Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mobile Web-Apps bieten Einfallstore für Datenspione (2)

03.03.2014

Informatiker der Uni Bremen testen mobile Web-Apps von namhaften Software-Herstellern mit dem Ergebnis: Zahlreiche Schwachstellen eröffnen die Möglichkeit, das Smartphone zu knacken.

Apps sind angesagt. Die Marktforscher von Gartner verzeichneten in 2013 weltweit 102 Milliarden Downloads aus allen App-Stores. Das schnelle Geschäft mit kurzen Entwicklungszeiten geht jedoch oft auf Kosten der Sicherheit, selbst bei Apps von großen Konzernen oder Banken. Wie sicher sind mobile Web-Apps eigentlich und welches sind die zentralen Schwachstellen?

Dieser Frage sind Wissenschaftler des Technologie-Zentrums Informatik und Informationssicherheit (TZI) der Universität Bremen auf den Grund gegangen. Sie haben aus dem Play Store von Google exemplarisch Apps namhafter Hersteller heruntergeladen und dann zum einen das Kommunikationsverhalten und zum anderen den Softwarecode analysiert.

Berechtigungen ermöglichen Spionen das Abgreifen von Daten

„Wir finden immer wieder zwei Einfallstore für Datenspione“, sagt TZI-Mitarbeiter Karsten Sohr. Zum einen fordern die Apps eine lange Liste von Berechtigungen, von denen viele gar nicht für die Funktionalität benötigt werden. Ein Beispiel ist die App eines großen Konzerns, über die Konzernnachrichten verbreitet werden.

„Insgesamt 22 Berechtigungen haben wir registriert, wirklich gebraucht wird eigentlich nur der Zugriff auf das Internet. Doch das Problem ist, dass diese Berechtigungen Spionen ermöglichen, Daten abzugreifen oder sogar auf Funktionen des Handys, wie Kamera, Mikro, Kontakte oder GPS-Ortung zuzugreifen. Das Perfide dabei: Der Nutzer bemerkt davon nichts“, sagt Christian Liebig, der am TZI seine Masterarbeit über das Thema schreibt.

Einspeisen von Schadsoftware durch Lücken in der SSL-Verschlüsselung

Das andere Einfallstor ist die sichere Verschlüsselung nach dem SSL-Standard. „Die Programmierer machen hier immer wieder Fehler, weil es sehr komplex ist und hohe Kenntnisse erfordert“, erläutert Sohr. Das Problem ist jedoch, dass Datenspionen eine minimale Sicherheitslücke im Softwarecode einer App ausreicht, um Java-Code einzuspeisen und das Smartphone übernehmen zu können.

„Wir haben selbst in sicherheitssensiblen Bereichen wie Online-Banking oder der Steuerung von Alarmanlagen unverschlüsselte Einfallstore in Apps gefunden“, berichtet Liebig. Basis für sehr viele Apps ist das Framework Cordova von Apache. Es kann von Programmierern ohne großen Aufwand für die verschiedenen App-Stores angepasst werden, fordert aber standardmäßig viele Berechtigungen.

„Doch wer Cordova einsetzt, muss den gesamten Softwarecode sicher machen. Und er muss sich die Zeit nehmen, nur die Berechtigungen vom Nutzer abzufordern, die für die Funktionalität der App unerlässlich sind“, sagt Liebig. Um Programmierern zu helfen, hat TZI-Kollege Bernhard Berger ein Tool entwickelt, mit dem sich jetzt Cordova-Apps für Android automatisiert auf Lücken testen lassen.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI)
Karsten Sohr
Tel. 0421 218-63922
E-Mail: sohr@tzi.de
oder
Knut Köstergarten
Tel. 0421 3800353
Mobil: 0176 28059267
E-Mail: koestergarten@wortpiraten.de

Eberhard Scholz | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Layouterfassung im Flug: Drohne unterstützt bei der Fabrikplanung
19.05.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Intelligente Industrialisierung von Rechenzentren
15.05.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften