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"OntoWiki" hilft Daten im Web zu verknüpfen

11.02.2009
Informatiker der Universität und Leipziger Firmen erhielten BMBF-Forschungsetat

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Einen Etat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Höhe 425.000 Euro erhielt kürzlich die Forschungsgruppe Agile Knowledge Engineering und Semantic Web (AKSW) am Institut für Informatik der Universität Leipzig, die gemeinsam mit drei Leipziger Firmen die Software "OntoWiki"
weiterentwickelt. Insgesamt wurden 757.000 Euro Fördergelder für die vier Projektbeteiligten bewilligt.


"OntoWiki" - ist wie der Name sagt - ein Wiki, also ein Online-System, dessen Inhalte von den verschiedenen Nutzern nicht nur gelesen, sondern auch nach eigenen Vorstellungen ergänzt und geändert werden können. Das bekannteste Wiki ist Wikipedia; dort allerdings können nur Texte eingebracht oder bearbeitet werden. Den Begriff Onto haben die Leipziger Informatiker von Ontologie abgeleitet, also der Wissenschaft von der semantischen Struktur. "Unsere ‚OntoWiki'-Software vermag Informationen wesentlich komplexer zu verknüpfen als es Wikis wie z.B. Wikipedia erlauben", erläutert Dr. Sören Auer, Leiter der AKSW-Arbeitsgruppe. "Sie stellt nicht nur Texte nebeneinander, sondern verbindet ganze Datenbanken im Web."

Als Beispiel nannte er die gemeinsam mit Historikern der Universität Leipzig entwickelte Datenbank zur allen Professoren, die in den ersten fünf Jahrhunderten ihres Bestehens an der alma mater lispsiensis forschten und lehrten. "Zuerst wurden alle bekannten Informationen zusammengetragen: die privaten und beruflichen Lebensläufe, die wissenschaftlichen Arbeiten, die Kontakte innerhalb der jeweiligen Epoche. All das wurde auf der Basis unserer Software festgehalten. ‚OntoWiki' macht es nun möglich Querverbindungen zu schaffen, also - so nie eingegebene - Antworten auf übergreifenden Frage zu suchen: Welche Professoren waren zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer bestimmten Einrichtung tätig? Welche der Professoren kamen aus welchen Gründen nach Leipzig. In welchem Jahrhundert war der Anteil der unverheirateten Professoren am höchsten? Die Möglichkeiten sind nahezu unerschöpflich."

Das Prinzip des "OntoWiki" ist dabei, thematisch begrenzte Systeme zu schaffen. Es kann sich also jeder die Software aus dem Internet herunterladen und für seinen Zweck mit Daten füllen. Er baut daraus dann die Plattform eines Spezialgebietes, das Intranet eines Unternehmens oder irgendeine andere Form eines Social Web. Insofern hat "OntoWiki" das Potential, sich zu einer Basissoftware für das Soziale Semantische Web oder Web 3.0 zu entwickeln.

Dass der Zugriff auf die Software kostenlos ist, liegt im Wesen der Opensource-Software begründet. "Man beginnt sie zu erarbeiten - bei uns war das 2005 - und stellt schon relativ frühe Fassungen ins Netz", erläutert Sören Auer.

"Nicht zuletzt in der Hoffnung Mitstreiter zu finden, die sich an der Perfektionierung beteiligen. Seit 2006 ist unser ‚OntoWiki' für jedermann zu nutzen. Die Anwendung wird im Durchschnitt bereits 700 mal pro Monat heruntergeladen, das ist laut Dr. Auer ungewöhnlich hoch für eine Software, die noch nicht für den Endkunden bestimmt ist. "Jetzt haben wir ein Stadium erreicht, das die Software für viele Anwendungsfälle empfiehlt. Die drei Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten konzentrieren sich vor allem auf solche Anwendungen und bieten darauf basierende Dienstleistungen an."

Deren vom BMBF unterstützter Projekt-Teil ist die Weiterentwicklung von ‚OntoWiki' zu einer regionalen Technologieplattform. Um weitere Unternehmen für OntoWiki-Anwendungen zu begeistern veranstalten die Projektpartner am 29. April einen Leipziger Semantic Web Tag, bei dem die Technologien und Potentiale des sozialen, semantischen Webs vorgestellt werden.

Die der Universität Leipzig zur Verfügung gestellten Mittel werden vor allem für Personalkosten verwendet; so unter anderem für mehrere Forscher, die an der Weiterentwicklung der Software arbeiten. Denn noch hat das junge "OntoWiki"
einige Schwachstellen. Beispielsweise wird es umso langsamer, je größere Datenmengen miteinander verknüpft werden sollen. So ist das Leben der rund 900 erfassten Universitäts-Professoren mit Millionen Fakten verbunden, die zu verwalten derzeit die Grenzen der Kapazität erreicht. Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt wird künftig die größere Flexibilät der Datenbanken sein. "Wenn dem Nutzer irgendwann einfällt, er will auch noch wissen, welche Professoren in welchem Alter Suizid begangen haben, dann muss er den Aspekt Todesart noch unkompliziert nachträglich einfügen können", betont Sören Auer. Auch die Anpassung ihrer Software auf weitere Anwendungsfälle, wie beispielsweise E-learning haben die Informatiker der Uni jetzt ins Auge gefasst.

Die Arbeitsgruppe Adaptive Knowledge Engineering and Semantic Web (AKSW) am Institut für Informatik an der Universität Leipzig arbeitet an Projekten im Umfeld des Semantischen Daten Web. Neben der Arbeit an theoretischen Ergebnissen wird besonderer Wert auf robuste, skalierbare Implementierungen für das Forschungsfeld gelegt.

Die Arbeitsgruppe besteht im Moment aus 10 wissenschaftlichen Mitarbeitern und Doktoranden sowie einer großen Anzahl von Studenten. AKSW arbeiten an industriellen und öffentlich finanzierten Forschungsprojekten. Von AKSW vorangetriebene open-source Software und Community-Projekte umfassen das Wikipedia-Wissensextraktionsprojekt DBpedia, das semantische Wiki OntoWiki, die Datenbank für die Wissenschaften OpenResearch.org, Triplify und die open-source Innovationsplattform Cofundos.

Professorenkatalog:
www.uni-leipzig.de/unigeschichte/professorenkatalog/

Anmeldungen zum Leipziger Semantic Web Tag:
aksw@informatik.uni-leipzig.de

Weitere Informationen:
Dr. Sören Auer
Telefon: 0341 97-32367
E-Mail: auer@informatik.uni-leipzig.de
www.aksw.org

Dr. Bärbel Adams | Quelle: Universität Leipzig
Weitere Informationen: www.uni-leipzig.de/aktuell/index.php?pmnummer=2009028
www.uni-leipzig.de/presse

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