Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RoboEarth: Ein World Wide Web für Roboter

06.04.2010
Entwicklungssprung bei Service-Robotern erwartet

Ein World Wide Web für Roboter – das ist das Ziel des neuen Forschungsprojekts RoboEarth mit einer EU-Förderung von 5,6 Millionen Euro.

In einer weltweit zugänglichen Datenbank sollen Roboter zukünftig Wissen abrufen und einspeisen können. Damit finden sich Roboter in unbekannten Umgebungen leichter zurecht und können Aufgaben erledigen, die sie niemals zuvor ausgeführt haben. Sechs europäische Forschungsinstitute beteiligen sich an dem auf vier Jahre ausgelegten Projekt; auf deutscher Seite die Universität Stuttgart sowie die Fakultät für Informatik der TU München.

Zukünftig werden Roboter Menschen im Homecare- und Healthcare-Bereich stärker unterstützen: Sie können Kranke an ihre Medikamente erinnern, Getränke reichen oder die Zeitung ans Bett bringen. Roboter werden sich in der Umgebung des Menschen selbstverständlich bewegen und allen Hindernissen ausweichen. Doch davon ist die Entwicklung noch entfernt. Roboter arbeiten zwar in manchen Bereichen – wie in der industriellen Produktion – sehr selbstständig, doch ist das bei vielen Service-Anwendungen noch nicht gegeben. Jede Tätigkeit eines Roboters muss zuvor von Menschen programmiert werden. Damit der Roboter diese Aufgabe mit der Zeit besser löst, kontrolliert er seine Abläufe selbst; er ist dabei vollkommen auf sich angewiesen. Und nicht nur das: Sobald der Roboter die gleiche Aufgabe in einer anderen Umgebung bearbeiten möchte, muss er fast wieder von vorne beginnen. Er muss die neue Umwelt erfassen und entscheiden, wie er diese Aufgabe dort ausführen kann. Oft genug muss der Roboter wieder neu programmiert werden.

Ein weltumspannendes Wissensnetz für Roboter

Das soll sich zukünftig ändern: In der weltweit nutzbaren Datenbank RoboEarth sollen Roboter Wissen über Umgebungen und Handlungen speichern. Andere Roboter können dieses Wissen abrufen, anwenden und verfeinern – auch wenn sie mit einer anderen Hardware ausgestattet sind. Den verbesserten Prozessablauf können sie dann erneut in der Datenbank ablegen. So werden Roboter auf der ganzen Welt voneinander lernen und sich schneller an eine neue Umgebung anpassen. Roboter-Nutzer profitieren davon, da in kürzerer Zeit ausgereiftes Know-how entsteht.

Ein Krankenzimmer als Forschungslabor

Umgebungen werden als abstrakte Konzepte in der Datenbank RoboEarth hinterlegt. Im Rahmen des Projekts wird an vier Forschungseinrichtungen jeweils ein Krankenhauszimmer als Forschungslabor eingerichtet. Es werden zwar unterschiedliche Räume sein, dennoch wird darin der Roboter die Konzeption eines Krankenzimmers erkennen: So erfasst er ein Krankenbett, darüber eine Leiste für Elektroanschlüsse für medizinische Apparaturen, einen Beistelltisch etc. Sein lokal erworbenes Wissen über eine Krankenzimmer-Umgebung, kann er in der Datenbank sichern, damit andere Roboter davon lernen. Doch der Roboter soll sich nicht nur in neuen Umgebungen zurechtfinden. Im Forschungsprojekt wird ebenso das Lernverhalten beim Ausführen einer Serviceleistung analysiert. Exemplarisch wird den Versuchsrobotern die Aufgabe gestellt, eine Flasche Wasser zu erkennen, zu greifen und einem Patienten zu reichen.

„Roboter lernen zukünftig voneinander – das ist ein innovativer Ansatz und man kann weitere große Sprünge im Service-Roboter-Bereich erwarten“, urteilt Informatikprofessor Alois Knoll von der TU München. „Unternehmen können das Know-how in RoboEarth nutzen und selbst einspeisen. So profitieren sie von diesen Entwicklungen, da schneller hochwertige Service-Anwendungen entstehen können.“

Die Eindhoven University of Technology leitet das Forschungsprojekt. Zu den Kooperationspartnern zählen die Universität Stuttgart, ETH Zürich, Universidad de Zaragoza, Technische Universität München und Philips Applied Technologies. Die Technische Universität München entwickelt unter Leitung von Alois Knoll, Inhaber des Lehrstuhls Robotics and Embedded Systems, unter anderem eine logische Sprache, um das abstakte Wissen in der Datenbank zu hinterlegen.

Kontakt
Dr. Reinhard Lafrenz
Technische Universität München
Institut für Informatik
Boltzmannstraße 3
85748 Garching
Tel. 089/289-18136
lafrenz@in.tum.de

Ursula Eschbach | Technische Universität München
Weitere Informationen:
http://www.tum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Dinosaurier mit Fleisch und Haut: Projekt zu digitaler Technik für MuseumsbesucherInnen
18.07.2017 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Rechtssicher durch den Cyberspace: Forschungsprojekt zur digitalen Rechteklärung
11.07.2017 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie