Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Menschen lernen, wie er lernt

28.05.2010
TU-Wissenschaftler koordiniert neues Schwerpunktprogramm der DFG auf dem Gebiet des „Autonomen Lernens“

Wie funktioniert Lernen? Können intelligente Systeme in Zukunft so flexibel und selbstständig lernen wie Menschen? Zu diesen Themen fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ein deutschlandweites Schwerpunktprogramm mit dem Titel „Autonomes Lernen“.

Koordinator des Programms ist Dr. Marc Toussaint, ein junger Forscher der TU Berlin auf dem Gebiet des Maschinellen Lernens und der Robotik. Seine Forschungsgruppe am Fachgebiet Maschinelles Lernen wird im Rahmen des Emmy-Noether-Programms der DFG gefördert.

Mit dem neuen Schwerpunktprogramm „Autonomes Lernen“ wird die DFG in den kommenden sechs Jahren gezielt die Forschung auf diesem Gebiet mit circa 15 Millionen Euro finanzieren. Deutschlandweit sollen Projekte unterstützt, koordiniert und vernetzt werden mit dem Ziel, die strategische Entwicklung dieses zukunftsweisenden Forschungsgebiets in Deutschland zu sichern. Initiiert wurde das Programm von deutschen Experten auf diesem Forschungsgebiet, unter anderem von Dr. Marc Toussaint, Prof. Dr. Helge Ritter (Universität Bielefeld), Prof. Dr. Jürgen Jost (Max-Planck-Institut Leipzig) und Prof. Dr. Christian Igel (Ruhr-Universität Bochum).

Während die Forschung auf dem Gebiet des Lernens seit langem Gegenstand der Geisteswissenschaften ist, versuchen seit einiger Zeit auch Informatiker, Mathematiker und Ingenieure die Fähigkeit zu lernen, besser zu verstehen. Nach dem Motto „Ich verstehe es, wenn ich es konstruieren kann“ wird versucht, Systeme (also Algorithmen und Roboter) zu entwickeln, die lernfähig sind. „Viele dieser konstruktiven Herangehensweisen an das Lernen basieren aber auf einer recht reduzierten Sichtweise, dass Lernen gleich Modellieren statistischer Abhängigkeiten in Daten sei“, sagt Marc Toussaint. Obwohl dieser Ansatz sehr erfolgreiche Methoden der Datenanalyse hervorgebracht und damit große Fortschritte in der Genetik und Hirnforschung ermöglicht habe, sei er offensichtlich nicht hinreichend, um das selbstständige Lernen nach dem Vorbild des Menschen zu verstehen.

Denn Lernen bedeutet weit mehr: Menschen lernen durch aktive Exploration ihrer Umwelt. Statt passiv eingegebene Daten zu verarbeiten, erforscht der Mensch seine Umwelt, ist neugierig und bestimmt damit aktiv die „Daten“'. Lernen bedeutet auch, Abstraktionen zu entwickeln, Begrifflichkeiten und Sichtweisen zu (er-)finden, die das Erfahrene konzentrieren und überschaubar machen. „Lernen ist ein wachsender Prozess, bei dem auf jeder Stufe der Abstraktionen auf der vorherigen Ebene aufgebaut wird“, erklärt Marc Toussaint. Die Forschung an diesen Aspekten des Lernens gewinne in letzter Zeit immer mehr an Bedeutung. „Falls wir je in der Lage sein werden, intelligente und lernende Systeme zu konstruieren, werden diese Aspekte die zentrale Rolle spielen. Deshalb ist dieses Forschungsgebiet in vielerlei Hinsicht zentrale Basiswissenschaft sowohl für die Entwicklung neuer Technologien als auch für die Kognitionswissenschaften“, so Marc Toussaint.

Neben diesem Schwerpunktprogramm richtete die DFG noch zwölf weitere ein, die sich unter anderem mit den internationalen Finanzmärkten und selbstheilenden Materialien beschäftigen. Jedes Schwerpunktprogramm wird in den kommenden Monaten von der DFG einzeln ausgeschrieben. Welche konkreten Forschungsprojekte innerhalb der 13 Schwerpunktprogramme dann gefördert werden, wird nach einem strengen Begutachterverfahren entschieden.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Marc Toussaint, Fachgebiet Maschinelles Lernen, Institut für Softwaretechnik und Theoretische Informatik der TU Berlin, Franklinstr. 28/19, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-24470, E-Mail: mtoussai@cs.tu-berlin.de; http://user.cs.tu-berlin.de/~mtoussai/

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://user.cs.tu-berlin.de/~mtoussai/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Ein stabiles magnetisches Bit aus drei Atomen
21.09.2017 | Sonderforschungsbereich 668

nachricht Drohnen sehen auch im Dunkeln
20.09.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie