Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spitzenforschungslabor für Hochleistungsrechnen gut gestartet

01.11.2010
Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) hat eine positive erste Zwischenbilanz nach dem Start seines neuen Spitzenforschungslabors für Hochleistungsrechenverfahren gezogen.

Im "HPI Future SOC Lab“, einem mit modernster Hard- und Software im Gesamtwert von fast zwei Millionen Euro ausgestatteten Computerlabor, wird seit Mitte Juni experimentell erforscht, wie die Potenziale neuester Rechnerarchitekturen mit Software erschlossen werden können, die massiv parallel verarbeitet und den riesigen Hauptspeicher ausnutzt.

"Die in den ersten sieben Projekten erzielten Anfangsergebnisse lassen aufhorchen und wichtige Erkenntnisse erwarten", berichtete Institutsdirektor Prof. Christoph Meinel nach einer Sitzung des Steuerungsgremiums. Das HPI-Spitzenforschungslabor wird von einem hochkarätigen Konsortium von IT-Konzernen, darunter zum Beispiel EMC, Fujitsu, Hewlett-Packard und SAP mit neuester Hard- Software unterstützt. Beides kommt gerade aus den Entwicklungsabteilungen und wird nun auf den Markt gebracht.

Die Hochleistungsserver im neuen HPI-Hauptgebäude verfügen insgesamt über rund 200 Rechenkerne (jeder vergleichbar einer herkömmlichen zentralen Verarbeitungseinheit eines Computers, CPU) und 3,2 Terabyte Hauptspeicherkapazität. Der größte Server, ein Hewlett-Packard DL980 G7, hat mit zwei Terabyte fast 500 Mal so viel Arbeitsspeicher wie ein handelsüblicher PC. Die Kapazität der im Labor genutzten Festplatten liegt bei 60 Terabyte, die der Flash-Speicher bei drei Terabyte.

HPI-Professor Andreas Polze, Leiter des Fachgebiets Betriebssysteme und Middleware, kündigte an, dass künftig auch neueste, auf Grafikkarten basierende Hochleistungsrecheneinheiten des Herstellers NVIDIA zum Einsatz kommen werden. Jede hat eine Rechenleistung von einem Teraflop. Der Softwarekonzern SAP stellt für die Projekte der Wissenschaftler seine neueste Business by Design-Software zur Verfügung. Forschen können die Nutzer des HPI Future SOC Lab mit komplexen realen Unternehmensdatensätzen, die ein internationaler Konsumgüterkonzern in anonymisierter Form bereitstellte.

Dr. Carsten H. Hahn, in der SAP-Entwicklungsabteilung für die On-Demand-Geschäftsplattform Business by Design zuständig, berichtete auf dem Forschertreffen in Potsdam über Untersuchungen zur Flexibilität und Erweiterbarkeit der aktuellen Version und gab einen Ausblick auf die nächste Entwicklungsstufe. Hahns SAP-Kollege Dr. Christian Mathis stellte dar, wie mit Hilfe des HPI-Spitzenforschungslabors das Verhalten grundlegender Datenverarbeitungs-Algorithmen auf neuesten Hardwareplattformen untersucht wird.

Jan Schaffner, Doktorand im HPI-Fachgebiet von Prof. Hasso Plattner, präsentierte ein gemeinsames Projekt mit der Universität Berkeley zum Lastmanagement in On-Demand-Anwendungsfällen. Erforscht wird dabei, wie Hauptspeicher-Datenbanken mehrerer Kunden so auf eine möglichst kleine Zahl von Servern verteilt werden können, dass keine merkbaren Leistungseinbußen auftreten. HPI-Wissenschaftler Dr. Martin von Löwis steuerte erste Ergebnisse seiner Forschungen bei, wie durch Parallelisierung automatisierte Softwareproduktion als Dienst beschleunigt werden kann. Im Potsdamer Spitzenforschungslabor ermittelt von Löwis dabei die Chancen einer verbesserten Softwarequalität durch zeitnahe Bereitstellung von Testergebnissen.

Dr. Peter Tröger, Senior Researcher am HPI, zeigte auf, wie im Future SOC Lab des Instituts Architekturmodelle für die Migration proaktiver virtueller Umgebungen erforscht werden. Dipl.-Ing. Anselm Busse, Wissenschaftler an der TU Berlin, berichtete über sein Projekt, in dem er mit Hilfe des Potsdamer Spitzenforschungslabors die Auswirkungen so genannter Scheduling-Ansätze auf die Energieeffizienz und Rechenleistungen künftiger Vielkern-Rechner untersucht. Dr. Tobias Friedrich vom Saarbrücker Max-Planck-Institut für Informatik informierte in Potsdam über Simulationen physikalischer Wachstumsmodelle am Beispiel des Schmelzens dünner Eisschichten. Auf den HPI-Hochleistungsrechnern konnten solche Simulationen neue Eigenschaften dieser Modelle aufzeigen.

Hintergrund Spitzenforschungslabor „HPI Future SOC Lab“

Das Spitzenforschungslabor des Hasso-Plattner-Instituts hat seine Arbeit in einer Phase revolutionärer Veränderungen bei den Rechnerarchitekturen aufgenommen. Mehrkernprozessoren, immense neue Hauptspeicherkapazitäten und veränderte Art der schnellen Verarbeitung riesiger Datenmengen nehmen entscheidenden Einfluss auf neueste Rechner-Architekturen. Wenn diese künftig optimal mit massiv parallel arbeitender Software zusammenwirken, werden sich die meisten Verarbeitungsschritte in der IT-Praxis großer Unternehmen und Institutionen um mehrere Größenordnungen (bis zu Faktor 100) beschleunigen lassen. Auch Virtualisierung und Cloud Computing leisten dazu wichtige Beiträge.

Im internationalen „Future SOC Lab“ in Potsdam werden die betreffenden Zusammenhänge untersucht – nicht nur durch die HPI-Wissenschaftler, sondern auch durch eingeladene Forscher aus aller Welt. Sie können auf Antrag realitätsnah neue Konzepte erforschen, die für das Service-Oriented Computing (SOC) der Zukunft wichtig sind. Dabei geht es unter anderem darum, dass Software-Anwendungen nicht mehr im hauseigenen Rechenzentrum oder vom Endbenutzer selbst, sondern von Anbietern entsprechender Dienste (Services) ausgeführt werden.

Stifter Prof. Hasso Plattner, der Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzende des Softwarekonzerns SAP, hatte die Einrichtung Mitte Juni eröffnet. Anwesend waren führende Informatikwissenschaftler und Top-Manager aus dem übrigen Deutschland sowie aus der Schweiz, Norwegen, Israel und den USA.

Hans-Joachim Allgaier | idw
Weitere Informationen:
http://www.hpi.uni-potsdam.de/forschung/future_soc_lab.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Komfortable Software für die Genomanalyse
16.08.2017 | Technische Hochschule Mittelhessen

nachricht Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung
16.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie