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Software entlarvt Pädophile im Web

20.10.2008
Sprachanalyse-Tools sollen Kinder vor Übergriffen schützen

Das Internet hat sich seit seiner Etablierung als globales Massenmedium zu einem beliebten Zufluchtsort für pädophile Straftäter entwickelt. Diese nutzen die Möglichkeiten des Webs vor allem dazu, um sich als unschuldige Jugendliche auszugeben, die Kontakt zu scheinbar Gleichaltrigen knüpfen wollen.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Lancaster University in Großbritannien hat nun eine spezielle Software entwickelt, die das Aufspüren derartiger Übergriffe gegen Minderjährige im Netz wesentlich einfacher und effektiver gestalten soll. Wie der britische Telegraph berichtet, setzt das als "Projekt Isis" bezeichnete System dabei auf eine Technologie, die die verwendete Sprache und Schreibweise des verdächtigen Straftäters analysiert. Auf diese Weise soll es leichter möglich sein, herauszufinden, ob sich ein Erwachsener hinter dem neu gefundenen Internetkontakt verbirgt oder nicht.

"Bei unserem aktuellen Projekt setzen wir verschiedene Sprachanalyse-Tools ein, um diejenigen zu entlarven, die sich im Web als Jugendliche ausgeben und eine große Gefahr für unsere Kinder darstellen", erklärt Awais Rashid, Professor für Software Engineering an der Universität von Lancaster. Das zum Einsatz kommende Verfahren nenne sich "Authorship Attribution". "Wir verbinden dabei Techniken aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Algorithmen", erläutert Rashid. Ausgangspunkt der Software sei die These, dass es beträchtliche Unterschiede darin gibt, wie verschiedene Altersgruppen schriftlich kommunizieren. So könne man etwa aufgrund der im Netz abgegebenen Wortmeldungen genau auseinanderhalten, ob jemand ein Erwachsener oder ein Kind sei.

Das entwickelte Filtersystem wird zudem die Suche nach typischen verwendeten Schlüsselwörtern ermöglichen, die in Pädophilenkreisen als Dateinamen zur Tarnung von kinderpornografischem Material verwendet werden. "Wir wollen mithilfe des Systems in der Lage sein, den Traffic in Filesharing-Netzwerken zu überwachen, um dadurch die Hauptverbreiter solcher Inhalte identifizieren zu können", betont Rashid. Denn diese seien für die Exekutivbehörden besonders interessant. Da sich die eingesetzten Dateinamen aber in der Regel sehr schnell ändern würden, werde es notwendig sein, die Filter-Software laufend zu aktualisieren. "Das Hauptproblem für die Vollzugsbehörden ist, dass sie mit dem schnell wechselnden Vokabular der Pädophilen nicht Schritt halten können. Eine der wesentlichsten Aufgaben unseres Systems ist es, hier eine schnellere und effektivere Verfolgung zu ermöglichen", merkt Rashid an.

"Das Internet ist deshalb für Pädophile so interessant, weil es einen hohen Grad an Anonymität zulässt", meint Triz Heider, Sozialpädagogin der Kids-Hotline, im Gespräch mit pressetext. So sei es einem Erwachsenen dort etwa ohne Probleme möglich, in die Rolle eines Kindes zu schlüpfen, um Kontakt zu einem potenziellen Opfer aufzunehmen. "Zum ersten Auffinden und Kennzeichnen verdächtiger Beiträge macht ein technischer Filter zwar durchaus Sinn. Eine genauere Betrachtung muss dann aber meiner Ansicht nach in Form einer Kontrolle von Menschenhand erfolgen", stellt Heider klar. Eine Filter-Software allein werde das Problem der Pädophilie im Internet aber sicherlich nicht lösen können. "Bevor man sich mit der Verfolgung von Pädophilen beschäftigt, sollte man sich zuerst um eine ausreichende Gefahrenaufklärung der Kinder und Jugendlichen bemühen", so Heider abschließend.

Markus Steiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.lancs.ac.uk
http://www.kids-hotline.de

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