Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer unkonventioneller Roboter

25.08.2008
Elchtest, Überschlag, Achterbahnfahrt oder Helikoptersteuerung - am Lehrstuhl für Mechanik und Robotik der Uni Duisburg-Essen (UDE) können die Ingenieure ab sofort Fahrmanöver durchführen.

Ein Schwerlastindustrieroboter mit Schwenkarm macht die realistische Simulation möglich. Ein Jahr lang haben die Wissenschaftler das Großgerät für ihre Zwecke umgerüstet, haben neben einem Sitz vor allem ein komplexes Sicherheitssystem installiert.

Jetzt hat auch der TÜV grünes Licht für den Betrieb der Anlage gegeben, die es zu Forschungszwecken nur dreimal und auch nur in Deutschland gibt: an der Uni Duisburg-Essen, im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und im Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik. Für den reinen Fahrspaß ist der Roboter in abgespeckter Version etwas öfter im Einsatz: Als "Robocoaster" bereiten weltweit etwa 45 Exemplare in Freizeitparks Vergnügen.

Was die UDE-Ingenieure schlicht als "Bewegungssimulator" bezeichnen, ist eine Anlage beeindruckenden Ausmaßes. Nicht nur, dass sie 144 Quadratmeter Platz beansprucht (die Roboterzelle misst 12 mal 12 Meter), sie ist zudem etwa fünf Tonnen schwer und kann bis zu 500 Kilogramm tragen. Der Roboterarm lässt sich um sechs Achsen und vier Meter zu jeder Seite bzw. 6,5 Meter in die Höhe schwenken. Auch die maximale Beschleunigung kann sich sehen lassen. "Die 1,7 g", sagt Oberingenieur Dominik Raab, "dürften dem Laien allerdings nicht viel sagen. g steht für die Erdbeschleunigung. Sie gibt an, welcher Beschleunigung ein Körper im freien Fall unterliegt und welche Belastung auf ihn einwirkt. Zum Vergleich: Bei einem Raketenstart wirken 5 g. Die 1,7 g unseres Simulators entsprechen etwa der Beschleunigung eines vollbeladenen Jumbo-Jets beim Start."

Den Roboter steuern die UDE-Ingenieure über einen externen Computer. So können sie seine Bahnen und Bewegungen beliebig bestimmen. Ob der Simulator dabei bemannt ist oder nicht, spielt prinzipiell keine Rolle. Allerdings kommt natürlich nur die auf dem Schwenkarm sitzende Person in den Genuss eines wirklich authentischen Fahrgefühls, zumal ein Datenhelm den Live-Eindruck noch verstärken kann. Der Helm gleicht einer Art Augenbinde mit integriertem Display. Vor den Augen des Fahrers läuft ein Film ab - je nach Anwendungsgebiet kann er in eine Achterbahnfahrt oder in ein riskantes Automanöver versetzt werden, oder dem Fahrer wird eine realistische Umgebung vorgespielt, in der er einen Schwerlastbagger oder einen Helikopter bedienen muss.

Mit dem Entwerfen von Achterbahnen kennt sich der Lehrstuhl für Mechanik und Robotik der UDE übrigens bestens aus. Seit sechs Jahren entwickelt das Team um Prof. Dr. Andrés Kecskeméthy für das Unternehmen und den "Wilde-Maus"-Produzenten "Maurer Söhne" Software für die Gestaltung von Fahrgeschäften. Bislang wurde ausschließlich am Computer gerechnet, auch die Tests liefen virtuell über ein 3D-Programm ab - schon das ist ein großer Fortschritt. "Mit dem neuen Roboter können wir nun nicht nur visuelle Eindrücke simulieren, sondern zusätzlich auch die auf den Fahrgast einwirkende Beschleunigung", so Prof. Kecskeméthy. Will heißen: Ab wann wird es bei Achterbahnen zu heftig für den menschlichen Körper, oder wie reagiert ein Insasse auf einen Autoüberschlag? Auch das interessiert die Forscher.

Etliche Testfahrten haben Prof. Kecskeméthy und seine Mitarbeiter durchgeführt, seit der TÜV am 6. August die Anlage freigegeben hat. Wer dank eines robusten Magens mit den Rotationen und den Aufs und Abs zurechtkommt, hat sich vom Roboterarm durch die Lüfte wirbeln lassen. Im Dienste der Wissenschaft. Spaßfaktor inklusive.

Weitere Informationen:
Lehrstuhl für Mechanik und Robotik,
Prof. Dr.-Ing. Andrés Kecskeméthy,
andres.kecskemethy@uni-due.de;
Dipl.-Ing. Dominik Raab,
0203/379 3517, 0176/62086129, dominik.raab@uni-due.de.

Ulrike Bohnsack | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de
http://www.uni-due.de/lmr
http://www.uni-due.de/imperia/md/images/samples/2008/bilderpressemitteilungen/robocoaster.jpg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik