Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Muster, die für Computer die Welt bedeuten

02.09.2013
Welche Unregelmäßigkeiten deuten im entzifferten Erbgut auf Krankheiten hin? Wie können Kameras hinter der Frontscheibe eines Autos verlässlich Fußgänger, Verkehrszeichen und vorausfahrende Fahrzeuge erkennen, selbst wenn die Sonne strahlt, Regentropfen auf die Scheibe prasseln oder die Nacht alles abdunkelt? Welche neuen Anwendungen ermöglichen Lichtfeldkameras, deren Bilder sich noch nach der Aufnahme scharfstellen lassen?

Mit diesen Fragen befasst sich die „German Conference on Pattern Recognition“ vom 3. bis 6. September an der Universität des Saarlandes. Sie wird gemeinsam von den Fachrichtungen Mathematik und Informatik sowie dem Max-Planck-Institut für Informatik veranstaltet.

„Eigentlich ist der Begriff Musterkennung schon sehr alt und zu eng“, erklärt Joachim Weickert, Professor für Mathematik und Informatik an der Universität des Saarlandes. „Früher ging es eher um einfache Probleme wie automatische Schrifterkennung “, so Weickert. Inzwischen kämen zur Mustererkennung auch neuere Gebiete der visuell basierten Informatik hinzu. Dazu gehörten Bildverarbeitung, Computer Vision und Maschinelles Lernen. „Heute wollen wir, dass Computer unsere Welt verstehen.“

Gesichter erkennen, einer Unterhaltung trotz Partylärm lauschen, Symbole in einem Gemälde finden, verdächtiges Verhalten an einer Person bemerken, was Menschen gedankenschnell schaffen, ist für Computer noch eine große Herausforderung. Die Teilnehmer der Konferenz und die Gruppe um Professor Weickert untersuchen daher Verfahren, die digitale Bilddaten automatisch in Kategorien einordnen. Hilfsmittel sind dabei so genannte „Muster“ – Merkmale, die allen Daten einer imaginären Schublade gemeinsam sind und sie von den Daten anderer Kategorien unterscheiden. „Die Musterkennung soll die Computer und Roboter dazu befähigen, statt präziser Eingaben auch die vielfältigen visuellen Informationen aus einer natürlichen Umgebung zu verarbeiten“, sagt Weickert. Welches Potenzial dieser Ansatz hat, beweisen Fahrassistenzsysteme schon heute.

„Die Automobilhersteller und deren Zulieferer zeigen großes Interesse an unserer Forschung“, bestätigt Weickert. Dazu nutzen die Informatiker Videos, auf denen Verkehrssituationen zu unterschiedlichen Tageszeiten und unter verschiedenen Wetterbedingungen aus dem Innenraum eines Fahrzeuges heraus zu sehen sind. Sie testen daran, mit welchen Verfahren dieses visuelle Datenmaterial verlässlich verarbeitet werden kann, damit Fahrassistenzsysteme zum siebten Sinn des Fahrers werden. Sie werden dies auf der Tagung unter dem Titel „Robust Optical Flow“ am kommenden Mittwoch diskutieren. „Es ist sehr anspruchsvoll, damit klar zu kommen, wenn sich tagsüber Sonne und Schatten abwechseln oder nachts Regen auf die Scheibe prasselt“, erklärt Weickert, „Selbst Scheibenwischer stellen dann eine Herausforderung dar.“ Laut seiner Aussage haben zahlreiche namhafte Automobilhersteller und Zulieferer ihre Ingenieure für die Tagung angemeldet, Daimler stiftet Preise, Toyota stellt Fahrzeuge aus und der Zulieferer Bosch gehört zu den Sponsoren. Weickert gibt sich optimistisch: „Der Weg von der Forschung zum konkreten Produkt ist sehr kurz. Fünf Jahre sind durchaus realistisch." Da sich viele solcher Unternehmen im Saarland befänden, sei dies auch eine Chance für die Region, so der Professor.

Doch nicht nur Automobilhersteller, auch der Elektronikkonzern Intel und Google unterstützen die Tagung. Das Suchmaschinen-Unternehmen interessiert sich für neue Ansätze die Datenberge (Big Data), angehäuft von Anwendern in Form von Texten und Bildern, schnell, effizient und präzise verarbeiten zu können. Auch Vorträge zu medizinischen Anwendungen finden sich im Tagungsprogramm. „Wenn meine Rechenverfahren die Ergebnisse bildgebender Diagnoseverfahren wie der Röntgentomographie verbessern, ich also Bilder scharf rechnen kann, muss ich den Patienten weniger der Strahlung aussetzen“, erklärt Weickert. Um den Bezug zur Medizin und Bioinformatik noch klarer zu machen, konnten die Saarbrücker Organisatoren Gene Myers als Gastredner gewinnen. Der US-amerikanische Informatiker trug mit seinen Rechenverfahren maßgeblich zur vollständigen Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes bei.

Ein weiterer Höhepunkt ist der Workshop „Ungelöste Probleme in Mustererkennung und Computer Vision“. In lockerere Atmosphäre können hier handverlesene Wissenschaftler darstellen, wo ihre Forschung momentan steht und wohin sie damit in den nächsten zehn Jahren wollen.

Hintergrund zur Konferenz:

„Die Konferenz gibt es seit gut 35 Jahren an wechselnden Austragungsorten“, erklärt Joachim Weickert. „Damit gilt sie als eine der weltweit traditionsreichsten Tagungen im Bereich Mustererkennung, Bildverarbeitung, Computer Vision und maschinelles Lernen und wird auch außerhalb von Deutschland beachtet“, führt Weickert aus. Zusammen mit den Saar-Professoren Matthias Hein (Maschinelles Lernen) und Bernt Schiele (Computer Vision und Multimodal Computing am Max-Planck-Institut für Informatik) hat Weickert diese Konferenz organisiert. Bereits 210 Teilnehmer haben sich angemeldet. Sie sind überwiegend deutschsprachig, jedoch befinden sich auch zahlreiche internationale Experten unter ihnen. Ein besonderes Anliegen der Konferenz ist die Nachwuchsförderung. Im „Young Reseachers Forum“ können beispielsweise bereits Bachelor- und Masterabsolventen ihre Arbeiten ausstellen. Nach erfolgreicher Bewerbung müssen sie keine Konferenzgebühren bezahlen. „Darüber hinaus gibt es drei Preise für die besten Tagungsbeiträge. Auch diese Preise gehen typischerweise an Nachwuchswissenschaftler“, so Weickert.

Für Interviews und weitere Fragen kontaktieren Sie bitte:

Joachim Weickert
Professor für Mathematik und Informatik an der Universität des Saarlandes
E-Mail: weickert@mia.uni-saarland.de
Tel.: 49-681-302-57341
Redaktion:
Gordon Bolduan
Wissenschaftskommunikation
Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction“
E-Mail: bolduan@mmci.uni-saarland.de
Tel.: 49-681-302-70741
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610).

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.gcpr2013.uni-saarland.de/
http://www.gcpr2013.uni-saarland.de/material/gcpr2013_booklet.pdf
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Lemgoer Forscher entwickeln Intelligente Assistenzsysteme für mobile Anwendungen in der Industrie
25.07.2017 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

nachricht Neue Anwendungsszenarien für Industrie 4.0 entwickelt
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die turbulente Atmosphäre der Venus

25.07.2017 | Physik Astronomie

SEEDs – Intelligente Batterien mit zellinterner Sensorik

25.07.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

25.07.2017 | Physik Astronomie