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Mobile Web-Apps bieten Einfallstore für Datenspione

11.02.2014
TZI-Wissenschaftler testen mobile Web-Apps von namhaften Software-Herstellern. Ergebnis: Schwachstellen eröffnen die Möglichkeit das Smartphone zu knacken. Vor allem fanden die Forscher zahlreiche Einfallstore aufgrund des fehlerhaften Einsatzes des Web-Frameworks Cordova.

Wie sicher sind mobile Web-Apps eigentlich und welches sind die zentralen Schwachstellen?

Dieser Frage sind Wissenschaftler des Technologie-Zentrum Informatik und Informationssicherheit (TZI) der Universität Bremen auf den Grund gegangen. Sie haben aus dem Play Store von Google exemplarisch Apps namhafter Hersteller heruntergeladen und dann zum einen das Kommunikationsverhalten und zum anderen den Softwarecode analysiert.

„Wir sind dabei immer auf das gleiche Problem in unterschiedlichen Variationen gestoßen. Die Programmierer machen Fehler beim Einsatz des sehr oft genutzten Web-Frameworks Apache Cordova (PhoneGap)“, sagt Karsten Sohr, Geschäftsführer des TZI-Leitthemas Softwarequalität und Informationssicherheit.

„Wer Cordova einsetzt, muss den gesamten Softwarecode sicher machen, eine unsichere Verbindung in der App reicht Datenspionen als Einfallstor. Und er muss sich Zeit nehmen, nur die Berechtigungen vom Nutzer abzufordern, die für die Funktionalität der Web-App unerlässlich sind“, fügt Christian Liebig hinzu, der aktuell am TZI seine Masterarbeit über das Thema schreibt.

Einfallstor: Berechtigungen

Cordova (PhoneGap) kann ohne großen Aufwand für die verschiedenen App-Stores angepasst werden, fordert aber standardmäßig in älteren Versionen viele Berechtigungen. Oft passen das Programmierer nicht mehr an, obwohl ihre Apps viel weniger Berechtigungen für die Funktionalität benötigen. Ein prägnantes Beispiel, das die Wissenschaftler fanden, ist eine vermeintlich harmlose App, über welche ein großer Konzern Unternehmensnachrichten verbreitet.

„22 Berechtigungen haben wir registriert, wirklich gebraucht wird eigentlich nur der Zugriff auf das Internet. Doch das Problem ist, dass diese Berechtigungen Spionen ermöglichen, Daten abzugreifen oder sogar auf Funktionen des Handys, wie Kamera, Mikro, Kontakte oder GPS-Ortung, zuzugreifen. Das Perfide dabei: Der Nutzer bemerkt davon nichts“, sagt Christian Liebig.

Einfallstore: Debug-Flag und Whitelist

Ein weiteres Einfallstor bei Cordova ist das sogenannte Debug-Flag. Es wird im Framework für die Entwicklung einer App genutzt, muss am Ende in der veröffentlichten Version aber wieder raus sein. „War es aber nicht bei einigen von uns untersuchten Apps“, erklärt Liebig. „Und bei eingeschaltetem Debug-Flag ist auch die SSL-Verschlüsselung deaktiviert, weil es dann einfacher ist, die App zu programmieren. Auch das wird vielfach in der finalen Version nicht wieder geändert.“ Probleme gibt es auch mit der sogenannten Whitelist, die festlegt, mit wem die App kommunizieren darf.

„Bei falsch konfigurierter Whitelist können Datenspione ausspionierte Daten unerlaubt an ein von ihnen kontrolliertes System übermitteln und so auf Smartphones zugreifen“, berichtet Liebig. Besonders problematisch ist die Tatsache, dass viele Cordova Apps anfällig gegenüber einer bekannten Android-Sicherheitslücke in der Schnittelle zwischen JavaScript und Java sind. Hierdurch kann ein Angreifer Code mit den Berechtigungen der angegriffenen App ausführen. Die benannten Einfallstore sind nur die markantesten bei Apps, die das Web-Framework Cordova nutzen. „Wir haben noch weitere und komplexere gefunden“, erläutert Karsten Sohr.

Checkliste mit Sicherheitsregeln für die Arbeit mit Cordova

Hilfestellung geben die Wissenschaftler allerdings auch. „Wir haben eine kurze Checkliste für die Arbeit mit Cordova erstellt. Wer sich an diese wichtigsten Regeln hält, erhöht die Sicherheit der mobilen Web-App signifikant“, sagt Christian Liebig.

Knut Köstergarten
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
TZI Uni Bremen
Fon: +49(0)421.3800353
Fax: +49(0)421.3800354

Knut Köstergarten | TZI Bremen
Weitere Informationen:
http://www.tzi.de

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