Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit „Big Data“ gefährliche Situationen in der Industrie-Produktion vermeiden

17.11.2014

Bei der automatisierten Produktion in der Industrie fällt eine enorme Menge an Daten an – eine zielgerichtete Analyse dieser Daten kann dabei helfen, Risiken im Betriebsablauf zu minimieren. Dafür hat jetzt ein Konsortium aus Wissenschaft und Industrie das Forschungsprojekt „FEE: Frühzeitige Erkennung und Entscheidungsunterstützung in kritischen Situationen im Produktionsumfeld“ gestartet. Beteiligt sind auch zwei Fachgebiete der Universität Kassel.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt im Rahmen des Programms „IKT 2020 – Forschung für Innovationen“ auf dem Gebiet „Management und Analyse großer Datenmengen (Big Data)“ mit insgesamt rund 3,5 Millionen Euro. Rund 1,2 Millionen Euro davon gehen an die beiden Fachgebiete Mess- und Regelungstechnik sowie Wissensverarbeitung in Kassel.

Das deutsche ABB Forschungszentrum in Ladenburg übernimmt die Koordination im Konsortium, die Universität Kassel die wissenschaftliche Gesamtleitung. Konsortialpartner sind ABB Deutschland mit dem Geschäftsbereich Chemie, RapidMiner GmbH, TU Dresden, Universität Kassel sowie als assoziierte Partner u.a. PCK Raffinerie GmbH, INEOS Köln GmbH.

In vielen Branchen wie der Chemie-, Pharmazie- oder Baustoffindustrie ermöglicht nur eine moderne, hohe Automatisierung von Produktionsanlagen einen wirtschaftlichen Betrieb in Hochlohnländern wie Deutschland. Andererseits führt der hohe Automatisierungsgrad dazu, dass Anlagenfahrer im Gegensatz zu früher kaum Erfahrungen mit dem dynamischen Verhalten der Anlagen und dem Ablauf der industriellen Prozesse sammeln können.

Viele Aufgaben werden vom Automatisierungssystem direkt übernommen und im Normalbetrieb werden weniger Eingriffe von Anlagenfahrer benötigt. Diese Erfahrung fehlt dann gerade in unerwarteten Betriebssituationen, so dass Bediener in Folge von der Vielzahl an Alarmen und Meldungen – so genannten Alarmfluten – überfordert sind. Bei Kontrollverlust könnten Menschenleben, Umwelt und Anlagen gefährdet werden.

Die Anlagenfahrer der Zukunft sollen deswegen durch Wissen, das mit neuartigen Big-Data-Ansätzen generiert wird, beim Entscheidungsprozess in der manuellen Echtzeit-Steuerung ihrer Anlage in kritischen Situationen unterstützt und entlastet werden.

Das Fachgebiet Mess- und Regelungstechnik der Universität Kassel unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Andreas Kroll untersucht im Rahmen des Projekts Methoden zur frühzeitigen Erkennung kritischer Situationen; dafür werden betriebsmesstechnische und regelungsbezogene aktuelle und historische Daten ausgewertet. Zudem werden für die Anlagenfahrer Assistenzfunktionen entwickelt, die auf identifizierten Prozessmodellen beruhen.

Das Fachgebiet Wissensverarbeitung unter Leitung von Prof. Dr. Gerd Stumme entwickelt operator-zentrische Echtzeit-Suchfunktionen und kontextbasierte Empfehlungssysteme, die die Auswertung der anfallenden Daten erleichtern. Eine Herausforderung liegt darin, die große Vielzahl verschiedenartigster Daten zu verarbeiten, die in einer Produktionsanlage anfallen.

Alarmmanagement ist einer der Bereiche, in denen Big-Data-Technologien zum Einsatz kommen werden. Zentraler Gedanke ist, solche Alarme zu vermeiden, die in der jeweiligen Situation keine hilfreiche Information für die Anlagenfahrer darstellen. Solche überflüssigen Alarme können sogar von wichtigen Sachverhalten ablenken und zu Fehlentscheidungen führen. Kritische Prozesssituationen werden so durch die begrenzte Anzahl von Alarmen vermieden, das menschliche Auffassungsvermögen wird nicht überlastet.

Bild von Prof. Dr. Andreas Kroll (Foto: Uni Kassel) unter: http://www.uni-kassel.de/uni/fileadmin/datas/uni/presse/anhaenge/2014/Kroll_Andreas.jpg

Bild von Prof. Dr. Gerd Stumme (Foto: Uni Kassel) unter: http://www.uni-kassel.de/uni/fileadmin/datas/uni/presse/anhaenge/2014/Stumme_Gerd.jpg

Weitere Bilder sind bei der Pressestelle von ABB zu beziehen.

Kontakt:

Prof. Dr.-Ing Andreas Kroll
Universität Kassel
Fachgebiet Mess- und Regelungstechnik
Tel.: +49 561 804-3248
Email: andreas.kroll@mrt.uni-kassel.de

Prof. Dr. Gerd Stumme
Universität Kassel
Fachgebiet Wissensverarbeitung
Tel.: +49 561 804-6251
Email: stumme@cs.uni-kassel.de


Weitere Informationen:

http://www.uni-kassel.de/uni/nc/universitaet/nachrichten/article/mit-big-data-gefaehrliche-situationen-in-der-industrie-produktion-vermeiden.html

Sebastian Mense | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Plattformübergreifende Symbiose von intelligenten Objekten im »Internet of Things« (IoT)
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

nachricht Von Fußgängern und Fahrzeugen: Uni Ulm und DLR sammeln gemeinsam Daten für das automatisierte Fahren
09.12.2016 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie