Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Sicherheit für Fußgänger im Straßenverkehr: Neue Mobilfunk-Technologie soll Unfälle vermeiden

18.08.2010
In Deutschland kommen jährlich über 4.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, darunter knapp 600 Fußgänger. Das meldet das Statistische Bundesamt im Bericht zur Unfallentwicklung im Straßenverkehr 2009. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, den Straßenverkehr sicherer zu machen. Dazu kann künftig eine neue Mobilfunk-Technologie beitragen, die Wissenschaftler der Universität Kassel unter anderem im Rahmen des vom Land Hessen geförderten VENUS-Projekts entwickeln.

Indem Positions-, Kontext- und Profildaten des Fußgängers über das mitgeführte Mobiltelefon an andere Verkehrsteilnehmer übertragen werden, lassen sich Unfälle vermeiden. Die Idee des so genannten intelligenten Kontextfilters haben sich Prof. Dr.-Ing. Klaus David und Alexander Flach vom Fachbereich Informatik/Elektrotechnik jetzt patentieren lassen.

Mit Daten über Position, Bewegungsgeschwindigkeit und -richtung des Fußgängers ermittelt der Kontextfilter gefährdete Personen im Umkreis von z. B. 70 Metern. Er kann mit wenigen Berechnungen zuverlässig einschätzen, ob eine Kollision naht. „Dadurch können Autofahrer und Fußgänger schnell gewarnt werden", sagt Flach. Dies könne über das Navigationssystem im Auto geschehen und über einen Alarmton des Fußgänger-Mobiltelefons. Denkbar sei ferner, eine automatische Bremsfunktion im Fahrzeug zu installieren.

Automobile Systeme zur Erkennung anderer Verkehrsteilnehmer gibt es bereits. Dabei sind meist Videosensoren, Licht- oder Wärmebildkameras im Fahrzeug eingebaut. Nachteil: Ein direkter, uneingeschränkter „Blickkontakt" ist meist notwendig. Oft gibt es aber im Stadtverkehr Situationen, in denen Fußgänger zwischen parkenden Autos hindurch auf die Straße treten. „Die existierenden Systeme erkennen den Fußgänger dann nicht rechtzeitig. Durch die Nutzung der Kontext- und Profildaten kann dieses Problem gelöst werden", erklärt Flach. Informationen über ein unaufmerksames Kind oder einen Rentner könnten berücksichtigt und so zwischen relevanten und nicht relevanten Fällen unterschieden werden.

Im Mobiltelefon integrierte Bewegungs- und Beschleunigungssensoren messen die Bewegungs- und Reaktionsdynamik des Fußgängers. Diese liefern 20 bis 50 Messwerte pro Sekunde und nehmen so Änderungen im Bewegungsverlauf blitzschnell wahr. Übermittelt werden die Sensordaten per W-LAN oder UMTS, ein Mobilfunkstandard, der sich durch hohe Übertragungsraten auszeichnet.

Daten wie das Alter lassen sich auch in den intelligenten Filter einbeziehen. Von den tödlich verletzten Fußgängern ist laut Statistischem Bundesamt die Altersgruppe ab 65 Jahren am stärksten betroffen - sie machen etwa 57% aus. Rechne man individuelle Bewegungs- und Reaktionsdynamik des Fußgängers ein, könnten beispielsweise Faktoren wie Ermüdungserscheinungen berücksichtigt werden, sagt Flach: „Ein junger Mensch läuft schneller als ein Rentner." Dazu kann ein Profil des Fußgängers angelegt und gespeichert werden, das über die Bewegungsdynamik hinaus persönliche Daten enthält. Inwieweit der Datenschutz das zulässt, muss noch geklärt werden.

Info
Prof. Dr.-Ing. Klaus David
tel (0561) 804 6314
e-mail david@uni-kassel.de
Universität Kassel
Fachbereich Elektrotechnik
Fachgebiet Kommunikationstechnik
Dipl.-Ing. Alexander Flach
tel (0561) 804 6070
e-mail Alexander.Flach@comtec.eecs.uni-kassel.de

Christine Mandel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht KogniHome feiert die Wohnung der Zukunft
26.06.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Der Form eine Funktion verleihen
23.06.2017 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie