Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit neuer Technologie kann jeder 3-D-Szenen in Webseiten einbauen

10.02.2010
In Kinofilmen und Computerspielen kann man heute schon in dreidimensionale Welten eintauchen, die Menschen und ihre Umgebung sehr realistisch nachbilden.

Im Internet ist davon allerdings noch wenig zu sehen. Wenn der Nutzer dann noch selbst die virtuelle Welt verändern möchte, stößt er im Internet bisher schnell an Grenzen. Wie es schon bald auf einfache Weise anders geht, zeigen Forscher aus Saarbrücken. Sie können jetzt interaktive 3-D-Szenen direkt in beliebige Webseiten einbetten. Die neue Technologie werden sie erstmals auf der internationalen Computermesse Cebit 2010 vorstellen, die vom 2. bis 6. März in Hannover stattfindet (Halle 9, Stand B 43).

Die 3-D-Technologie für das Internet wurde von einem Forscherteam um Professor Philipp Slusallek am neu gegründeten Intel Visual Computing Institute an der Universität des Saarlandes und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) entwickelt. Die Informatiker nahmen dafür gewöhnliche Webbrowser wie den "Firefox" genauer unter die Lupe. Mit der dort verwendeten Programmiersprache HTML konnten bisher nur Texte, Bilder und Videos angezeigt werden. Durch eine Erweiterung, die die Saarbrücker Informatiker in den vergangenen Monaten entwickelten, können jetzt auch komplexe dreidimensionale Graphiken verarbeitet werden. Diese neue Web-Technologie, genannt "XML3D", kann in Zukunft mithilfe eines kleinen Zusatzprogramms von allen Internetnutzern verwendet werden. Auf der Computermesse Cebit werden die Saarbrücker Forscher erste Browser-Versionen mit dieser 3-D- Erweiterung vorstellen.

Die Anwendungen für die neue Technologie sind vielfältig. So könnte eine Kundin künftig etwa ein Abendkleid vor dem Kauf im Onlineshop virtuell anprobieren. Sie hätte dann die Möglichkeit, sich auf dem Bildschirm durch eine dargestellte Oper oder eine Diskothek räumlich zu bewegen. Ein Autokäufer könnte sich virtuell zur Testfahrt in das neue Auto setzen, dessen Ausstattung er vorher für sich persönlich zusammengestellt hat. Auch für Ingenieure eröffnen sich ganze neue Möglichkeiten, wenn sie an verschiedenen Standorten Produkte entwerfen und ihre 3-D-Modelle gemeinsam über das Internet bearbeiten können. "Das neue 3-D-Internet eröffnet ganz neue Märkte, in denen bald eine ähnliche Goldgräberstimmung herrschen könnte wie damals beim Start der ersten Webangebote", meint Professor Slusallek.

Die neue Technologie aus Saarbrücken hat den Vorteil, dass sie für Web-Entwickler und Designer einfach zu lernen ist, da sie auf die bekannte Web-Technologie der Browser aufbaut. Sie unterstützt neben der traditionellen Rasterisierung zur Darstellung der Szene auch das so genannte Echtzeit-Raytracing. Diese interaktive Visualisierungstechnik wurde von Philipp Slusallek und seinem Team in den vergangenen Jahren zur Marktreife gebracht und wird heute von den großen Chipherstellern Intel und Nvidia für ihre jeweilige Graphik-Hardware weiterentwickelt und angeboten. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Verfahren können damit Schatten und Reflexionen physikalisch korrekt dargestellt werden. Dies lässt virtuelle Szenen etwa in Kinofilmen oder Computerspielen wesentlich realistischer aussehen. "Heute werden diese Szenen mit aufwändigen Tricks erstellt. Dies wird im 3-D-Internet nicht mehr funktionieren, wenn beliebige Nutzer auf der ganzen Welt damit anfangen, ihre eigenen 3-D-Inhalte ins Netz zu stellen. Sie erwarten dann, dass diese sofort realistisch aussehen und ohne komplizierte Tricks einfach funktionieren", sagt Computergraphik-Experte Slusallek. Er sieht daher gerade im 3-D-Internet die Zukunft der Ray-Tracing-Technologie.

Technischer Hintergrund von XML3D

XML3D ist eine Szenenbeschreibungssprache, die für programmierbare Graphikprozessoren entwickelt wurde. Im Gegensatz zu früheren Formaten wie VRML und X3D, die sich nie durchsetzen konnten, erweitert XML3D einfach nur das normale HTML um 3-D-Fähigkeiten. So sind etwa Geometriedaten so abgelegt, dass sie direkt an die Graphikhardware übergeben werden, ohne dass man dafür Kopien im CPU-Speicher halten muss. Auch das für XML3D neu entwickelte Materialmodell mit der portablen Shader-Beschreibung "AnySL" setzt komplett auf programmierbare Graphik-Hardware. Zusätzlich zum traditionellen Rasterisierungsverfahren erlauben in AnySL beschriebene Shader erstmal auch die Nutzung von Echtzeit-Raytracing, um die 3-D-Szenen noch realistischer darstellen zu können.

Mit dem neuen Verfahren können dreidimensionale Graphiken direkt in beliebige Webseiten eingebettet werden, und dies viel interaktiver als bisher. Weblinks im Text können die 3-D-Szene verändern, sie von einer anderen Ansicht zeigen oder eine Animation starten. Auch existierende Web-Seiten können damit schnell und einfach um interaktive 3-D-Graphik ergänzt werden. So sind etwa alle 3-D-Objekte auch Teil des DOM (Document Object Models) und können dadurch von jedem Entwickler schnell verändert werden. Genauso einfach lassen sich auch 3-D-Szenenteile bei Bedarf über AJAX nachladen oder ihr Design mithilfe von CSS anpassen. Neben der Nutzung im Browser soll die XML3D-Technologie künftig auch als Bibliothek und über ein Software Development Kit (SDK) unter allen gängigen Betriebsystemen zur Integration in kommerzielle und OpenSource-Anwendungen zur Verfügung stehen. Damit will die Forschungsgruppe um Professor Slusallek die Software-Entwickler dabei unterstützen, interaktive 3-D-Graphik einfach und schnell in ihre Anwendungen zu integrieren.

Auf dem Stand B 43 in Halle 9 der Cebit 2010 wird das DFKI und das Intel Visual Computing Institute an der Universität des Saarlandes die neue XML3D-Technologie erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. Es werden auch Anwendungen aus der Architektur, Stadtplanung, Geschichte und Produktvermarktung gezeigt. Am 2. März um 13.25 Uhr hält Prof. Slusallek im "future talk" (Halle 9, Stand A 30) einen Vortrag zum Thema "Interaktive 3D-Graphik in Firefox mit XML3D".

Fragen beantworten:

Prof. Dr. Philipp Slusallek
Tel. 0681 / 302-5377 oder -3830
Tel. 0511 / 89 49 70 37 (Cebit-Messetelefon)
E-Mail: slusallek@cs.uni-sb.de
Friederike Meyer zu Tittingdorf
Tel. 0681 / 302-3610
Mobil 0151 / 11 37 16 32
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern und Studenten der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-sb.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Cybersicherheit für die Bahn von morgen
24.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Schutz vor Angriffen dank flexibler Programmierung
22.03.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise