Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sichere Verschlüsselung für elektronische Ausweise

21.08.2009
Im zukünftigen elektronischen Personalausweis soll die Kommunikation zwischen Ausweis und Lesegeräten unter anderem durch das Verschlüsselungsverfahren "Password-Authentication-Connection-Establishment (PACE)" abgesichert werden.

Die Forschergruppe von Marc Fischlin am Center for Advanced Security Research Darmstadt (CASED) bewies nun in Zusammenarbeit mit den Experten Jens Bender und Dennis Kügler vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), dass PACE aus kryptographischer Sicht das bestmögliche Sicherheitsniveau bietet. Die Ergebnisse werden im September bei der internationalen Tagung Information Security Conference 2009 in Pisa vorgestellt.

Der ab November 2010 erhältliche elektronische Personalausweis wird kontaktlos per Funkverbindung ansprechbar sein. Damit nur berechtigte Zugriffe auf die Daten des Ausweises erfolgen können, wird für den ersten Verbindungsaufbau das vom BSI entwickelte Verschlüsselungsverfahren PACE zum Einsatz kommen. PACE erfordert die Eingabe einer PIN, bevor Pass und Lesegerät einen kryptographischen Schlüssel aushandeln können, mit dessen Hilfe dann eine abgesicherte Verbindung aufgebaut wird.

Mit ihren aktuellen Ergebnissen zu PACE beweisen die Forscher, dass die über PACE ausgehandelten Schlüssel sicher sind. Dies gilt selbst in Umgebungen, bei denen ein Angreifer gleichzeitig mehrere Pässe und Lesegeräte anspricht. "Ein vollständiger Sicherheitsbeweis für ein solches Verschlüsselungsverfahren ist sehr komplex und kann nur selten erbracht werden", erklärt Fischlin. "Wir haben beispielsweise noch keinen vergleichbaren Beweis für das heutzutage oft eingesetzte SSL/TLS-Verfahren zur Absicherung von Online-Banking", so der renommierte Kryptologe weiter.

PACE benötigt im Gegensatz zu üblichen Sicherheitsverfahren keine sogenannte Public-Key-Infrastruktur (PKI), das ist ein vernetztes Computersystem zur Erstellung, Verteilung und Prüfung digitaler Schlüssel. Dadurch kann eine sichere kontaktlose Verbindung zwischen Chip und Lesegerät schnell aufgebaut werden und ist auch ohne Internetzugang möglich.

Zukünftig soll PACE auch beim elektronischen Reisepass Verwendung finden und dort das so genannte Basic Access Control (BAC) ablösen. Dieses Verfahren dient dazu, weniger sensitive Pass- und personenbezogene Daten zu schützen, wie beispielsweise Geburtsdatum oder Größe. Diese Daten können bei Zugriff auf den Pass auch direkt abgelesen werden. BAC verhindert zwar unter realistischen Bedingungen, dass Passdaten von Angreifern aktiv ausgelesen oder passiv "mitgehört" werden können, bietet aber nur eine vergleichsweise schwache Verschlüsselung bei der Übertragung der Daten. Der Einsatz von PACE bietet zukünftig eine sicherere Alternative.

Fazit: Durch PACE wird eine schnelle und maximal sicher verschlüsselte Datenübertragung zwischen Chip und Lesegerät möglich. Der kombinierte Einsatz von PACE und dem bereits etablierten PKI-basierten Extended Access Control (EAC), bietet maximale kryptographische Sicherheit bei individueller Kontrolle von Zugriffsrechten, zum Beispiel für den Online-Identitätsnachweis bei Internet- oder eGovernment-Diensten.

Die Details des Beweises werden bei der Information Security Conference 2009 vorgestellt und im Springer-Verlag veröffentlicht.

Weitere Informationen:
CASED, Anne Grauenhorst, Telefon 06151 16-6185,
E-Mail : grauenhorst@cased.de, www.cased.de sowie
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Pressestelle, presse@bsi.bund.de, www.bsi.bund.de
Fachansprechpartner:
Marc Fischlin, E-Mail: fischlin@cased.de
Dr. Marc Fischlin ist Principal Investigator bei CASED und leitet die Emmy-Noether Nachwuchsgruppe "Minimizing Cryptographic Assumptions (MiniCrypt)" am Fachbereich Informatik an der Technischen Universität Darmstadt.

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.bsi.bund.de
http://www.cased.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Das Gehirn mit „Legosteinen“ modellieren
16.06.2017 | Universität Luxemburg - Université du Luxembourg

nachricht Dehnungsmessung – schnell und vielseitig wie nie
14.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie