Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Steganalyse gegen illegale Botschaften

01.03.2010
Das Bestreben, Nachrichten vor seinen Gegnern zu verbergen, ist vermutlich so alt wie das Konkurrenzdenken. Ebenso die Versuche, sie wieder zum Vorschein zu bringen. Doch wie? Forscher an der Hochschule Konstanz sind moderne Vertreter der Enttarnungskunst.

Bereits in den Perserkriegen im 5. Jahrhundert vor Christus tätowierte man geheime Nachrichten auf den Schädel von Sklaven. War das Haar wieder gewachsen, schickte man sie los. Der Empfänger rasierte den Botenkopf und las die Botschaft.

Andere Tarnmethoden bestanden etwa in der Markierung der gewünschten Buchstaben in einem Text durch nadelfeine Löcher oder durch Änderung der Buchstabenhöhe. Oder die Nachricht wurde auf eine Holzunterlage geritzt, diese mit Wachs bedeckt und wieder beschriftet. Das Verschlüsselungsverfahren nennt man Steganografie.

Mit den Jahrhunderten wurden die Methoden immer raffinierter, das Prinzip ist immer noch dasselbe. Heute versteckt man Botschaften vor allem in Bild- und Audiodateien, aber auch in Programmcodes oder Netzwerkprotokollen.

Das Verbergen von Inhalten kann einem guten Zweck dienen, etwa wenn man die eigenen Passwörter oder persönliche Daten vor ungebetenen Blicken schützen will. Oder in böser Absicht - wenn terroristische Organisationen ihre Botschaften austauschen oder Industriespione das Ausgespähte unauffällig weiter geben wollen.

Gegen diese illegalen und meist gefährlichen Absichten versuchen Steganalysten anzukämpfen, indem sie versteckte Daten wieder sichtbar machen. Sie sind die Entschlüssler.

Hier setzt die Arbeit von Professor Dr. Matthias Franz und seinen Mitarbeitern an. Zwar gibt es bereits eine ganze Reihe von Programmen, mit denen man Audio- und Bilddateien ihre versteckten Botschaften wieder entlocken kann - allerdings muss man recht genau wissen, dass und vor allem welche Datei mittels Steganografie manipuliert wurde.

Fallen größere Datenmengen an, etwa bei der Beschlagnahme von Festplatten oder bei Webalben, wird die Sache richtig mühselig. Datei für Datei zu analysieren ist bisher langwierig und nichts für Ermittlungsbehörden im Arbeitsalltag.

Könnte man allerdings die Daten nach bestimmten Kriterien schnell und ohne tiefe Informatikkenntnisse darauf "scannen", ob sie Verstecktes beinhalten, wären die Fahndungserfolge viel größer.

Das war der Grundgedanke von Professor Franz, der in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheits- und Informationstechnik (BSI) ein solches Programm entwickelt.

Die Dateien werden dabei nach bestimmten Kriterien und Parametern untersucht und die Manipulation angezeigt. Zwar gibt es bereits Programme die das leisten können, doch die meisten versagen bei großen Dateimengen und vor allem bei jenen versteckten Botschaften, die eine geringe Größe innerhalb großer Datenmengen haben. Angesichts des immer häufigeren illegalen Datentransfers ein Problem.

Hinzu kommt, dass die derzeitigen Steganalyseprogramme kaum von Fahndern ohne ein Mindestmaß an Spezialkenntnissen bedient werden können. In der alltäglichen Verbrecherbekämpfung ein echtes Problem. Auch daran arbeiten Professor Franz und sein Team.

Die Zukunft der Steganalyse könnte dann so aussehen, dass auch ungeschulte Polizeibeamte oder Fahnder mit nur wenigen Klicks aus einer größere Dateimenge schnell und vor allem zuverlässig jene Teile herausfischen können, in denen das Geheime verborgen ist. Wie das genau bewerkstelligt wird, darüber schweigen die Forscher diskret.

Dr. Adrian Ciupuliga | idw
Weitere Informationen:
http://www.ios.htwg-konstanz.de/joomla_mof/
http://www.htwg-konstanz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Lemgoer Forscher entwickeln Intelligente Assistenzsysteme für mobile Anwendungen in der Industrie
25.07.2017 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

nachricht Neue Anwendungsszenarien für Industrie 4.0 entwickelt
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops