Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seilbahnschäden automatisch aufspüren

07.09.2009
Informatiker der Universität Jena entwickeln System zur Erkennung von Seilbahnschäden

Bergbahnen, Fahrstühle, Baukräne und Hängebrücken - sie alle werden meist von Seilen gehalten. Dass diese den enormen Belastungen standhalten, liegt nicht zuletzt an den strengen Kontrollauflagen. In regelmäßigen Abständen müssen die Drahtseile auf äußerliche Schäden untersucht werden.

Bis jetzt geschieht das mit dem bloßen Auge vor Ort. Bei kilometerlangen Seilen erfordert das eine Menge Konzentration vom Prüfer. In die Routine können sich da leicht Fehler einschleichen. Das könnte sich jedoch bald ändern, denn Informatiker der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben nun erstmals ein System entwickelt, das Seilschäden automatisch erkennt.

"Mit unserem System können wir fehlerhafte Stellen relativ gut lokal eingrenzen", sagt Esther Platzer. Sie arbeitet im Rahmen ihrer Promotion an dem Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Jena und Stuttgart, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in den letzten zwei Jahren gefördert wurde. "Mittlerweile erkennt das System 90 Prozent der Defekte", so die Informatikerin weiter. Um dieses Ziel zu erreichen, schlugen die Wissenschaftler einen eher ungewöhnlichen Weg ein: Sie haben dem Programm nicht beigebracht, wie Fehler, sondern wie intakte Seile aussehen. "Markiert werden nur die Bereiche, die von dieser Norm abweichen" erläutert Projektleiter Prof. Dr. Joachim Denzler von der Universität Jena. In der Praxis könnten solche Stellen dann gezielt vom Prüfpersonal untersucht werden. Das würde nicht nur Zeit sparen, sondern wäre auch sicherer, als die bisherige Sichtprüfung. "In Feldversuchen hat unser Programm sogar schon Fehler entdeckt, die ein Experte übersehen hat", so Esther Platzer stolz.

Ihr Ziel ist es, das System weiter zu optimieren. "Vielleicht können wir die Defekte bald noch genauer aufspüren", äußert sie optimistisch. Dafür wollen die Jenaer Wissenschaftler ihr System erweitern und eine Technik entwickeln, mit der sie Seile zusätzlich dreidimensional vermessen können. "Dadurch könnten wir Parameter wie den Durchmesser gezielt über den kompletten Seilverlauf hinweg überwachen und leichter Aussagen über Veränderungen des Seils machen", so Prof. Denzler, der dafür eine weitere Förderung beantragen will.

Bereits jetzt ist die Fachwelt von dem neuen Forschungsansatz zur automatischen Fehlererkennung begeistert. Bald könnte das System standardmäßig zur Kontrolle von Seilbahnen oder Fahrstühlen eingesetzt werden.

Die Forschungsergebnisse der Jenaer Informatiker werden auch während der Tagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Mustererkennung, die vom 9. bis 11. September in Jena stattfindet, vorgestellt.

Kontakt:
Prof. Dr. Joachim Denzler / Dipl.-Inf. Esther Platzer
Institut für Informatik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 946420 oder 946424
E-Mail: denzler[at]informatik.uni-jena.de / esther.platzer[at]uni-jena.de

Manuela Heberer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Lemgoer Forscher entwickeln Intelligente Assistenzsysteme für mobile Anwendungen in der Industrie
25.07.2017 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

nachricht Neue Anwendungsszenarien für Industrie 4.0 entwickelt
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops