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Der Landwirt fährt mit seinem Auto zum Acker, öffnet die Heckklappe und lässt ein GPS-gesteuertes Modellflugzeug steigen, das er auch mit seinem SmartPhone steuern kann. Diese ferngesteuerte Drohne ist mit Spezialkameras ausgerüstet, die das Feld optisch erkunden.
Die gewonnenen Aufnahmen werden schon im Flug in das Internet übertragen und dort analysiert. Kurze Zeit später empfängt der Landwirt mit seinem SmartPhone die Ergebnisse in Kartendarstellung und erkennt sofort, an welchen Stellen er seinen Acker vielleicht mehr düngen oder anders bewirtschaften muss. Ferne Zukunftsmusik? Nicht an der Hochschule Rhein-Waal, denn hier wird ab sofort gemeinsam mit Forschungs- und Industriepartnern aus dem niederländisch-deutschen Grenzgebiet an solchen Lösungen gearbeitet. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Smart Inspectors“ hat zum Ziel, die gesamte Prozesskette von Infrarot(IR)-Spezialkameras und Radar über Fluggeräte und Datenfernübertragung bis zur wissenschaftlichen Auswertung und Ergebnisdarstellung für den Endkunden zu entwickeln.
Prof. Dr.-Ing. Rolf Becker von der Hochschule Rhein-Waal beantragte „Smart Inspectors“ federführend bei der Euregio Rhein-Waal, die durch ihre strategische Beratung im Bereich der Wirtschaftsförderung maßgeblich zum Erfolg des Antrags beitrug. Der Lead Partner Hochschule Rhein-Waal ist mit zahlreichen Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern am Vorhaben beteiligt. Zusammen mit Kollegen der Wageningen University and Research Centre (Fernerkundung), des Landwirtschaftszentrums Haus Riswick, der Firmen sceme.de GmbH (Sensoren), IMST GmbH (Radar) und BLGG Research (landwirtschaftliche Forschung und Beratung) entwickeln sie neue Verfahren und Anwendungen in der Infrarot- und Radar-Fernerkundung.
Das neuartige IR- und Radar-Fernerkundungssystem soll von Drohnen und kleinen Ultraleichtflugzeugen getragen werden können. Es ist kostengünstiger und flexibler als konventionelle flugzeuggetragene Systeme und weniger von Bewölkung abhängig als Erdbeobachtungssatelliten.
Auch außerhalb der Landwirtschaft birgt die Fernerkundung großes Potential für verschiedene Anwendungen, wie beispielsweise in der Verkehrsüberwachung, der technischen Inspektion von Industrieanlagen, dem Hochwasserschutz (Deichkontrolle) oder dem Monitoring von Naturschutzgebieten und Tierbeständen.
Durch den Aufbau des transnationalen Kompetenznetzwerks Fernerkundung Euregio Rhein-Waal wird eine nachhaltige Nutzung von Fernerkundungssystemen und -verfahren in der Region gewährleistet. Interessierte Firmen im Grenzgebiet können gemeinsam mit dem Kompetenznetzwerk neuartige Produkte und Dienstleistungen entwickeln, etwa in den Bereichen Katastropheneinsatz, technische Überwachung, Umweltschutz und Landwirtschaft. Dadurch werden auch neue Arbeitsplätze geschaffen.
Mit dieser High-Tech-Offensive in der Euregio Rhein-Waal können neue Märkte zeitnah besetzt werden. Außerdem werden die entwickelten Technologien einen weltweiten Absatzmarkt finden, etwa in Ländern mit einer sehr großflächigen Landwirtschaft.
Das Projekt „Smart Inspectors“ wurde am 1. März vom zuständigen Lenkungsausschuss genehmigt und wird im Rahmen des europäischen Programms INTERREG IV A „Deutschland-Nederland“ gefördert. Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf etwa 3,16 Millionen Euro. Der Beitrag der Europäischen Union liegt bei 1,42 Millionen Euro. Das Land Nordrhein-Westfalen, die niederländische Provinz Gelderland und das niederländische Wirtschaftsministerium beteiligen sich zusammen mit weiteren 762.000 Euro. Der Rest wird von den Projektpartnern finanziert.
Smart Inspectors
Projektpartner: Hochschule Rhein-Waal (Kleve und Kamp-Lintfort), Wageningen Universiteit (Wageningen), BLGG Research (Wageningen), sceme.de GmbH (Kalkar), Landwirtschaftszentrum Haus Riswick (Kleve), IMST GmbH (Kamp-Lintfort)
Assoziierte Partner: ISIS-IC GmbH (Wesel), Alterra (Wageningen), TerraSphere Imaging & GIS B.V. (Amsterdam), CARRIER³ Goran Kelemen (Emmerich), Flieg mit uns (Borken/Wesel)
Laufzeit: 2012 – 2014
INTERREG IV A
INTERREG IV A ist ein Programm der Europäischen Union zur Unterstützung von grenzüberschreitenden Projekten. Die Euregio Rhein-Waal führt INTERREG IV A in ihrem Arbeitsgebiet aus und betreut die Projektpartner von der Ideenentwicklung bis zum Projektabschluss. INTERREG IV A zielt auf die Entwicklung der europäischen Grenzregionen ab. Unterstützt werden Projekte in den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Innovation, nachhaltige regionale Entwicklung sowie Gesellschaft und Integration. Zu diesem Zweck stellt die Euregio Rhein-Waal bis zum Jahr 2013 EU-Fördermittel in Höhe von 34 Millionen Euro zur Verfügung.
Christin Hasken | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.hochschule-rhein-waal.de/
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