Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Unternehmenssoftware simuliert blitzschnell finanzielle Auswirkungen

25.03.2015

Ob Wechselkurse sich plötzlich verändern oder Rohstoffpreise drastisch schwanken – in der Wirtschaft spart schnelle Reaktion oft viel Geld. Deshalb haben Forscher des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) jetzt eine neuartige Finanz-Simulationssoftware vorgestellt, die es Managern erlaubt, den kompletten Produktionsprozess ihres Unternehmens in Echtzeit zu analysieren.

Der so genannte „Business Simulator“, der auf der CeBIT vorgeführt wurde, macht es blitzschnell möglich, verlässliche Aussagen zur Gewinn-und-Verlust-Rechnung, zu Produktkosten und Margen sowie Prognosen zu treffen. Entscheider können so ohne Zeitverlust auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren.


Hochleistungsrechner und Hochgeschwindigkeitsdatenbanken sind beim HPI in Forschung und Lehre im Einsatz

HPI/K. Herschelmann

„Derzeit dauert es in vielen Unternehmen noch bis zu zwei Wochen, bis die IT-Abteilung alle eigenen Daten zusammengetragen hat, auf deren Grundlage es überhaupt möglich wird, zu handeln“, erklärt HPI-Projektleiter Dr. Matthias Uflacker. Sein fünfköpfiges Forscherteam hat den Business Simulator in nur drei Monaten entwickelt.

Technologische Basis ist das am HPI erforschte und mitentwickelte In-Memory Data Management. SAP brachte es mit der Plattform „SAP HANA“ zur Produktreife. „Das ist eine Höchstgeschwindigkeits-Datenbank, die Daten ausschließlich im Hauptspeicher von Mehrkern-Rechnern vorhält und blitzschnelle Analysen überhaupt erst ermöglicht“, erläutert Uflacker.

Mit dem Business Simulator haben die HPI-Forscher ein Werkzeug entwickelt, dass für jedes Unternehmen - unabhängig von Branche und Produktgruppe - präzise Analysen für klar umrissene Fragestellungen liefert. „Derzeit liegen viele Daten dezentral in verschiedenen Systemen in unterschiedlichen Betriebsteilen. Diesen Zustand ändert unsere Software. Alle Finanzdaten laufen nun im Business Simulator zentral zusammen“, sagt Uflacker.

Der Ist-Zustand des Unternehmens sei so nun in Echtzeit darstellbar. Zusätzlich lassen sich nach Uflackers Worten präzise Prognosen und Szenarien berechnen, wie schwankende Kennwerte wie Energie- und Rohstoffpreise sich auf die eigene Produktion und letztlich den Gewinn auswirken. „Blitzschneller Rundumblick mit Tiefgang“, nennt Uflacker das.

Für die Erprobung der neuartigen Software konnten Uflacker und sein Team reale Daten eines Backwarenanbieters nutzen. Im Zentrum einer Studie stand die Frage, wie Lebensmittelgeschäfte so mit Teigrohlingen beliefert werden können, dass möglichst wenig Ware am Ende eines Verkaufstages vernichtet werden muss. Das System fütterten die Forscher mit vier Milliarden Point of Sales-Daten, die deutschlandweit in Filialen einer Einzelhandelskette anfielen.

Um mit dieser großen Datenmenge überhaupt umgehen zu können, wurde das Forschungslabor am Fachgebiet von Prof. Hasso Plattner mit einem Hochleistungsrechner mit 240 Prozessoren und 12 Terabyte Arbeitsspeicherkapazität aufgerüstet. So präpariert gelang es, blitzschnelle Antworten auf Fragen zu finden wie: Welche Produkte werden wo bei welchem Wetter zu welcher Zeit und in Zusammenhang mit welchen Ereignissen verkauft? Was kauft jemand, der sich freitagnachmittags eine Tüte Chips in den Einkaufswagen legt, sonst noch ein?

„Diese gezielten Analysen bedeuten für Unternehmen bares Geld, denn sie liefern in rasanter Geschwindigkeit Antworten auf sehr flexible Fragestellungen“, betont Uflacker. Unternehmen könnten so präziser gesteuert werden. Auf diese Weise werde eine direkte Kooperation von Controlling, Marketing und Geschäftsführung erst ermöglicht, da der Datenfluss keine zwei Wochen mehr dauere.

Kurzprofil Hasso-Plattner-Institut

Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (https://hpi.de) an der Universität Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für IT-Systems Engineering. Als einziges Universitäts-Institut in Deutschland bietet es den Bachelor- und Master-Studiengang „IT-Systems Engineering“ an – ein besonders praxisnahes und ingenieurwissenschaftliches Informatik-Studium, das von derzeit 470 Studenten genutzt wird. Die HPI School of Design Thinking, Europas erste Innovationsschule für Studenten nach dem Vorbild der Stanforder d.school, bietet 240 Plätze für ein Zusatzstudium an. Insgesamt zehn HPI-Professoren und über 50 weitere Gastprofessoren, Lehrbeauftragte und Dozenten sind am Institut tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung – in seinen neun Fachgebieten, aber auch in der HPI Research School für Doktoranden mit ihren Forschungsaußenstellen in Kapstadt, Haifa und Nanjing. Schwerpunkt der HPI-Lehre und -Forschung sind die Grundlagen und Anwendungen großer, hoch komplexer und vernetzter IT-Systeme. Hinzu kommt das Entwickeln und Erforschen nutzerorientierter Innovationen für alle Lebensbereiche. Das HPI kommt bei den CHE-Hochschulrankings stets auf Spitzenplätze. Mit openHPI.de bietet das Institut seit September 2012 ein interaktives Internet-Bildungsnetzwerk an, das jedem offen steht.

Weitere Informationen:

http://hpi.de/plattner/research/in-memory-data-management-for-enterprise-systems... - Website des HPI-Fachgebiet Enterprise Platform and Integration Concepts

http://www.hpi.de - Website des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik an der Universität Potsdam (HPI)

Hans-Joachim Allgaier | Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI)

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Humane Sachbearbeitung mit Künstlicher Intelligenz
18.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Intelligente Videoüberwachung für mehr Privatsphäre und Datenschutz
16.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Perowskit-Solarzellen: mesoporöse Zwischenschicht mildert Einfluss von Defekten

18.01.2018 | Energie und Elektrotechnik