Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue technologische Hilfen für Blinde: Mit Vibrationssignalen Hindernisse erkennen

23.06.2014

Wie kann man blinden oder sehbehinderten Menschen helfen, sich in einer unbekannten Umgebung zurechtzufinden? Dies ist eine Frage, mit der sich Forscher an der Hochschule Furtwangen (HFU) beschäftigen.

In dem vom Bundministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „Intelligente, vibrotaktil induzierte Wahrnehmung“, kurz: iView, entwickeln Forscher ein Informationssystem, das den Berührungssinn anspricht und dem Träger des Systems über Vibrationssignale Umgebungsinformationen übermittelt.


Ein Blinder testet das neue Navigationshilfesystem.

Hochschule Furtwangen

Die Informationsübertragung über einen Berührungsreiz eignet sich besonders für Blinde und Sehbehinderte, da bei den Betroffenen der Berührungs- oder Tastsinn bestens geschult ist und keine akustischen Signale das Gehör als wichtige Informationsquelle bei der Navigation stören.

Wie funktioniert das taktile Informationssystem?

Zunächst tastet ein 3D-Laserscanner in Echtzeit die Umgebung ab und erfasst mögliche Hindernisse. Diese 3D-Daten bilden die Grundlage für eine Erkennung potenzieller Gefahren und die Priorisierung von Informationen, die über Vibrationssignale an den Träger des Systems übermittelt werden. Die Vibrationsstärke, die Vibrationszeit und die Position der Vibrationssignalgeber am Körper geben Informationen über Richtung und Abstand zum Hindernis.

„Die ersten Tests waren bereits erfolgsversprechend“, sagt Prof. Dr. Knut Möller, Projektleiter des Forschungsvorhabens. „Natürlich muss sich der Träger des Systems erst an die neue Technik gewöhnen und die Signale richtig zu interpretieren lernen. Aber nach einer kurzen Lernphase erzielten alle Versuchspersonen bereits sehr viel bessere Ergebnisse.“

Miniaturisierte Variante

Ein weiteres Forscherteam beschäftigt sich mit der Entwicklung eines taktilen Informationsgebers in Miniaturform. Sind die Vibrationsmotoren am Gürtel noch deutlich sichtbar, wird das mikrosystemtechnisch hergestellte, miniaturisierte System nur wenige Millimeter groß sein. Es kann dezent am Körper getragen oder einfach in das Lebensumfeld integriert werden. Bei der Entwicklung werden Verfahren der Oberflächenmikromechanik und der Fluidik kombiniert. „Im Vergleich zum Gürtel wird das Miniatur-System einen sehr viel geringeren Energieverbrauch haben. Gerade bei mobilen Anwendungen ist dies ein entscheidender Vorteil“, meint Prof. Dr. Ulrich Mescheder, Leiter des Technologielabors für Mikro- und Nanosysteme, in dem die Arbeiten durchgeführt werden.

In den kommenden sechs Monaten zielen die Forschungsarbeiten auf die Entwicklung eines tastbaren Displays, welches zusätzliche Informationen für Blinde in Form einer Umgebungskarte enthält, die durch Abtasten erfasst werden können.

In Frankfurt wurden die Entwicklungen auf der deutschlandweit größten Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel vorgestellt und vom Messepublikum sehr gut aufgenommen. „Mit unserem System möchten wir den Blindenstock nicht ersetzen. Vielmehr ist der taktile Informationsgeber als ergänzendes Hilfsmittel gedacht, das Kollisionen mit Hindernissen verhindern soll, indem frühzeitig entsprechende Informationen vermittelt werden“, sind sich beide Professoren einig.

Ansprechpartner an der HFU
Prof. Dr. Knut Möller, moe@hs-furtwangen.de Prof. Dr. Ulrich Mescheder, mes@hs-furtwangen.de

Projektpartner
Hochschule Furtwangen (Projektleitung)
Institut für Informatik/Autonome Intelligente Systeme (AIS), Universität Freiburg Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Freiburg RTB GmbH & Co. KG, Bad Lippspringe

Jutta Neumann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Living: VDE-Institut entwickelt Cloud-basierte interoperable Testplattform
15.02.2017 | VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

nachricht Saarbrücker Informatiker machen „Augmented Reality“ fotorealistisch
15.02.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie