Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Surfen im Glashaus. Regensburger IT-Forscher weisen Leck in Internet-Anonymisierungsdienst nach

17.01.2011
Wer im Internet surft, hinterlässt Spuren. Das liegt nicht zuletzt daran, dass jeder Computer, der online ist, eine individuelle IP-Adresse hat, die sich zurückverfolgen lässt. So gleicht die Nutzung des Internets mitunter dem Leben in einem Glashaus, in das jeder hineinblicken kann.

Die Meldungen über geknackte Passwörter oder den Handel mit Internet-Kundendaten tun ein Übriges, um die in diesem Zusammenhang vorherrschende Verunsicherung – gerade bei Laien – noch zu verstärken. Experten raten daher dazu, sogenannte Anonymisierungsdienste zu nutzen.

Diese ermöglichen anonymes Surfen, indem sie den Datenverkehr zwischen dem Surfer und der von ihm besuchten Webseite über ein vielschichtiges Netzwerk von Proxy-Servern leiten. Teilnehmende Server des Netzes leiten Datenpäckchen weiter und bauen so eine alternative Datenroute auf, die nur schwer nachvollziehbar ist.

Doch ganz so einfach ist es leider nicht, wie nun IT-Forscher der Universität Regensburg nachweisen konnten. So hat Dominik Herrmann, Doktorand am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Regensburg, vor kurzem auf dem Hackerkongress „27C3“ des Chaos-Computer-Clubs in Berlin eine Methode vorgestellt, wie man das Surfverhalten von Nutzern des Anonymisierungsdienstes „Tor“ überwachen kann.

Zwar sei es Außenstehenden nach wie vor nicht möglich, das Surfverhalten eines Tor-Nutzers vollständig zu rekonstruieren; der Abruf einzelner Webseiten könne jedoch bei guten Beobachtungsbedingungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 55 bis 80 Prozent nachgewiesen werden. Ein solcher „Angriff“ funktioniert zudem im Prinzip nicht nur bei „Tor“, sondern den Untersuchungen der Regensburger Forscher zufolge - bei allen anderen marktüblichen Anonymisierungsdiensten sowie den meisten anderen Verfahren, die den Datenverkehr verschlüsseln, z. B. bei nach dem Stand der Technik verschlüsselten WLANs und bei VPNs.

Was zudem erschreckend ist: Der Trick ist relativ simpel. Man muss sich einfach über denselben Einwahlpunkt (etwa ein WLAN-Netzwerk) wie der Auszuspähende ins Internet begeben und dann den Weg nachvollziehen, den „Tor“ für dessen Anfragen wählt. Dabei wird das zu einem bestimmten Zeitpunkt von einem Punkt im „Tor“-Netzwerk ausgehende Datenrouting offengelegt - und es wird möglich, Seitenaufrufe eines Überwachten den entsprechenden Web-Adressen zuzuordnen. Voraussetzung für so eine Überwachung ist aber die „Nähe“ zum Einstiegspunkt des Überwachten.

Dennoch schätzen Herrmann und seine Kollegen von anderen Forschungseinrichtungen im Bundesgebiet die Gefahr als groß ein. „Die Entwickler von „Tor“ müssen sich des Problems annehmen und Lösungsstrategien entwickeln“, so Herrmann. Denn unterschätzt werden darf das Leck nicht. Gerade für Personen, die aus politischen oder sicherheitsrelevanten Gründen auf eine weitgehende Anonymisierung im Internet angewiesen sind, dürften die Untersuchungen der Regensburger Forscher besorgniserregend sein.

Die Beseitigung des Problems dürfte sich allerdings als schwierig erweisen. Eine umfassende Lösung ist bislang noch nicht in Sicht. Ein erster Ansatz besteht darin, immer mehrere Seiten im Internet gleichzeitig anzusteuern oder zugleich Webradio zu hören, um die Menge der Datenpakete so zu erhöhen, dass die Analyse der Datenpakete bzw. des Datenrouting erschwert wird.

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Dominik Herrmann
Universität Regensburg
Institut für Wirtschaftsinformatik
Tel.: 0941 943-2869
Dominik.Herrmann@wiwi.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Der Form eine Funktion verleihen
23.06.2017 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Zukunftstechnologie 3D-Druck: Raubkopien mit sicherem Lizenzmanagement verhindern
23.06.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften