Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Technik für drahtlosen Datenhighway

30.09.2008
TU-Forscher erreichen rekordverdächtige Werte für mobile Anwendungen

Schon in naher Zukunft wird der Reisende am Bahnhof ankommen und sich auf sehr komfortable Art und Weise mit Unterhaltung für die bevorstehende Bahnfahrt eindecken. Er wird sein Handy zücken, Kontakt zum "Daten-Kiosk" aufnehmen, und sich vielleicht blitzschnell einen 90-minütigen Spielfilm auf sein Smart-Phone herunterladen. Laptop und DVD haben ausgedient - Handy-TV und Video on Demand sind die Schlagwörter, die bereits in fünf bis zehn Jahren zum völlig normalen Wortschatz gehören werden.

An der Technik für diese Entwicklung arbeiten derzeit Forscher der Technischen Universität Berlin (TUB), des Heinrich-Hertz-Instituts Berlin (HHI) und der Firma Thales Electronic Solution (TES) in einem Projekt besonders erfolgreich zusammen. "Es ist uns gelungen, ein System zu schaffen, das genügend Hochfrequenzleistung bei akzeptabler Lebensdauer der Batterien zur Verfügung stellt", fasst Prof. Dr.-Ing. Georg Böck, Leiter des Fachgebiets Mikrowellentechnik an der TU Berlin, zusammen.

Derzeit werde weltweit an der Erschließung des 60-GHz-Bandes für zukünftige Mobilfunkanwendungen sehr hoher Datenraten gearbeitet. "Zurzeit leistet die Wireless-LAN-Technik unter günstigsten Übertragungsbedingungen und im Falle eines Benutzers bis zu 50 Megabit pro Sekunde", sagt der Ingenieur. Für künftige drahtlose Multimedia-Zugriffssysteme - dazu gehören zum Beispiel Gigabit-Hot-Spots, die drahtlose Synchronisation von Kameras, Smart-Phones und Medien-Wiedergabegeräten - werde in naher Zukunft allerdings die hundertfache Leistung benötigt. Etwa, wenn viele User gleichzeitig hohe Datenraten von einem Sender empfangen wollen. Derzeit können die Forscher bereits 192 Megabit pro Sekunde drahtlos übertragen, langfristig sind Gigabit-Raten das Ziel.

Im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojektes mit der Firma Thales Electronic Solution (TES) haben TU-Forscher der Fachgebiete Mobilkommunikation (Prof. Dr.-Ing. Dr. rer. nat. Holger Boche) und Mikrowellentechnik (Prof. Georg Böck) einen kompletten Chipsatz für 60-GHz-Sende-/Empfangssysteme auf Basis des Halbleitermaterials Silizium entwickelt. Auch im internationalen Vergleich rekordverdächtig sind dabei Ausgangsleistung und Energieeffizienz des entwickelten 60-GHz-Leistungsverstärkers. Der etwa 1 x 1 mm2 große Chip erreicht eine Ausgangsleistung von mehr als 40 Milliwatt bei einer Effizienz von 20 Prozent. "Der Leistungsverstärker gehört zu den kritischsten Bausteinen des kom-pletten Systems und bestimmt maßgeblich dessen Reichweite", erläutert Prof. Böck. Außerdem sei es gelungen, Antennengruppen anstelle von einzelnen Antennen einzusetzen und damit Reichweite und Datenrate weiter zu erhöhen.

Von 60-GHz-Systemen werde in wenigen Jahren ein riesiger Markt erwartet. Neben den bereits beschriebenen "Daten-Kiosk"-Applikationen können die Systeme in so genannten "In-Cabin"-Anwendungen die Passagiere in Flugzeugen, Schiffen, Zügen und Bussen drahtlos mit Unterhaltung versorgen. Dass solche Anwendungen riesige Datenmengen senden bzw. empfangen können müssen, erschließt sich, wenn man bedenkt, dass die 800 Passagiere eines Airbus A380 unter Umständen gleichzeitig auf ihr drahtloses "Inflight Entertainment" zugreifen wollen. "Die 60-GHz-Technologie hat ein enormes Zukunftspotential für breitbandige Funkdienste mit verhältnismäßig geringer Reichweite", resümiert Prof. Böck. "Sofern es gelingt, kostengünstige Chipsätze und entsprechend leistungsfähige Signalverarbeitungs-Hardware zu realisieren." Seit drei Jahren forschen die Wissenschaftler an dem Projekt, mit dem sie sich nun für den renommierten "Electrical and Electronic Engineering for Communication"-Innovationspreis beworben haben, der in den kommenden Wochen vergeben wird.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Prof. Dr.-Ing. Georg Böck, Technische Universität Berlin, Fachgebiet Mikrowellentechnik, Einsteinufer 25, 10587 Berlin, Telefon: 030/314-26894, Fax: 030/314-26893, E-Mail: boeck@tu-berlin.de, Homepage: www.mwt.tu-berlin.de

Prof. Dr.-Ing. Dr. rer. nat. Holger Boche, Technische Universität Berlin, Institut für Telekommunikationssysteme, Heinrich-Hertz-Lehrstuhl für Mobil-kommunikation, Werner-von-Siemens-Bau (HFT 6), Einsteinufer 25, 10587 Berlin, Telefon: 030/314-28459, Fax: 030/ 314-28320, E-Mail: holger.boche@mk.tu-berlin.de , Homepage: www.mk.tu-berlin.de

Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.bundesnetzagentur.de
http://www.hhi.fraunhofer.de
http://www.mk.tu-berlin.de

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.hhi.fraunhofer.de
http://www.bundesnetzagentur.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Verbesserung des mobilen Internetzugangs der Zukunft
21.07.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

nachricht Affen aus dem Weltraum zählen? Neue Methoden helfen die Artenvielfalt zu erfassen
21.07.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu Sprachdialogsystemen und Mensch-Maschine-Kommunikation in Saarbrücken

24.07.2017 | Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Power-to-Liquid: 200 Liter Sprit aus Solarstrom und dem Kohlenstoffdioxid der Umgebungsluft

24.07.2017 | Energie und Elektrotechnik

Innovationsindikator 2017: Deutschland auf Platz vier von 35, bei der Digitalisierung nur Rang 17

24.07.2017 | Studien Analysen

Netzwerke statt Selbstversorgung: Wiesenorchideen überraschen Bayreuther Forscher

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie