Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Kryptologie: Neues Verfahren macht RFID-Chips sicher

08.06.2011
Einfach und effizient
RUB-Kryptologie: Prototyp einer neuen Chipgeneration

Das scheinbar Unmögliche macht RUB-Mathematiker Prof. Dr. Eike Kiltz (Leiter der Arbeitsgruppe “Foundations and Applications of Cryptographic Theory“) möglich: Er entwickelte mit einem internationalen Forscherteam ein einfaches und absolut sicheres Authentifizierungsverfahren für die massenhaft verbreiteten RFID-Chips.

Dabei griffen die Forscher auf ein bislang ungelöstes mathematisches Problem aus der Codierungstheorie zurück. Nun arbeiten Wissenschaftler vom Horst Görtz Institut für IT-Sicherheit der RUB an einem Prototyp für eine neue Chipgeneration. „Dieses Verfahren ist in der Branche ein Novum, da es gleichzeitig sicher und auch effizient ist“, sagt Prof. Kiltz. Für seine herausragenden Forschungsergebnisse erhielt der 36-Jährige vor kurzem den renommierten Best Paper Award auf der weltgrößten Fachkonferenz „Eurocrypt 2011“ in Tallinn (Estland).

Die Krux lag im Detail

Bislang lag die Krux im Detail: RFID-Chips sind Herzstück vieler elektronischer Identifikationsgeräte, zu finden in Funktüröffnern oder elektronischen Reisepässen. Doch die wenigen zur Verfügung stehenden Millimeter sind oftmals komplett belegt. Auf dem Chip fehlt dann Raum für komplizierte kryptographische Algorithmen, die die sensiblen Daten wirksam schützen könnten. Namhafte Kryptographen nahmen sich in der vergangenen Dekade dieser Herausforderung an - und scheiterten. Der Balanceakt zwischen Platz sparenden, wenigen Rechenoperationen und wirksamen Schutzmechanismus gelang nicht. „Heutige marktübliche Identifizierungsverfahren funktionieren zwar, doch wie sicher sie wirklich sind, bleibt spekulativ“, so Prof. Kiltz.

Prototyp einer neuen Generation

Das neue Verfahren aus Bochum ist sicher: Selbst leistungsstarke Rechner bräuchten für die Lösungssuche nach dem heutigen Stand der Forschung mehrere Milliarden Jahre. Ein Prototyp des Chips mit dem neuen Authentifizierungsverfahren entsteht zurzeit in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für eingebettete Sicherheit (Prof. Dr.-Ing. Christof Paar) der Ruhr-Universität Bochum. Die Methode soll als Fundament einer neuen Generation sicherer RFID-Chips dienen, der Ansatz könnte durchaus auch bei anderen kryptographische Aufgaben wie Verschlüsselungen Anwendung finden.

Entwicklung alternativer Sicherheitsmodelle

Die renommierte Auszeichnung „Best Paper Award“ bekam Eike Kiltz gemeinsam mit Krzysztof Pietrzak (CWI, Amsterdam), David Cash (University of California, San Diego), Abhishek Jain (University of California, Los Angeles) und Daniele Venturi (Sapienza Universität Rom) für ihren Artikel "Efficient Authentification from Hard Learning Problem". Nach Stationen in den USA und dem europäischen Ausland kehrte Eike Kiltz im September 2010 mit dem Sofja-Kovalevskaja-Preis an die Ruhr-Universität zurück. Hier entwickelt er am Horst Görtz Institut für IT-Sicherheit neuartige kryptographische Verfahren für alternative Sicherheitsmodelle. Der Preis der Alexander von Humboldt Stiftung unterstützt ausgesuchte Wissenschaftler, um an einer Institution ihrer Wahl eigene Forschungsprojekte durchzuführen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Eike Kiltz, Fakultät für Mathematik der RUB, Arbeitsgruppe “Foundations and Applications of Cryptographic Theory”, Tel. 0234/32-25513, eike.kiltz@rub.de

http://www.cits.rub.de

Redaktion: Jens Wylkop

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.cits.rub.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise