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Tarnkappe gegen Videoüberwachung

03.02.2009
System entfacht neue Diskussion über Datenschutz und Privatsphäre

Die zunehmende Überwachungstätigkeit von staatlichen Behörden aber auch von Privaten stößt bei Datenschützern auf herbe Kritik. Ein Forscher der Hewlett-Packard Labs hat nun eine mögliche Lösung vorgestellt, die Gesichter von Menschen auf den Aufnahmen automatisch unkenntlich macht.

Ein entsprechendes System hat Jack Brassil vorgestellt. Was zuerst äußerst datenschutzfreundlich klingt, hat jedoch auch einen Haken. Denn damit Brassils System weiß, welches Gesicht verzerrt werden soll, müssen sich die betreffenden Personen zuvor registrieren lassen und schließlich ihre per GPS ermittelte Position laufend an das Kameranetzwerk melden.

Brassil nennt seine Entwicklung "Cloak". Sie soll eine digitale Tarnkappe bilden, die den Träger vor Kameras im öffentlichen Raum schützt, berichtet das Wissenschaftsportal NewScientist. Die Position des Geschützten erfährt das Kameranetzwerk durch einen GPS-Empfänger, der beispielsweise im Handy verbaut ist und laufend seinen aktuellen Standort meldet. Das System teilt allen Kameras in der näheren Umgebung mit, dass sie die entsprechende Person nicht filmen dürfen. Anhand der exakten Positionsdaten erkennen die Kameras die betroffenen Personen und verzerren das Gesicht in der Aufnahmen automatisch. Die Videotarnkappe bietet also Schutz gegen die ungewollte Aufnahmen per Überwachungssystem. Sollen die Videoaufnahmen weitergereicht werden, so kann die unkenntlich gemachte Person darauf nicht mehr identifiziert werden.

Die Tatsache, dass sich die Cloak-Nutzer registrieren lassen müssen, bevor sie ihre Privatsphäre schützen können, stößt bei Datenschützern auf Kritik. "Kurz- bis mittelfristig ist ein derartiges System nicht praktikabel, da die Videosysteme für die GPS-Ortung ausgestattet werden müssten, was bei bestehenden Systemen nicht ganz einfach ist", meint der Datenschutzexperte Hans G. Zeger http://www.zeger.at gegenüber pressetext. Außerdem stelle sich die Frage, wozu man überhaupt noch Videoaufzeichnung machen soll, wenn man ohnehin von jedem Menschen metergenau die Position kennt. In seinem Buch "MENSCH. NUMMER. DATENSATZ." führt Zeger aus, dass die Überwachungsgesellschaft abgeschlossen sei und nun in eine Scoringgesellschaft übergehe.

"Immer öfter wird Überwachung als zu belastend und teuer empfunden, es werden daher 'vertrauenswürdige' Personen und Gruppen, die sogenannten Valids, davon ausgenommen", erläutert Zeger. Diese erhalten spezifische Ausweise oder in diesem Fall Equipment, um sie rascher durch die immer häufigeren Kontrollen durchschleusen zu können bzw. sie nicht unnötig zu erfassen und damit Verdächtigungen und Belastungen aussetzen zu müssen. "Die nicht Vertrauenswürdigen, die In-Valids, müssen mit noch mehr Kontrolle rechnen. Das bringt problematische Auswirkungen auf Verbrechensbekämpfung und damit auf die Sicherheit. Die Gruppe der Valids wird in Zukunft sogar einfacher Verbrechen begehen können, wengleich die Wahrscheinlichkeit zur Tatbegehung extrem niedrig ist. Gleichzeitig wird sie sich vor den Folgen besser schützen können. Die andere Gruppe hingegen wird mehr überwacht und auch mehr von den Delikten betroffen sein", malt der Datenschützer ein düsteres Bild.

Auch britische Datenschützer orten Probleme. So meint beispielsweise Ian Brown, vom Oxford Internet Institute http://www.oii.ox.ac.uk , dass Brassils Ansatz prinzipiell falsch sei. "Menschen sollten nicht zu einer Registrierung genötigt werden, um ihre Privatsphäre schützen zu können", so Brown. Brassils System würde sogar noch weiter gehen, als Bürger bloß zu filmen. Immerhin müsse dem System laufend die aktuelle Position mitgeteilt werden.

Die Kritik an seiner Entwicklungnimmt auch Brassil ernst. Seine Entwicklung stelle natürlich nicht jeden zufrieden. Allerdings sei der wichtigste Punkt die Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz. Hier sei Europa bereits einige Schritte weiter, zumal sich Gesetze mit dem Schutz der Privatsphäre auseinandersetzen. Überwachungssysteme sollten von Beginn an mit Datenschutzeinrichtungen konstruiert werden, fordert der Forscher. "Das Problem ist, dass sich die Technologie schneller entwickelt als unser Verständnis für deren Auswirkung auf die Privatsphäre", meint Brassil.

Andreas List | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.hpl.hp.com

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