Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Quantencomputer nicht schneller als Standard-PC

22.01.2014
Vergleichstest: D-Wave Two bei manchen Aufgaben sogar langsamer

Quantencomputer sind in manchen Bereichen nicht schneller als herkömmliche Standard-PCs. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine aktuelle Studie eines Forscherteams der ETH Zürich, die erstmals die Rechenleistung des neuen "Superrechners" D-Wave Two von D-Wave Systems http://dwavesys.com genauer unter die Lupe genommen hat.

Dabei stellte sich heraus, dass der technologisch hochgezüchtete, knapp 15 Mio. Dollar (rund 11,2 Mio. Euro) teure Quantencomputer bei der Berechnung bestimmter mathematischer Aufgaben gegenüber einem normalen Desktop-PC eigentlich keinen Geschwindigkeitsvorteil bringt, ja manchmal sogar langsamer ist.

"Ingesamt betrachtet haben wir keinerlei Beweis dafür gefunden, dass es mit der D-Wave-Maschine zu einer 'Quanten-Beschleunigung' kommt", wird Matthias Troyer, Projektleiter und Professor am Institut für Theoretische Physik http://www.itp.phys.ethz.ch der ETH Zürich von BBC News zitiert.

Für seine Studie haben er und seine Kollegen einen D-Wave-Two-Rechner des Rüstungskonzerns Lockheed Martin mit einer Reihe von zufällig erstellten mathematischen Problemen "gefüttert" und die Ergebnisse mit jenen eines normalen Desktop-PCs verglichen. "In einigen Fällen war der Quantencomputer schneller als der herkömmliche PC, es gab aber auch andere Beispiele, wo dieser sogar langsamer war", fasst Troyer das Resultat zusammen. "Das zeigt, dass die Quanten-Beschleunigung trügerisch ist und nicht für jede Aufgabe zutrifft", so der Experte.

Spezielle Aufgabenstellungen

Dass die spezifische Art der Aufgabenstellung einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang eines derartigen Vergleichstests hat, ist auch dem Hersteller des "Superrechners" bewusst. "Der 512 qubit-Prozessor, der in der aktuellen Benchmark-Studie verwendet worden ist, war in der Lage, mit klassischen Algorithmen und Computern der neuesten Generation mitzuhalten", erläutert Jeremy Hilton, Vizepräsident im Bereich Prozessorentwicklung bei D-Wave Systems, seine Interpretation der Untersuchungsergebnisse. Für diese spezielle Art von Aufgabenstellungen werde auch nicht erwartet, dass ein Quantenrechner einen deutlichen Geschwindigkeitsschub bringt, betont Hilton.

Für das Hightech-Unternehmen mit Hauptsitz in Burnaby, Kanada, markiert der D-Wave Two erst den Anfang eines längeren Entwicklungsplans. "Wir bemühen uns, diese Technologie besser zu verstehen, um sie weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist es, die Quanten-Rechenleistung mit der nächsten Prozessorengeneration zu verbessern, so dass auch das Ergebnis bei solchen Benchmark-Tests besser ausfallen wird", stellt Hilton klar.

Quantenrechner oder nicht

Wenn es um die Hochleistungsrechner aus dem Hause D-Wave geht, ist sich die Fachwelt großteils noch uneins, ob es sich dabei tatsächlich um echte Quantencomputer im eigentlichen Sinn handelt. Schon bei frühen Demonstrationen der Hardware hatten Experten offen daran gezweifelt (pressetext berichtete: http://pte.com/news/20071117003 ).

Was die tatsächliche Rechenpower der D-Wave-Systeme betrifft, gab es aber auch bereits weitaus positivere Vergleichstests, bei denen die Quanten-Chips je nach Problem bis zu 10.000 Mal schneller waren als herkömmliche PCs (pressetext berichtete: http://pte.com/news/20130514031 ).

Markus Steiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.ethz.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Volle Konzentration am Steuer
25.11.2016 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Warum Reibung von der Zahl der Schichten abhängt
24.11.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie