Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Rettungskräfte von IT unterstützt werden

07.07.2009
Universität Jena ist beteiligt an Projekt im Rahmen des Programms "Forschung für die zivile Sicherheit"

Ein Flugzeugabsturz, ein Großbrand oder ein Unfall in einer Chemieanlage - immer wieder treten unvorhersehbare Katastrophen ein. Für die Rettungskräfte vor Ort bedeuten die Unglücke, dass sie auch in für sich selbst gefährlichen Situationen Opfer bergen und Verletzten helfen müssen.

In kürzester Zeit muss eine auf die konkrete Situation abgestimmte Handlungsstrategie her, die das Vorgehen aller Beteiligten organisiert. Bei großräumigen Unfallstellen sind persönliche Absprachen kaum noch möglich. Zeitverlust und Ineffizienz sind die Folge, was im schlimmsten Fall eine höhere Opferzahl bedeuten kann.

Dass die Koordination von Einsatzkräften in Zukunft durch die Unterstützung neuer technischer Systeme verbessert wird, daran arbeiten Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena gemeinsam mit Projektpartnern von der Technischen Universität München, aus der Wirtschaft und von zuständigen Behörden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Entwicklung einer Kommunikations- und Datenplattform zur Koordination und Vernetzung aller Einsatzkräfte in Katastrophenfällen im Rahmen der Sicherheitsforschung mit insgesamt drei Millionen Euro.

Ziel des bis 2012 laufenden Projekts, das von der in Jena ansässigen Synchronity GmbH koordiniert wird, ist zum einen die Erarbeitung von Interaktions- und Kommunikationsmodellen für die Einsatzkräfte und von Methoden zur Strukturierung und Beschreibung der Situation. Zum anderen soll eine Technologie entwickelt werden, die Rettungskräfte bei ihrem Einsatz durch zusätzliche Informationen, aufbereitete Sensordaten und flexible Kommunikationsstrukturen unterstützt. "Dafür bietet es sich an, die Koordination der Einsatzkräfte in Großlagen durch ein mobiles und weitgehend selbst organisierendes technisches System zu realisieren", erklärt Prof. Dr. Birgitta König-Ries von der Universität Jena. Dafür müsse eine Kommunikations- und Datenplattform zur Vernetzung aller Einsatzkräfte entwickelt werden, erklärt die Inhaberin der Heinz-Nixdorf-Stiftungsprofessur für Praktische Informatik weiter. Gemeinsam mit ihren Jenaer Kollegen vom Lehrstuhl für Softwaretechnik, Prof. Dr. Wilhelm Rossak, und dem Inhaber der Professur für Künstliche Intelligenz, Prof. Dr. Clemens Beckstein, möchte sie eine Softwarelösung entwickeln, die mobile Plattformen und lokale Sensoren standardmäßig integriert.

Was passiert, wenn ein Feuer ausbricht? Wie gelangen die Informationen zur Feuerwehr? Wie stehen die involvierten Stellen miteinander in Kontakt? "Um neue Strukturen und Technologien zu entwickeln, muss im Vorfeld der Ist-Zustand der Kommunikation aller Beteiligten im Katastrophenfall untersucht werden", weiß Yeliz Yildirim-Krannig vom Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation der Universität Jena, das ebenfalls Projektpartner ist. Dabei müssen nicht nur grundlegende Abläufe und Vorgehensweisen detailliert erhoben, sondern auch kulturgeschichtliche Aspekte berücksichtigt werden. "Erst wenn derzeitige Kommunikationsstrukturen analysiert sind, können auch Strategien zur Verbesserung entwickelt werden", ist sich die Promotionsstudentin sicher.

Die anschließende Aufgabe der Informatiker ist in drei Arbeitsgruppen gegliedert. Um eine Realisierung durch Informationstechnologien überhaupt erst möglich zu machen, werden die Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz die Abläufe im Katastrophenfall soweit formalisieren, dass ein komplettes Lagebild entstehen kann, auf dessen Basis Aktivitäten geplant werden können. "Anschließend arbeiten wir daran, wie diese Aktivitäten mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Ressourcen und deren Kombination realisiert werden können", erklärt König-Ries. Danach sind die Softwaretechniker um Prof. Rossak gefragt, die flexible und unter dem Aspekt der Selbstorganisation funktionierende Kommunikationstechnologien entwickeln. "Reine Daten helfen uns nicht weiter. Wir müssen mobile Programme entwickeln, die sich mit einer gewissen Intelligenz durch das Netz bewegen und so beim Aufbau von Strukturen unterstützen", erklärt Dr. Christian Erfurth, der innerhalb der Informatik das Projekt federführend betreut.

Kontakt:
Dr. Christian Erfurth
Institut für Informatik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 946334
E-Mail: Christian.Erfurth[at]uni-jena.de

Katrin Czerwinka | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Volle Konzentration am Steuer
25.11.2016 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Warum Reibung von der Zahl der Schichten abhängt
24.11.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie