Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Projekt „PAALiativ“ unterstützt schwerkranke Menschen zu Hause

09.06.2010
Entwicklung und Integration von Hilfsangeboten und lokalem Netzwerk für krisenhafte Situationen

Die meisten Menschen wünschen sich laut Umfrage eine gute Begleitung und Unterstützung während der letzten Lebensmonate im gewohnten Umfeld und im Kreise der Angehörigen. Dies gilt vor allem für Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung wie Krebs oder einem chronischem Lungenleiden (COPD).

Im Gegensatz dazu stirbt aber in Deutschland die Mehrheit der Menschen in Institutionen, zum Beispiel im Krankenhaus oder Pflegeheim. Ein Grund ist, dass Angehörige, Hausärzte und Pflegedienste zu wenig Unterstützung in der häusliche Palliativversorgung erhalten, um insbesondere krisenhafte Situationen auch zu Hause bewältigen zu können. „An dieser Stelle setzt das PAALiativ-Projekt an mit dem Ziel, Hilfsmittel und Unterstützungsangebote für die häusliche Versorgung schwerkranker Menschen zu entwickeln und in die alltägliche Begleitung zu integrieren“, erklärt Dr. Steffen Simon vom Department of Palliative Care am Londoner King’s College.

Nach Abschluss der Analysephase erfolgte am 04. Juli 2010 im Beisein von Staatssekretär Heiner Pott vom Niedersächsischen Gesundheitsministerium, Christine Weiß von der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH in Berlin und Vertretern aller Projektpartner der Startschuss für die Umsetzung des Projektes. Koordinator ist der Regionalverband Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe, für die technische Umsetzung ist das Informatikinstitut OFFIS verantwortlich. Die weiteren Projektpartner sind das Institut für Palliative Care (ipac), das Palliativzentrum Oldenburg am Evangelischen Krankenhaus, das Pius-Hospital Oldenburg, die Disc-Vision GmbH, die onkologische Praxen Oldenburg, Delmenhorst und Westerstede, und der Pflegedienst Ambulant. „Wir verbinden mit dem Projekt die Palliative Medizin mit Ambient Assisted Living, also altersgerechten Assistenzsysteme in den eigenen vier Wänden“, erklärt Jochen Meyer, Bereichsleiter Gesundheit im OFFIS. Dabei soll nicht eine Heilung herbei geführt werden, was bei Patienten mit Krankheitsbildern wie COPD und Lungenkarzinom auch nicht möglich ist. „Wir können damit nicht Leben verlängern, aber den letzten Tagen einen Sinn geben“, betont Meyer. Dabei sollen Patienten und Angehörige durch ein - technisch unterstütztes - Netzwerk von kompetenten Partnern aufgefangen werden.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,5 Mio Euro über drei Jahre gefördert, die Partner bringen zusätzliche Eigenmittel in gleicher Höhe ein. Projektträger ist die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH (VDI/VDE-IT). „Das BMBF hat das Thema ‚Altern in Würde’ 2002 aufgegriffen“, erklärt Christine Weiß von VDI/VDE-IT. Dabei gehe es zum einen darum, Deutschland als Hochtechnologie-Standort voranzutreiben. „Aber dabei wollen wir das Menschliche nicht außer Acht lassen.“ 2008 habe das BMBF dann die AAL-Kampagne gestartet, bundesweit werden 18 Projekte gefördert, darunter PAALiativ in Oldenburg. „Das ist ein ganz neues Feld, das wir hier beackern. Für uns ist PAALiativ ein ganz wichtiges Projekt“, betont Weiß.

Auch für Alexander Jüptner, Leiter der Hausnotrufzentrale der Johanniter in Stedingen, liegt der Fokus auf den Menschen. „Die Technik hilft lediglich den Versorgern, schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Staatssekretär Heiner Pott betont, dass die Maschinen den Menschen nicht ersetzen, sondern die Betreuung der Patienten erleichtern. „COPD-Patienten leiden oft unter fürchterlichen Atemnot-Attacken, die durch die Angst zu ersticken noch verstärkt werden“, erklärt er. Viele dieser Patienten möchten sehr gerne aus dem Krankenhaus nach Hause, wagen es aber nicht aus Furcht, bei einer erneuten Attacke nicht schnell genug beatmet werden zu können. „Wenn diese Menschen wissen, ihnen kann auch in den eigenen vier Wänden sofort geholfen werden, können sie dort auch bei fortgeschrittener Krankheit leben.“

Dr. Steffen Simon von ipac stellte die Ergebnisse der Analysephase vor. „In Krisen wie einem Atemnot-Anfall hilft als erstes fast immer ein Angehöriger“, sagt er. Diese wünschen sich klare Handlungsanweisungen, was im Notfall zu tun ist, sowie weitergehende Hilfe wie Antworten auf sozialrechtliche Fragen. Angehörige und Patienten eint der Wunsch, ihr Leben ohne die ständige Bedrohung durch die Krankheit fortführen zu können. „Sie wünschen sich ein Stück Normalität“, erklärt Simon. Dabei soll die menschliche Zuwendung durch Technologie unterstützt werden.

Jüptner legt Wert darauf, dass die Projektergebnisse Perspektiven für alle Menschen bieten sollen. Es werde keine Medizin für Reiche sein, im Gegenteil. „Wir sparen den Krankenkassen Kosten durch Vermeidung von unnötigen stationären Aufenthalten“, sagt er. Jochen Meyer vom OFFIS erklärte, dass speziell einfache Technologien verwendet werden. „Die können Sie teilweise im Discounter kaufen.“ Aspekte, über die sich Staatssekretär Pott freut: „PAALiativ soll für alle da sein.“ Grundlage sei allerdings eine so gute Zusammenarbeit verschiedener Partner wie in Oldenburg. „Ich wünschte, ein derart vorbildliches Netzwerk mit so viel Kompetenz gäbe es überall im Land.“

Ann-Kathrin Sobeck | idw
Weitere Informationen:
http://www.offis.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Plattformübergreifende Symbiose von intelligenten Objekten im »Internet of Things« (IoT)
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

nachricht Von Fußgängern und Fahrzeugen: Uni Ulm und DLR sammeln gemeinsam Daten für das automatisierte Fahren
09.12.2016 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie