Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Software Thin Clients: Fraunhofer-Studie belegt Klimaschutz- und Sparpotenzial

29.04.2015

In nahezu jedem Unternehmen, in jeder Behörde etc. müssen PCs und Notebooks nach Ablauf ihres Lebenszyklus ausgetauscht werden. Das kostet und belastet das Klima durch Emissionen, die bei Herstellung, Transport etc. entstehen. Ältere Geräte können jedoch als Software Thin Clients weiterbetrieben werden. Dadurch können Kosten eingespart und ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden – wie die aktuelle Studie »Ökologische und ökonomische Aspekte von Software Thin Clients« von Fraunhofer UMSICHT zeigt.

Bei Verbrennungs- und anderen industriellen Prozessen werden Treibhausgase freigesetzt, deren erhöhte Konzentration die Strahlungsbilanz der Erde und somit den Treibhauseffekt beeinflussen. Langfristig kann dieser nur durch eine signifikante Reduzierung der Emissionen an CO2 oder CO2-Äquivalenten stabilisiert werden.


Mehrere Stufen des Server Based Computing: PC und Notebook als Software Thin Clients, Hardware Thin Client.

Fraunhofer UMSICHT


THG-Emissionen verschiedener ICT-Geräte im Lebenszyklus, Nutzungsdauer drei Jahre für Deutschland.

Fraunhofer UMSICHT

Mögliche Maßnahmen können in nahezu allen Branchen verankert werden. In der IT beispielsweise, indem eine energieintensive Rechnerarchitektur durch CO2-arme Lösungen ersetzt wird – Stichwort »Green IT«.

Fraunhofer UMSICHT hat in der Vergangenheit bereits mehrfach die ökologischen und ökonomischen Aspekte von IT-Arbeitsplätzen untersucht. In der aktuellen von IGEL Technology beauftragten Studie standen Software Thin Clients im Fokus. Bereits vorhandene Desktop-PCs oder Notebooks werden dabei in reine Benutzerschnittstellen umgewandelt, was ihre Lebens- und Nutzungsdauer verlängert. Die eigentliche Datenverarbeitung erfolgt über Server.

136 000 PKW-Kilometer einsparen

Die Fraunhofer-Forscher stellten den Neukauf eines aktuellen PC-Modells der Nutzung eines vorhandenen und als Software Thin Client weiterverwendeten gegenüber. Die ermittelten Daten fußen auf einer vollständigen Ökobilanzierung, die den kompletten Lebenszyklus eines Produkts von der Produktion über Distribution bis zu Entsorgung bzw. Recycling bewertet.

Es zeigte sich, dass über den Betrachtungszeitraum von drei Jahren ein Software Thin Client die Treibhausgasemissionen um gut 60 Prozent minimiert. Das entspricht einer Reduktion um 198,8 kg CO2eq (Kilogramm CO2-Equivalent, Abkürzung für Treibhauspotenzial[1]) pro Arbeitsplatz. Würde beispielsweise ein Unternehmen sämtliche seiner 100 Arbeitsplätze in Thin Clients umwandeln, läge die Einsparung demnach bei 19,88 t CO2eq.

So viel CO2eq entsteht im Durschnitt bei 136 000 gefahrenen PKW-Kilometern. »Die Weiterverwendung älterer Geräte als Software Thin Clients und der gleichzeitige Verzicht auf Neuanschaffungen leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz«, erklärt Christian Knermann, Projektleiter der Studie und Leiter IT-Services bei Fraunhofer UMSICHT.

Attraktiver Einstieg in Server Based Computing

Dass ein Überdenken der bisherigen IT-Infrastruktur auch aus ökonomischer Sicht Sinn macht, zeigt die Studie ebenfalls. Fraunhofer UMSICHT errechnete für ein Szenario mit 100 Arbeitsplätzen über deren kompletten Lebenszyklus eine Kostenersparnis von 1008 EUR je Arbeitsplatz, wenn anstatt eines neu angeschafften Desktop-PCs ein Software Thin Client zum Einsatz kommt.

»Neben den ökologischen machen auch die ökonomischen Vorteile den Einstieg in die strategische Anwendung von Server Based Computing attraktiv«, so Knermann weiter. Kosten fallen nur für Anschaffung und Inbetriebnahme der Thin Client Software sowie gegebenenfalls den Aufbau von weiteren Terminal Servern zur Unterstützung der Clients an.

Neigt sich der erweiterte Lebenszyklus der Altgeräte seinem Ende, können diese in einem nächsten Schritt durch Hardware Thin Clients ersetzt werden. Deren Produktion und Distribution ist mit weitaus geringeren Treibhausgasemissionen verbunden als dies bei Desktop-PCs oder Notebooks der Fall ist. Zudem sind Investitionskosten geringer.

Online-Verbindung ein Muss

Wieso jedoch stellt nicht jedes Unternehmen sofort Hard- und Software um? Knermann: »Viele Unternehmen scheuen den Einstieg in Server Based Computing, weil dazu ggf. intensiver Know-how-Aufbau notwendig ist, wenn man sich zuvor noch überhaupt nicht mit diesem Thema und Desktop-Virtualisierung beschäftigt hat.« Im Vergleich zu den technischen Randbedingungen vor fünf oder zehn Jahren sei das Ganze aber schon deutlich einfacher geworden.

Ein Nachteil des Server Based Computings besteht aber immer noch: Es muss zu jeder Zeit eine Online-Verbindung zum Rechenzentrum bestehen. Mitarbeitende, die mobil arbeiten und z. B. viel mit Bahn oder Flugzeug unterwegs sind, sind daher weiter auf Notebooks mit lokaler Datenhaltung und -verarbeitung angewiesen.

[1] Das Treibhauspotenzial (engl.: Global Warming Potential, GWP) oder CO2-Äquivalent gibt an, wie viel eine festgelegte Menge eines Treibhausgases zum Treibhauseffekt beiträgt. Als Vergleichswert dient Kohlendioxid.

Weitere Informationen:

http://www.bitkom.org/de/wir_ueber_uns/42761.aspx BITKOM Arbeitskreis Thin Client & Server Based Computing

Iris Kumpmann | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT
Weitere Informationen:
http://www.umsicht.fraunhofer.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht »Lernlabor Cybersicherheit« startet in Weiden i. d. Oberpfalz
12.01.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Klick-Tagebuch: App-Projekt der HdM erlaubt neuen Ansatz in Entwicklungsforschung
11.01.2017 | Hochschule der Medien Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie