Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Orientierungssysteme für Sehgeschädigte und Ortsunkundige

12.04.2013
Smartphone-Navigation für den Uni-Campus

In einem komplexen Gebäude einen bestimmten Ort zu finden, kann zu einer Herausforderung werden. Mal entziehen sich die Raumnummern einer nachvollziehbaren Logik, mal bringt eine phantasievolle oder historisch gewachsene Architektur den Besucher ins Grübeln oder führt zu zeitintensiven Umwegen.


Informatikgebäudes der neuen Smartphone-App zur Unterstützung der Navigation auf dem Uni-Campus. Sehgeschädigte Menschen und Menschen mit Hörsehschädigungen können die Textinformationen aus den digitalen Karten und Navigationshinweise über eine weitere App auf akustische beziehungsweise haptische Weise beziehen.
Abb.: Universität Stuttgart

Besonders schwer fällt die Orientierung blinden und sehbehinderten Menschen. Aber auch Sehende sind betroffen, zum Beispiel Rettungskräfte, die ein Gebäude im Ernstfall oft zum ersten Mal betreten. Für beide Gruppen entwickelten Wissenschaftler des Instituts für Visualisierung und Interaktive Systeme der Universität Stuttgart prototypische Orientierungs- und Navigationssysteme, die es mittels Smartphone-Apps erleichtern, Ziele auf dem Campus Vaihingen selbstständig und zügig aufzufinden.

Die Navigationshilfen entstanden im Rahmen des Projekts ASBUS („Assistenz für sensorisch Behinderte an der Universität Stuttgart“) und werden im Rahmen einer Abschlussveranstaltung am Freitag, 19. April der Öffentlichkeit vorgestellt. Es spricht Dr. Andreas Hub, Projektleiter. Vertreter der Medien und die Öffentlichkeit sind herzlich eingeladen.
Zeit: 19.4.2013, 15.00 Uhr
Ort: Campus Stuttgart-Vaihingen, Informatikgebäude, Universitätsstr. 38, Hörsaal 38.01

Das Projekt ASBUS ging 2009 aus dem früheren Sonderforschungsbereich 627 (Umgebungsmodelle für kontextbezogenen Systeme, NEXUS) hervor und wurde aus Studiengebühren sowie aus Projektmitteln der Universitäts finanziert. Ziel war es, vor allem Menschen mit Seh- beziehungsweise Hörsehschädigungen die gesamte Universität Stuttgart mit innovativen Hilfsmitteln zugänglich zu machen, um ihnen eine selbstständige und selbstbestimmte Navigation auch in unbekannten Bereichen zu ermöglichen. Ein besonderes Augenmerk richteten die Wissenschaftler auch auf statische Barrieren wie beispielsweise Drehtüren oder Fahrradständer, die den Langstock eines blinden Benutzers innerhalb kürzester Zeit unbrauchbar machen können.

Hierzu kartierte das ASBUS-Team in Kooperation mit dem Liegenschaftsamt Baden-Württemberg, dem Universitätsbauamt und dem Dezernat Technik und Bauten der Universität sowie mit Unterstützung studentischer Nachwuchswissenschaftler zunächst die Gebäude der Universität Stuttgart sowie die Außenbereiche in Vaihingen und in der Stadtmitte. Anschließend wurden die mit vielen Detail- und Textinformationen versehenen Daten in ein speziell hierfür entwickeltes digitales, hierarchisches Kartenformat überführt. Parallel dazu entwickelte das Team prototypische Orientierungs- und Navigationssysteme für Menschen mit Sehschädigungen und für Menschen mit Taubblindheit/Hörsehschädigungen. Dies erfolgte in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen blinden, sehbehinderten sowie taubblinden/hörsehgeschädigten Testpersonen, unter anderem auch im Rahmen eines Drittmittelprojekts in Kooperation mit dem Institut für Konstruktionstechnik und Technisches Design der Universität Stuttgart sowie der Firma Handy Tech Elektronik (Horb/Neckar).

App hilft auch Studienanfängern und Besuchern
Mit Hilfe kostengünstiger Smartphone-Technologie und neu entwickelter zusätzlicher Hard- und Software können nun Menschen mit Sehschädigungen und Hörsehschädigungen Informationen aus digitalem Kartenmaterial und Hinweise zur Orientierung und Navigation in Gebäuden auf akustische oder haptische Weise abrufen. Letzteres erfolgt entweder über eine portable Braillezeile oder über ein völlig neuartiges haptisches Ein-/Ausgabegerät mit adaptiven Stellteilen, die es unabhängig von Umgebungsgeräuschen ermöglichen, verschiedende Systemzustände (Navigations- und Eingabemodus) zu ertasten. Dadurch kann das System auch von den zahlreichen Sehgeschädigten genutzt werden, die keine Brailleschrift beherrschen.

Was zunächst für Menschen mit Handicap gedacht war, nutzt jetzt auch Sehenden: Eine neue Smartphone-App kann Studienanfänger, ortsunkundige Gäste und Lieferanten bei der Orientierung und Navigation unterstützen. Zusammen mit ihrer zugehörigen Weboberfläche ist diese App darüber hinaus in Krisensituationen dazu geeignet, Einsatzkräfte schnell zu leiten und so die Rettung von Menschenleben zu beschleunigen. Sowohl der Krisenmanager der Universität Stuttgart, als auch die Polizei und die Feuerwehr haben bereits Interesse an der Neuheit bekundet.

Weitere Informationen:
Dr. Andreas Hub, Universität Stuttgart, Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme,
Tel. 0177-8780398, E-Mail: Andreas.Hub (at) vis.uni-stuttgart.de
Andrea Mayer-Grenu, Universität Stuttgart, Abt. Hochschulkommunikation, Tel. 0711/685-82176,

E-Mail: andrea.mayer-grenu (at) hkom.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt „High-tech for Medical Devices“ auf der COMPAMED 2017

18.10.2017 | Messenachrichten