Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Sicherheit beim Fliegen

26.10.2010
Neuer Informatik-Professor strebt mehr Sicherheit beim Fliegen an

Flugzeuge und Raumschiffe werden heutzutage fast vollständig von Computern gesteuert. Die Anforderungen an die Verlässlichkeit von Hard- und Software sind dementsprechend hoch.

„Ultrahohe Verlässlichkeit“ heißt das Ziel, an dem Sergio Montenegro arbeitet. Der Professor ist Inhaber des neu eingerichteten Lehrstuhls für Informationstechnik für Luft- und Raumfahrt an der Universität Würzburg.

Zu Hause ist es in der Regel nur ärgerlich, wenn der Computer sich mit der kryptischen Meldung „Schutzverletzung in Modul 487“ verabschiedet und abstürzt. Im Cockpit einer Boeing oder eines Airbus oder an Bord des Space Shuttles könnte ein solcher Fehler hingegen fatale Folgen haben. Dass es dazu nicht kommt, daran arbeitet Sergio Montenegro. Der Professor hat seit kurzem den Lehrstuhl Informationstechnik für Luft- und Raumfahrt an der Universität Würzburg inne.

„Raumfahrtmissionen werden heutzutage fast vollständig von Computersystemen gesteuert“, erklärt Montenegro. Die Astronauten an Bord oder Operatoren auf dem Bodenstation haben keine direkte Kontrollmöglichkeit, sie können nur mit Bordcomputern kommunizieren und ihnen Befehle oder Empfehlungen geben. Die gesamte Mission liegt somit in den Händen des Computers und seiner Software. „Der Erfolg oder Misserfolg einer Mission hängt von solchen Computersystemen ab, daher ist hier die Verlässlichkeit der wichtigste Entwicklungsparameter“, sagt der Wissenschaftler.

Computer steuern das Flugzeug

Gleiches gilt für die Luftfahrt: „Früher lag die Steuerung des Flugzeugs in den Händen der Piloten. Heute haben diese Aufgabe ebenfalls Computer übernommen.“ Piloten können nur noch mit dem Rechner kommunizieren, und der kümmert sich dann um den Rest. „Ohne den Bordcomputer kann man ein Flugzeug nicht mehr steuern“, so Montenegro.

Die Konsequenz daraus ist klar: „Bei der Entwicklung solcher Computersysteme steht die Verlässlichkeit an oberster Stelle, sowohl was die Software als auch was die Hardware betrifft“, so Montenegro.

Wie Verlässlichkeit erreicht werden kann

„Ultrahohe Verlässlichkeit“ heißt das Ziel am Lehrstuhl Informationstechnik für Luft- und Raumfahrt. Sie ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Onbord-Soft- und Hardware. „Unsere Systeme sollen in der Lage sein, autonom Anomalien zu erkennen und mit den noch vorhandenen Betriebsmitteln das gesamte System – also das Raumfahrzeug oder Flugzeug – in einer sicheren Art und Weise weiter zu kontrollieren“, so Montenegro. Selbst wenn Teile der Steuerung ausfallen oder nicht mehr zur Verfügung stehen, soll die Steuerung sich selbst an die neue Situation anpassen und das gesamte System weiter sicher im Griff haben.

Die Herausforderung liegt darin, aus potenziell unzuverlässigen Komponenten ein trotzdem verlässliches System aufzubauen. Erreichen lässt sich dies vergleichsweise einfach: Wichtige Komponenten kommen nicht nur einmal, sondern mehrfach vor. Fällt ein Bauteil aus, kann das andere, gleichwertige sofort dessen Arbeit übernehmen. „Das gesamte System besteht dann aus vielen redundanten Komponenten“, erklärt Montenegro. Und die entsprechende Software – das sogenannte Redundanzmanagement – verteilt die verschiedenen Aufgaben, die zu erfüllen sind, an die noch arbeitenden Komponenten.

Sergio Montenegros Lebenslauf

Sergio Montenegro wurde 1959 in Guatemala geboren, von 1978 bis 1982 absolvierte er an der Universidad del Valle de Guatemala das Studium zum Bachelor in Informatik. Von 1983 bis 1985 studierte er Informatik (Diplom) an der TU Berlin; dort wurde er 1989 mit einer Arbeit über Kommunikationsstrukturen für verteilte Rechnersysteme promoviert. Weitere Stationen seiner Karriere waren das Institut FIRST der Fraunhofer Gesellschaft und die Abteilungsleitung für Central Avionics bei der DLR. Seit dem 1. Oktober 2010 ist Montenegro Professor für Aerospace Information Technology an der Uni Würzburg.

Kontakt: Prof. Dr. Sergio Montenegro, T: (0931) 31-83715,
montenegro@informatik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb
27.06.2017 | FOKUS - Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme

nachricht Überschwemmungen genau in den Blick nehmen
27.06.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie