Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

SMS-Attacke auf das Handy

25.01.2011
TU-Informatiker decken Sicherheitslücken bei allen großen Herstellern auf

Eben funktionierte der Empfang noch tadellos, im nächsten Moment ist das Netz weg oder das Handy abgestürzt. Mobilfunkkunden, denen das passiert, müssen damit rechnen, einer SMS-Attacke ausgesetzt zu sein. Denn: Nicht nur sogenannte Smartphones werden angegriffen, sondern auch weit verbreitete Handymodelle mit einfacheren Funktionen – und das mit Erfolg. Erforscht haben das Collin Mulliner und Nico Golde vom Fachgebiet Security in Telecommunications (SECT) der TU Berlin.

Rund 4,6 Milliarden Menschen nutzen die als „Feature Phones“ bezeichneten kostengünstigen Geräte großer Hersteller. Für ihre Studie testeten die TU-Informatiker bekannte Handymodelle von Nokia, Samsung, Motorola, Sony-Ericsson, Micromax und LG, die zwar über verschiedene Multimedia-Fähigkeiten und einen Internet-Zugang verfügen, aber nicht als Smartphones gelten. „Aufgrund der hohen Verbreitung interessierten uns ‚Feature Phones‘ ganz besonders“, erklärt Mulliner, der als Doktorand am Institut für Softwaretechnik und Theoretische Informatik arbeitet. Gemeinsam mit Masterstudent Nico Golde gelang es ihm, die Handys von Mobilfunknetzen zu trennen, Geräte komplett zum Absturz zu bringen oder gar mit SMS auszuschalten.

Die Attacken ließen sich mit einer extra geschriebenen Software testen, die SMS-ähnliche Nachrichten mit modifizierten Zeichenfolgen (sogenanntes Fuzzing) an die Geräte schickt, darunter nicht nur Textnachrichten, sondern auch diverse Arten von Binärinhalten. Die beiden Forscher initiierten verschiedene Angriffsszenarien und schrieben für jedes Handymodell einen eigenen Angriffscode. So versuchten sie beispielsweise die Handys einer großen Zahl von Nutzern gleichzeitig lahmzulegen, um so das Provider-Netz mit den andauernden neuen Einwahlversuchen der Telefone zu überlasten. Die Folge: Das Netz brach zusammen, laufende Telefongespräche wurden unterbrochen oder leere Bildschirme ließen sich ausschließlich nur per Neustart wieder füllen.

„Das größte Sicherheitsrisiko besteht darin, dass die Telefone oft eine Vielzahl von SMS-Fähigkeiten unterstützen, die allerdings kaum verwendet oder getestet sind“, erklärt Golde. „Die kostengünstigen Handys sind im Gegensatz zu den Smartphones besonders dadurch anfällig, dass sie nur über einen Prozessor für das Telefonieren und die Applikationen verfügen. Stürzt die SMS-Applikation ab, stürzt gleich das ganze Handy mit ab.“ Ihre Forschungsergebnisse teilten Mulliner und Golde den Herstellern der getesteten Geräte umgehend mit – diese zeigten sich äußerst dankbar.

Einen umfassenden Schutz vor weiteren Sicherheitslücken wird es aber auch in Zukunft kaum geben. Denn jedes neue Feature bringt neue Fehler mit sich. Hilfe für den Nutzer von „Feature Phones“ gibt es aber trotzdem: „Der einfachste Weg, den Fehler zu beheben, sind Updates, die man manuell herunterladen muss, da sich die Handys nicht automatisch aktualisieren“, so Golde. Die Forscher empfehlen deshalb, die Hersteller zu kontaktieren und nach Updates zu fragen.

Cathrin Becker

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Collin Mulliner, Fachgebiet Security in Telecommunications am Institut für Softwaretechnik und Theoretische Informatik der TU Berlin, Tel.: 030/8353-58585, collin.mulliner@tu-berlin.de, Nico Golde, Tel.: 01762-7280151, nico@sec.t-labs.tu-berlin.de

„EIN-Blick für Journalisten“ – Serviceangebot der TU Berlin für Medienvertreter:
Forschungsgeschichten, Expertendienst, Ideenpool, Fotogalerien unter:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Stefanie Terp | idw
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0
07.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Wenn das Handy heimlich zuhört: Abwehr ungewollten Audiotrackings durch akustische Cookies
07.12.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie