch keine technische Lösung, die beabsichtigte Fälschungen und unbeabsichtigte Fehler ausschließt. So ist beispielsweise aufgrund der unkontrollierten Wahlumgebung – zu Hause statt im Wahllokal – ein möglicher Stimmenverkauf nicht nachvollziehbar. Solange es keine verbreiteten digitalen Signaturen gibt, ist E-Voting zudem deutlich komplizierter als eine Papierwahl, da es multiple Identifizierungsprozesse braucht. Außerdem werden alle ausgeschlossen, die keinen Internetzugang haben.

Zusammenfassend zeigten sich Experten und Teilnehmer des Workshops sehr skeptisch hinsichtlich der Möglichkeit, E-Voting auf europäischer Ebene einzuführen – vor allem im Hinblick auf die technischen und rechtlichen Voraussetzungen, die für bindende Wahlen übers Internet nicht ausreichen: Die meisten europäischen Länder können derzeit keine allgemeine, freie und anonyme Wahl sowie eine transparente und sichere Stimmzählung über E-Voting-Systeme garantieren.

Der nächste Workshop beschäftigt sich mit dem Thema E-Participation. Er findet am 26. Mai 2011 im Europäischen Parlament in Brüssel statt. Die Teilnahme ist kostenlos, es ist aber eine Registrierung nötig. Bis zum 19. Mai können sich Interessierte mit Name, Geburtstag, Nationalität und Wohnort mit einer E-Mail an Kerstin.Goos@isi.fraunhofer.de anmelden. Weitere Informationen gibt es unter

http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/t/projekte/bb-stoa-e-democracy.php.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert die Rahmenbedingungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Katja Rische | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/t/projekte/bb-stoa-e-democracy.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Layouterfassung im Flug: Drohne unterstützt bei der Fabrikplanung
19.05.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Intelligente Industrialisierung von Rechenzentren
15.05.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten