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Suchmaschine für Fernsehbeiträge

01.07.2009
Inhaltlich hat der Journalist die Aussagen von Ulla Schmidt zur Gesundheitsreform im Kopf. Doch um sie zitieren zu können, braucht er den genauen Wortlaut. Ein neues Spracherkennungssystem hilft, in Fernsehbeiträgen zu recherchieren.

Wann wurde die Finanzkrise in der Tagesschau zum ersten Mal erwähnt? Was sagte doch gleich Merkel zur Präsidentschaftswahl? Bisher müssen Journalisten, Archivare und Medienbeobachter lange suchen, bis sie eine bestimmte Stelle in Sendungsmitschnitten finden – oder viel Geld in ein Spracherkennungssystem investieren.

Denn die Systeme, die diese Suche übernehmen können, müssen in regelmäßigen Abständen von Fachleuten aktualisiert werden und sind daher mit hohen laufenden Kosten verbunden. Basis dieser Systeme ist eine Art Lexikon, das alle erkennbaren Wörter enthält. Neue Themen und Köpfe bringen jedoch neue Wörter mit sich, seien es »Finanzkrise« oder Namen wie »Obama«. Um diese Begriffe finden zu können, müssen sie zuvor in das Lexikon übertragen werden.

Forscher am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informa-tionssysteme IAIS in Sankt Augustin haben ein Spracherkennungssystem entwickelt, das ohne kostenintensive Aktualisierung auskommt. »Unser System basiert auf einem Silbenlexikon statt auf einem Wort-lexikon. Klassische Spracherkenner können nur eine begrenzte Zahl von Worten erkennen – die Zahl der existierenden Wörter ist jedoch unüberschaubar groß. Im Unterschied dazu ist die Anzahl verschiedener Silben handhabbar. Mit etwa 10 000 gespeicherten Silben können wir jedes Wort zusammensetzen«, sagt Daniel Schneider, Forscher am IAIS. Das Programm erschließt sich auch neue Worte selbst, indem es sie aus den gespeicherten Silben zusammensetzt: Fi-nanz-kri-se. Es muss nicht aktualisiert werden und verursacht keine laufenden Kosten.

Für die Suche werden die Fernsehsendungen zunächst segmentiert: Ändert sich beispielsweise der Sprecher oder kommt ein Filmbeitrag – variiert also der Inhalt der Audiospur –, speichert das Programm die folgenden Szenen als neues Segment ab. Der Anwender kann von Sprecher zu Sprecher navigieren, etwa nur die Beiträge eines Interviewpartners anschauen. In einem weiteren Schritt analysieren Sprachalgorithmen die einzelnen Worte. Für den Anwender präsentiert sich das Programm wie eine herkömmliche Suchmaschine.

Er gibt den Suchbegriff ein, wenige Millisekunden später hat das Programm 10 000 Stunden aufgearbeitetes Datenmaterial durchsucht. Die Ergebnisse werden wie bei Internet-Suchmaschinen im Satzzusammenhang angezeigt. Ein Klick, und die entsprechende Stelle des Filmmaterials wird abgespielt. Das System findet über 85 Prozent der gesprochenen Begriffe, 99 von 100 gefundenen Beiträgen sind korrekt. Ein Lizenzmodell des Programms gibt es bereits.

Felix Zielke | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

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