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Neue Wege zur guten Aussprache: Die eigene Stimme vor Ohren geführt

23.04.2013
Deutsche und französische Forscher arbeiten daran, Sprachlernsoftware um eine gesprochene Dimension weiterzuentwickeln: Neuartige Rückmeldungen, Inhalte und Übungen, bei denen die eigene Stimme des Sprachschülers verwendet wird, sollen diesen bei der Aussprache individuell und gezielt unterstützen. Im Projekt "Individualized Feedback in Computer-Assisted Spoken Language Learning" arbeiten Wissenschaftler der Universität des Saarlandes und der Université de Lorraine zusammen.

Es ist eine Krux: Wer die Aussprache einer Fremdsprache lernt, hört sich selbst nicht reden – und bemerkt so auch seine Fehler nicht. Der Sprachneuling kann seine Schwächen nicht orten, weiß nicht, wo er etwas ändern soll, um besser zu werden. An diesem Punkt setzt ein neues Projekt an, bei dem deutsche und französische Phonetiker, Sprachtechnologen und Signalverarbeitungsexperten zusammenarbeiten.

Gemeinsam wollen sie eine neuartige computergestützte Lernmethode entwickeln, die die Aussprache des Sprachschülers analysiert und automatisch Feedback und Übungen generiert, die auf seine besonderen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Besonderer Clou des Ganzen: Das System soll Sätze, die der Lernende eingesprochen hat, so verändern, dass er die eigene Stimme akzentfrei hören und mit seiner ursprünglichen Satzversion vergleichen kann.

Der Sprachschüler wird etwa aufgefordert, kleine Sätze zu sprechen, in die phonetische Fallen eingebaut sind: wie die Betonung bei „Den Baum umfahren“ oder "umfahren" oder die richtige Aussprache von "boisson", "poisson" und "poison". Ziel ist, dass das System die Fehler und Schwächen selbstständig identifiziert und den Lernenden mit seiner eigenen Aussprache konfrontiert. Der Satz soll ihm anschließend mit seiner Stimme vorgesprochen werden und seine Fehler - durch Manipulation der Sprachsignale - stark übertrieben werden, um den Unterschied zur perfekten Aussprache deutlich zu machen.

Mit Grundlagenforschung wird jetzt die Basis gelegt für diesen persönlichen Sprachtrainer. In französischer und deutscher Sprache sollen die Prototypen entstehen. Hierzu wird zunächst erforscht, wo in diesem Sprachenpaar die Tücken im Detail liegen, also wo besondere phonetische Schwierigkeiten lauern – von Rhythmus, Wortbetonung, Sprachmelodie bis hin zu Tonhöhe oder Lautstruktur. Ein deutsch-französisches Sprachkorpus soll aufgebaut, analysiert und anschließend der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden. Hierbei handelt es sich um eine umfangreiche Sammlung von Sätzen und Wörtern, die im Tonstudio aufgenommen und anschließend phonetisch „annotiert“ werden. Das bedeutet, es werden zusätzliche phonetische Informationen wie Lautschrift elektronisch an die Sprachsignaldatei angehängt. Das Korpus soll die gesamte Lautstruktur und vor allem auch unterschiedliche Sprachniveaus von Sprechern abdecken. Es wird die Grundlage bilden für ein mathematisches Sprach-Modell, das ermöglichen soll, bestimmte phonetische Eigenheiten des Sprechers so zu erkennen und zu verändern, dass seine eigene Stimme wie die eines Muttersprachlers klingt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projektes liegt darin, verschiedene Feedbackmethoden und deren Kombinationen zu entwickeln und zu testen, um die herauszufinden, die am effektivsten und nutzerfreundlichsten für den Sprachenschüler sind. Um diesen bestmöglich zu unterstützen, wollen die Wissenschaftler auch Profile von Lernenden entwickeln, damit Übungen, Inhalte und Feedbacks optimal angepasst werden können. Auf diese Weise können etwa verschiedene Sprach-Niveaus berücksichtigt werden. Auch soll untersucht werden, wie Text, gesprochene Rückmeldungen und visuelle Hilfen kombiniert werden können.

Die phonetische und phonologische Seite bearbeiten im Projekt die Saarbrücker Forscher: Beteiligt ist die Arbeitsgruppe um Professor Bernd Möbius und Dr. Jürgen Trouvain, der Koordinator und Sprecher des deutsch-französischen Gesamtprojektes ist.

Die Wissenschaftler der Université de Lorraine in Nancy unter Leitung von Professor Yves Laprie sind für die technische Seite der Spracherkennung und Signalverarbeitung verantwortlich. Vor besondere Probleme stellt die Forscher dabei die automatische Spracherkennung, weil das System für verschiedene Altersklassen und für Nichtmuttersprachler mit unterschiedlichen Sprachniveaus zu gleich guten Ergebnissen führen muss.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und ihr französisches Pendant, die Agence Nationale de la Recherche (ANR), fördern das Vorhaben ab April 2013. Rund 450.000 Euro fließen dabei an die Saar-Universität; insgesamt beträgt das Fördervolumen 700.000 Euro.

Kontakt:
Universität des Saarlandes:
Dr. Jürgen Trouvain: Tel.: 0681 / 302-4694,
E-Mail: trouvain@coli.uni-saarland.de
Prof. Dr. Bernd Möbius: Tel.: 0681 / 302-4500;
E-Mail: moebius@coli.uni-saarland.de
http://www.coli.uni-saarland.de/

LORIA (Laboratoire lorrain de recherche en informatique et ses applications), Nancy:
Prof. Dr. Yves Laprie: Tel.: +33 3 83 59 20 36;
E-Mail: yves.laprie@loria.fr
http://parole.loria.fr/

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610).

Claudia Ehrlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.coli.uni-saarland.de/

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