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Neue Sicherheitstechnik vor Gericht

02.12.2010
Informatiker des Center for Advanced Security Research Darmstadt (CASED) treffen sich am Donnerstag und Freitag (2.-3.12.) mit Richtern, Anwälten und Rechtsgutachtern zu simulierten Gerichtsverhandlungen in Darmstadt.

Die Simulation verschiedener Rechtsfälle soll Erfahrungen mit aktueller und zukünftiger Technik in einer realitätsnahen, geschützten Umgebung ermöglichen, während sowohl die Technik als auch die rechtlichen Regelungen noch gestaltbar sind.

Wenn Forscher neue Verfahren entwickeln, testen sie diese in einer gesicherten Testumgebung noch bevor sie auf den Markt kommen. Innovative Technik hat aber oft auch starke Auswirkungen auf unseren Lebensalltag und die Gesetze, die ihn regeln. Idealerweise sollten deshalb mögliche Wechselwirkungen von Rechtssystem und neuen Funktionen vor Einführung der Technik geprüft und angepasst werden.

Das aber führt zur widersprüchlichen Situation, dass für diese so genannte Technikfolgenabschätzung Anwendererfahrungen mit Technik notwendig sind, die erst als Prototyp existieren. Kann durch eine Kamera, die mit einem neuartigen Gangerkennungsmechanismus ausgestattet ist, der Fotograf eindeutig bestimmt werden? Können digitale Wasserzeichen in Fotografien deren unerlaubte Weitergabe vor Gericht zuverlässig nachweisen? Kann eine Person zukünftig durch datenschutzgerecht gespeicherte GPS-Standortdaten rechtskräftig nachweisen, wo sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgehalten hat?

Um zu diesen Fragen vorab praxisnahe Erfahrungen zu machen, führen CASED-Wissenschaftler eine interdisziplinäre Simulationsstudie durch, die von Prof. Dr. Alexander Roßnagel von der Universität Kassel entwickelt wurde. In der aktuellen Simulationsstudie testen Anwälte, Richter und Gutachter drei unterschiedliche Verfahren für digitale Bild-Wasserzeichen, biometrische Gangerkennung und pseudonymisierte GPS-Ortung, die sich momentan bei CASED in Entwicklung befinden oder kürzlich entwickelt wurden. Sie arbeiten dabei mit simulierten Akten und Beweismitteln in realitätsnahen Prozessen. Anschließend werten die Rechtswissenschaftler die Protokolle, Interviews, Beobachtungen und Akten aus.

Aus den so gemachten Erfahrungen erwarten sie sich wertvolle Hinweise für die Gestaltung technisch-sozialer Vernetzung während sowohl die Technik selbst als auch die Infrastruktur und die rechtlichen Rahmenbedingungen noch in Entwicklung und deshalb veränderbar sind. Besonders wertvoll sind dafür die Praxiserfahrungen durch echte Anwender und der frühzeitige Dialog zwischen Anwendern, Entwicklern und Rechtswissenschaftlern. „Simulationsstudien ermöglichen Erfahrungen in Zukunftssituationen“, ergänzt CASED-Direktor Johannes Buchmann, „und die können auch für unsere Wissenschaftler interessante Aspekte aufdecken.“

Pressekontakt:
Anne Grauenhorst
CASED Public Relations
Tel.: 06151 16 6185,
E-Mail: anne.grauenhorst@cased.de

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de/

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