Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlüssel für sichere Smartphone-Kommunikation

10.02.2014
Abhörsichere Kommunikation etwa mit dem Smartphone ist heute auf Verschlüsselung angewiesen. Dazu muss vor jeder Kommunikation ein geheimer Schlüssel erstellt und ausgetauscht werden.

Die Arbeitsgruppe Kryptographie und Sicherheit von Professor Jörn Müller-Quade arbeitet am KIT an Technologien, die solche Schlüssel sicher entlang einer Kette einander bekannter Personen übermitteln.


SOKEN verteilt Sicherheitsschlüssel über Funk im sozialen Netz. Bild: Christoph Strieks

Das Projekt SOKEN (Social Key Exchange Network) nutzt dabei alltägliche Begegnungen: Über eine Anwendung kann ein Sicherheitsschlüssel erzeugt und beim Vorübergehen über Freunde oder Bekannte verteilt werden. Das Verfahren schafft die Grundlage für eine sichere Kommunikation.

Sichere Verschlüsselung ist auf sichere Schlüssel angewiesen. Anstatt diese mit speziellen Verfahren beispielsweise über das Internet zu erzeugen, schlagen Forscher am KIT vor, diese bei persönlichen Begegnungen automatisch zu erzeugen und von Smartphone zu Smartphone weitergeben zu lassen. Die Schlüssel werden bei jeder Begegnung neu modifiziert, sodass eine Nachricht nur von den beiden Gesprächsteilnehmern gelesen werden kann. „Verwendet man diese über persönliche Treffen ausgetauschten Schlüssel, so wird das Abhören enorm erschwert. Ein Angreifer muss eines der Geräte in der Kette korrumpiert haben, um den Schlüssel zu kennen. Kombiniert man das Verfahren mit heutigen Techniken, so wird der Aufwand für eine Massenüberwachung deutlich erhöht“, erläutert Professor Jörn Müller-Quade, Leiter der Arbeitsgruppe für Kryptographie und Sicherheit am KIT.

Schlüsselaustausch in sozialen Netzen

Der Schlüsselaustausch folgt dabei dem sozialen Netz seiner Benutzer: Nur wer sich real begegnet, tauscht auch Schlüssel aus. So gelangen Schlüssel von Freunden zu Freunden der Freunde und so fort. Dadurch können auch zwei nur entfernte Bekannte dank gemeinsamer Freundschaften sicher verschlüsselt kommunizieren. Je mehr gemeinsame Freunde zwei Benutzer haben, desto höher werde die Wahrscheinlichkeit, dass selbst mit spezialisierten Viren oder Trojanern infizierte Smartphones in der Übermittlungskette den letztendlich für die Kommunikation verwendeten Schlüssel nicht berechnen können.

„Unsere Simulationen haben gezeigt, dass selbst bei vielen infizierten Smartphones immer noch ein Großteil der Kommunikationsvorgänge verlässlich vor dem Abhören geschützt ist“, ergänzt Dirk Achenbach, ebenfalls Forscher in der Arbeitsgruppe.

Der Grund dafür liegt darin, dass das System bei jedem erneuten Aufeinandertreffen von zwei Personen einen neuen Schlüssel erzeugt. Gelangt auch nur einer dieser Schlüssel über einen Pfad ohne infiziertes Smartphone zum Empfänger, so ist die anschließende Kommunikation sicher. So kann im eigenen sozialen Netz ein stetiger Schlüsselaustausch mit langfristiger Sicherheit entstehen. Eine Gruppe von Studierenden hat im Rahmen der Lehrveranstaltung „Praxis der Software-Entwicklung“ der Fakultät für Informatik bereits einen Prototyp entwickelt. Wann ein solches System jedoch auf dem Markt erhältlich sein wird, kann Professor Müller-Quade noch nicht abschätzen.

Tipps zur IT-Sicherheit: „Anti-Prism“-Party am 12.02.2014

Jeder, so Müller-Quade, solle sich aber Gedanken darüber machen, wie die eigenen Kommunikationskanäle vor Angriffen und Datenklau geschützt werden können. „Den hundertprozentigen Schutz gibt es derzeit nicht. Aber jeder kann mit wenigen Mitteln dazu beitragen, den Datendieben ihre Arbeit deutlich zu erschweren“. Um diese oft einfachen und kostenfreien Möglichkeiten vorzustellen, veranstaltet die Arbeitsgruppe am 12. Februar 2014 gemeinsam mit der Karlsruher IT-Sicherheitsinitiative (KA-IT-SI) und dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe eine Verschlüsselungsparty. In einer Abendveranstaltung werden hier verschiedene Möglichkeiten zum digitalen Selbstschutz vorgestellt und anschaulich erklärt.

Informationen zur Party: http://www.anti-prism-party.de/

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter knapp 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 000 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Die Abbilung steht auf http://www.kit.edu zum Download bereit und kann angefordert werden unter: presse@kit.edu oder +49 721 608-47414. Die Verwendung des Bildes ist ausschließlich in dem oben genannten Zusammenhang gestattet.

Monika Landgraf | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu
http://www.anti-prism-party.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Drohnen sehen auch im Dunkeln
20.09.2017 | Universität Zürich

nachricht Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix
18.09.2017 | FOKUS - Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik