Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Retusche mit dem Rechner

24.04.2013
Wer fehlerhafte Digitalfotos mit Bildbearbeitungs-Software ausbessern will, muss bislang Geduld und Geschick mitbringen.

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben jetzt ein Programm entwickelt, das Fehler in digitalen Fotos und Filmen automatisch repariert – Fehler, an denen bisherige Lösungen scheitern. Das korrigierte Bild ist mit bloßem Auge fast nicht vom Original zu unterscheiden.


Ein Foto der Skyline von Chicago, das die Erlanger Wissenschaftler „künstlich“ beschädigt haben. Foto: Jürgen Seiler


Zum Vergleich das reparierte Bild. Das von ihnen entwickelte Verfahren der selektiven Extrapolation kann selbst größere Beschädigungen digitaler Bilder zuverlässig ausbessern. Foto: Jürgen Seiler

Derzeit existieren verschiedene Ansätze, die versuchen, fehlerhafte Stellen in digitalen Bildern automatisch zu beheben, doch jedes dieser Programme hat spezifische Schwächen. Einige Verfahren reparieren zum Beispiel die beschädigten Stellen dadurch, dass sie in den ungestörten Bereichen des Bildes Inhalte suchen, die zu den fehlerhaften Abschnitten passen.

Diese Verfahren funktionieren häufig sehr gut, versagen aber, wenn keine passenden Inhalte gefunden werden können. Andere Methoden setzen Bildkanten in die gestörten Bereiche hinein fort. Auch dieses Prinzip kann sehr gute Ergebnisse liefern, hat aber immer dann Probleme, wenn es keine deutlichen Kanten gibt oder sehr unregelmäßige Strukturen rekonstruiert werden sollen – zum Beispiel die Maserung von Holz.

Das von Dr. Jürgen Seiler und Prof. Dr. André Kaup, Lehrstuhl für Multimediakommunikation und Signalverarbeitung, entwickelte Verfahren der selektiven Extrapolation hat diese Schwächen nicht. Ihre Idee besteht darin, dass sich sowohl Bilder als auch Filme als Überlagerung bestimmter Strukturmerkmale wie Farbkanten oder Helligkeitsverläufe beschreiben lassen.

Auf der Grundlage der intakten Bildelemente werden diese Basisfunktionen bestimmt und auf die zu reparierenden Stellen übertragen. „Dadurch erhält man eine hochwertige Fortsetzung der Bildelemente. Fehlstellen sind nicht mehr sichtbar, eine Unterscheidung des rekonstruierten Bildes vom Original ist fast nicht möglich“, sagt Projektleiter Jürgen Seiler.

Die selektive Extrapolation lässt sich nicht nur zur Reparatur fehlerhafter Bereiche nutzen, sondern auch dazu, störende Bildinformationen zu entfernen: den Bauzaun vor einem Gebäude, den Strommast in der Landschaft oder das Hochhaus vor der Alpenkulisse.

Um die Korrekturfunktion auf ganz bestimmte Stellen im Bild anzuwenden, muss in einem gängigen Grafikprogramm eine Auswahlmaske erstellt werden, die dann in das Programm der FAU-Forscher importiert wird. Filme lassen sich übrigens nach demselben Prinzip digital nachbearbeiten oder restaurieren. Auch aus diesem Grund dürfte das Verfahren für professionelle Anwendungen in Zukunft höchst interessant sein.

Weitere Informationen für die Medien:
Dr. Jürgen Seiler
Tel.: 09131/85-27102
seiler@lnt.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft
27.04.2017 | Kompetenzzentrum - Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH

nachricht Ergonomie am Arbeitsplatz: Kamera erkennt ungesunde Bewegungen
24.04.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie