Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikroskopieren mit dem Smartphone - Medizinstudierende reisen auf dem Handy durch den Körper

12.06.2014

Herz? Niere? Oder vielleicht doch die Schilddrüse?

Herz? Niere? Oder vielleicht doch die Schilddrüse? Um den Kursus Mikroskopische Anatomie zu bestehen, müssen angehende Mediziner unzählige Präparate zuverlässig erkennen und beschreiben können. Deshalb verbringen sie – zumeist im zweiten Semester des Ulmer Medizinstudiums – viele Stunden über dicken Atlanten und im Mikroskopiersaal. Jetzt können sie den „Kurskasten“, der die wichtigsten Gewebeschnitte enthält, auf dem Smartphone studieren – zuhause, im Bus oder im Schwimmbad. Die neue Web-App „MyMi.mobile“ der Uni Ulm macht es möglich.


Die erfolgreiche Ulmer Lernplattform MyMICROscope gibt es jetzt auch als Web-App MyMi.mobile für Smartphones und Tablet-PCs

Foto: Barbara Eichner/Uni Ulm


Beispiel MyMi.mobile

Abbildung: Uni Ulm

Die Anwendung, die auf allen gängigen Smartphones und Tablet-PCs läuft, wurde vom Ulmer Institut für Molekulare und Zelluläre Anatomie sowie dem Kompetenzzentrum für eLearning in der Medizin Baden-Württemberg entwickelt. Sie erweitert die Online-Lernplattform „MyMICROscope“, die bereits mit dem Lehrpreis der Universität Ulm ausgezeichnet wurde und fester Bestandteil des hiesigen Medizinstudiums ist.

„Der Kurs Mikroskopische Anatomie gilt als komplex und lernintensiv. Das Verständnis vom mikroskopischen Aufbau des menschlichen Körpers – wie also Struktur und Funktion miteinander zusammenhängen – ist jedoch wichtig für das weitere Medizinstudium und für den späteren Arztberuf“, erklärt Institutsdirektor Professor Stefan Britsch. Die wohl deutschlandweit einmalige neue App mache das Studium zeitgemäßer und flexibler, sie komme Studierenden entgegen, die zunehmend mit Computern, Mobiltelefonen und dem Internet aufgewachsen seien.

„Ihr natürlicher Umgang mit digitalen Medien ist sowohl Chance als auch Herausforderung für die Hochschullehre. Mit dem Kompetenzzentrum für eLearning in der Medizin Baden-Württemberg und einer entsprechenden Offenheit in der Medizinischen Fakultät hatten wir in Ulm perfekte Rahmenbedingungen für unser innovatives Projekt“, so Britsch weiter.

Tatsächlich ermöglicht die neue Anwendung, auf deren Icon ein kleines Mikroskop abgebildet ist, eine faszinierende Reise durch den menschlichen Körper: Nutzer können ein Präparat, zum Beispiel einen histologischen Schnitt durch den Herzmuskel, auswählen und von der Gesamtansicht ausgehend bis in kleinste Details hineinzoomen. Alle wichtigen Strukturen sind darüber hinaus mit Informationstexten verknüpft.

Barbara Eichner, Mitarbeiterin im Studiendekanat der Medizinischen Fakultät und im Kompetenzzentrum eLearning in der Medizin Baden-Württemberg, hat die App-Entwicklung koordiniert und einige Herausforderungen gemeistert:

„Die Bilder aus dem Kurskasten müssen sich schnell auf dem Smartphone öffnen und heranzoomen lassen, ohne ,pixelig‘ zu werden. Nur so können die Studierenden sinnvoll durch die Präparate navigieren. Die Umsetzung ist nicht zuletzt dank starker IT-Partner gelungen“, berichtet Eichner. Pünktlich zu Beginn des Sommersemesters war die Anwendung fertig – und erste Reaktionen sind außerordentlich positiv. Die angehende Ärztin Josephine Ohmann nutzt die App zum Selbststudium und als Tutorin in der Histologie:

„Im Kurs kann ich den Studierenden dank MyMi.mobile Strukturen ganz präzise auf dem Tablet-PC oder Smartphone zeigen. Wenn ich mir selbst einmal unsicher bin, hole ich mir Hintergrundinformationen auf den Bildschirm.“

Mit MyMi.mobile können nicht nur Studierende zu jeder Zeit und an jedem Ort virtuell mikroskopieren. Viele Inhalte sind auch für Interessierte ohne Studentenausweis zugänglich.

„Ich bin stolz und glücklich, dass es gelungen ist, dieses Projekt zwischen dem Studiendekanat/Kompetenzzentrum eLearning und dem Institut für Molekulare und Zelluläre Anatomie erfolgreich auf den Weg zu bringen. Ich denke ,Mobile Learning‘ wird für die nächste Generation an Studierenden immer wichtiger und die Medizinische Fakultät der Universität Ulm trägt diesem Umstand hiermit in bester Weise Rechnung“, sagt Professor Tobias Böckers, Studiendekan Medizin an der Uni Ulm.

MyMICROscope‘ sei ein ausgereiftes und exzellentes Beispiel für ein Lernen, das ortsunabhängig funktioniere sowie ein wichtiger Vorreiter für weitere Angebote dieser Art, die im Moment bereits in Vorbereitung seien. Für die Umsetzung und Etablierung der Lernplattform bedankt sich Böckers ausdrücklich bei Barbara Eichner und Professor Stefan Britsch.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stefan Britsch, Tel.: 0731/500-23101
Barbara Eichner, Tel. 0731/500-33622

Weitere Informationen:

http://mymi.net-base.de/mobile/

Annika Bingmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aus der Moosfabrik

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Klimawandel schwächt tropische Windsysteme

20.10.2017 | Geowissenschaften

Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

20.10.2017 | Physik Astronomie