Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Perfekt versteckt: Neue Dimension des Datenschutzes am PC

30.11.2009
ForscherInnen der FH St. Pölten entwickeln erste praktikable Steganografie-Lösung für Windows

Daten können nun mit Hilfe des Betriebssystems Windows perfekter als je zuvor geschützt werden, ohne die geringste Spur und ohne den geringsten Hinweis auf ihre Existenz zu liefern. Denn das Institut für IT-Sicherheitsforschung der Fachhochschule St. Pölten hat im Rahmen eines Forschungsprojektes erstmals eine praktikable Lösung für Windows entwickelt, die es ermöglicht Informationen verborgen zu speichern. Diese Lösung wird die Sicherheit für Staat, Unternehmen und BürgerInnen verbessern. Ebenfalls wurden in diesem Projekt konkrete Abwehrsysteme gegen Angriffe mittels steganografischer Methoden entwickelt.

Um Daten erfolgreich auf einem PC vor anderen Benutzern geheim zu halten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Gängige Methoden sind dabei Zugangsbeschränkungen oder Verschlüsselungen. Der Nachteil dieser Wege? Sie laden Hacker & Co zum Missbrauch geradezu ein - denn bemerkt man, dass etwas geschützt ist, entsteht erst richtig der Anreiz diesen Schutz zu knacken. Die Steganografie - die Wissenschaft der verborgenen Speicherung oder Übermittlung von Informationen - bietet die Möglichkeit diese Anreize zu vermeiden. Denn sie ermöglicht es, dass die Existenz bestimmter Daten erst gar nicht angezeigt wird - und bietet damit auch keine "Einladung" in diese einzudringen. Ein anderer Benutzer bemerkt gar nicht, dass etwas geschützt worden ist - die Daten sind für diesen quasi nicht vorhanden.

Das Forschungsprojekt StegIT - Erforschung, Entwurf und Prototypen-Entwicklung von Anti-Steganografie-Lösungen für die Internettelefonie (VoIP) - der Fachhochschule St. Pölten hat nun erstmals in Europa eine praktische steganografische Lösung für das Betriebssystem Windows entwickelt. Daten können damit "perfekt" versteckt werden, ohne dass sie anschließend entdeckt werden können. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten, die große Chancen - wie z. B. in der Staatssicherheit oder auch dem Datenschutz im Internet - aber auch Risiken bergen, wenn das System in falsche Hände gerät.

VON DER FESTPLATTE VERSCHLUCKT
Wie die steganografische Lösung für Windows konkret funktioniert, erklärt Univ.-Doz. DI Dr. Ernst Piller, Leiter des Instituts für IT-Sicherheitsforschung der FH St. Pölten: "Mit steganografischen Methoden wird ein gesamtes Dateisystem inklusive Dateien auf der Festplatte oder einem Memory Stick quasi unsichtbar in vorhandenen Bild- oder Musikdateien gespeichert. Dieses Dateisystem erscheint am Computer zunächst wie ein virtuelles Speichermedium, z. B. als das Laufwerk F:, und kann wie ein solches bedient werden. Sobald man dieses neue Laufwerk schließt, verschwindet es und kann nicht mehr gefunden werden. Selbst für einen IT Forensiker bleibt es unauffindbar. Es erscheint erst wieder quasi aus dem Nichts, wenn man die Software startet - und dies kann man nur, wenn man weiß, dass diese irgendwo sehr gut versteckt vorhanden ist und weiß wo und wie man diese findet."

Das von der FH St. Pölten entwickelte Tool ist nun die erste praktikable steganografische Lösung für Windows. Dieses bietet große Chancen für die Staatssicherheit. Denn beispielsweise sensitive Personendaten können so wesentlich besser als bisher vor unerlaubten Zugriffen geschützt werden. Ebenfalls ermöglicht das Tool einen hochwertigen Schutz sensibler Daten in Ländern, in denen es Einschränkungen oder Verbote in der Datenverschlüsselung (Kryptografie) gibt. Dies ist vor allem für Unternehmen interessant, die in derartigen Ländern wirtschaftlich aktiv sind. Aber auch für die private Sicherheit in einer immer vernetzteren Welt bietet das steganografische Tool Chancen: Sensible Daten auf dem eigenen PC können so vor dem Zugriff von Hackern geschützt werden.

MIND THE "CRIMINAL MINDS"!
Das umfangreiche Projekt StegIT verfolgt jedoch nicht nur das Ziel Steganografie für legale Anwendungen nutzbar zu machen, sondern vor allem auch kriminelle steganografische Angriffe abwehren zu können, wie DI Dr. Piller erläutert: "Nur wenn man das Know-how und den technischen Vorsprung für steganografische Lösungen wie im Fall der Windows-Applikation selbst besitzt, kann man auch die potentielle Abwehr krimineller Aktivitäten optimal erforschen und durchführen." So hat das Projekt StegIT - welches im Rahmen von KIRAS, dem österreichischen Forschungsprogramm für Sicherheitsforschung gefördert wird - neben der Windows-Applikation auch bereits konkrete Abwehrsysteme gegen Angriffe mittels steganografischer Methoden hervorgebracht. Diese Forschungsarbeiten haben in letzter Zeit international solche Beachtung gefunden, dass das Institut für IT-Sicherheitsforschung inzwischen bereits zu den führenden Kompetenzzentren für Steganografie in Europa zählt. Und darauf ist man an der FH St. Pölten stolz.
Über die Fachhochschule St. Pölten
Die Fachhochschule St. Pölten ist Anbieterin praxisbezogener und leistungsorientierter Hochschulausbildung in den Bereichen Technologie, Wirtschaft und Gesundheit & Soziales. In mittlerweile 13 FH-Studiengängen werden mehr als 1700 Studierende betreut. Neben der Lehre widmet sich die FH St. Pölten intensiv der Forschung. Die wissenschaftliche Arbeit erfolgt innerhalb der Studiengänge sowie in eigens etablierten Instituten, in denen laufend praxisnahe und anwendungsorientierte Forschungsprojekte entwickelt und umgesetzt werden.
Wissenschaftlicher Kontakt:
Univ.-Doz. DI Dr. Ernst Piller
Fachhochschule St. Pölten
Institut für IT-Sicherheitsforschung
Matthias Corvinus-Str. 15
3100 St. Pölten
T +43 / (0)2742 / 313 228 - 636
E ernst.piller@fhstp.ac.at
Redaktion & Aussendung:
PR&D - Public Relations für Forschung & Bildung Campus Vienna Biocenter 2 1030 Wien T +43 / (0)1 / 505 70 44 E contact@prd.at W http://www.prd.at

Michaela Fritsch | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.fhstp.ac.at
http://www.fhstp.ac.at/aktuelles/Presse/pressemeldungen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder
19.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

nachricht Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab
18.01.2018 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie