Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Münchner Kreis macht sich für mehr Sicherheit im Cloud Computing stark

04.02.2010
Der nächste Paradigmenwechsel in der Informationstechnologie ist eingeläutet: Mit Cloud Computing verabschieden sich Unternehmen und Konsumenten von starren IT-Infrastrukturen - und stehen damit vor neuen Fragen zu Sicherheit und Vertrauen.

Für die Nutzung von Hardware, Software und IT-Services bedienen sich Unternehmen und Konsumenten immer häufiger der Angebote externer Dienstleister. Die benötigte IT-Infrastruktur und aktuelle Softwareanwendungen werden beim Cloud Computing dezentral über das Internet und nach Bedarf genutzt.

Grund genug für den Münchner Kreis auf einer Konferenz mit rund 140 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik neue Wege zu mehr Sicherheit und Effizienz im IT-Management aufzuzeigen. "Spätestens wenn geschäftskritische, sensible Daten eines Unternehmens oder auch private Daten dem Internet preisgegeben werden, stehen dringende Fragen zu Sicherheit, Verfügbarkeit und vor allem zum Vertrauen im Raum", so Prof. Arnold Picot, Vorstandsvorsitzender des Münchner Kreises.

Wie sich auf der Konferenz zeigte, bestehen die größten Bedenken gegenüber dem Cloud Computing hinsichtlich des Datenschutzes und der Datensicherheit. "Aufgrund der technischen Verknüpfung dezentral organisierter Rechnerleistungen wird es in Zukunft immer weniger nachvollziehbar, zu welchem Zeitpunkt an welchem Standort und nach welcher Rechtsordnung IT-Leistungen erbracht werden", gab Dr. Alexander Duisberg von der Rechtsanwaltskanzlei Bird & Bird zu bedenken. Vor diesem Hintergrund müsse sich der Cloud-Nutzer fragen, welche Daten er überhaupt in die Cloud hineingeben oder auslagern dürfe. Michael Auerbach von T-Systems International hielt dem entgegen: "Auch wenn das Thema Sicherheit zu Recht eines der wichtigsten Aspekte in einer digitalen Welt darstellt, werden in dieser Diskussion allzu gern verschiedene Dinge in einen Topf geworfen". So müsse man in der Diskussion um sicheres Cloud Computing zwischen der Sicherheit von Daten unterscheiden, die Endkonsumenten im Internet den Massenanwendungen preisgeben, und solchen, die Unternehmen der privaten Cloud von IT-Dienstleistern anvertrauen. "Mit einer privaten Cloud vereinbaren Kunde und Dienstleister, in welchen Rechenzentren und auf welchen Serverpools die anvertrauten Daten verarbeitet werden", so Auerbach. Letztendlich läge der Unterschied zwischen Cloud Computing und dem klassischen seit Jahren praktizierten Outsourcing nur in Details.

Ministerialdirektor Martin Schallbruch vom Bundesministerium des Innern ging auf die zunehmende Abhängigkeit unserer Gesellschaft von funktionierender und verfügbarer IT-Infrastruktur und auf die allgemeine Verschärfung der IT-Sicherheitslage ein. Er stellte mit den Umsetzungsplänen "Bund" und "KRITIS" zwei Programme seines Ministeriums vor, die kritische Informationsinfrastrukturen in der Bundesverwaltung und in der Wirtschaft adressieren.

Mit Blick auf die technischen Rahmenbedingungen des Cloud Computing wies Prof. Jörg Schwenk von der Ruhr-Universität Bochum darauf hin, dass beim World Wide Web Consortium und bei der internationalen Organisation für Web-Standards OASIS eine Vielzahl von Standards zur Absicherung von Webdiensten erarbeitet worden sind. In der Praxis gebe es aber noch drei Hindernisse, die überwunden werden müssten: Erstens seien digitale Signaturen nicht hinreichend erforscht und würden in der Industrie oft falsch verstanden. Zweitens würden kryptographische Operationen wie Signatur und Verschlüsselung an Performanzproblemen leiden. Und drittens würden viele Sicherheitsstandards mit Hinblick auf ein 2-Parteien-Szenario entwickelt, während in der Praxis schon längst Webservices mit 3 und mehr Parteien orchestriert werden.

Prof. Gunter Dueck von IBM Deutschland äußerte die Überzeugung, dass sich das Vertrauen in Cloud Computing langsam einstellen wird: "Die IT selbst kann die Entwicklung beschleunigen oder verzögern, je nachdem wie schnell sie die Anforderungen der Kunden und deren Wünsche nach einheitlichen Standards und transparenten Preisen erfüllt". Die Vertrauensforschung weist darauf hin, dass Vertrauen in abstrakte Systeme dadurch aufgebaut und gepflegt wird, dass die Repräsentanten an den Zugangspunkten und die das System kontrollierenden Experten vertrauenswürdig sind. So resümierte Dr. Guido Möllering vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung: "Es wird im Cloud Computing über alle Bemühungen um fehlerfreie Technologien, lückenlose Rechtsapparate, konsequente Aufsichtsinstanzen und vorsorgliche Versicherungen hinaus immer nötig sein, dass die Beteiligten Verantwortung für das System tragen - auch über ihre individuellen Verpflichtungen hinaus. Geschieht dies, werden sich viele weitere Akteure in die Wolke hineinwagen".

Über den Münchner Kreis
Der Münchner Kreis ist eine gemeinnützige übernationale Vereinigung für Kommunikationsforschung. An der Nahtstelle von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien befasst er sich mit Fragen der Technologie, der Gesellschaft, der Ökonomie und der Regulierung im Bereich von Informations- und Kommunikationstechniken sowie der Medien. Er begleitet und fördert die Entwicklung der Informationsgesellschaft in verantwortungsvoller Weise, und wirkt an der Verbesserung der Rahmenbedingungen durch wissenschaftlich qualifizierte Beiträge und sachlichen Dialog konstruktiv mit.

Till Breitung | idw
Weitere Informationen:
http://www.muenchner-kreis.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Computer mit Köpfchen
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pepper, der neue Kollege im Altenheim
17.08.2017 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie