Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Sicherheit auf europäischen Bahnhöfen

01.09.2014

Flieht eine verdächtige Person mit Bus und Bahn, wird es für die Polizei oft schwierig. Denn die Sicherheitssysteme der verschiedenen Verkehrsbetriebe und Sicherheitsorganisationen sind meist nicht kompatibel. Das EU-Projekt Secur-ED soll Abhilfe schaffen und eine bessere Zusammenarbeit innerhalb einer Stadt ermöglichen.

Der Zug fährt in wenigen Minuten. Doch in dem Gewimmel des Bahnhofs ist es alles andere als leicht, schnell zum richtigen Gleis zu gelangen. Es ist unübersichtlich und die vollen Bahnsteige machen den Reisenden zu schaffen.


Das EU-Forschungsprojekt Secur-ED soll für mehr Sicherheit auf europäischen Bahnhöfen sorgen. Hier sind Feuerwehrleute bei einem Testlauf in Madrid zu sehen. © Secur-ED

Aber auch Sicherheitsexperten, Bahnmitarbeiter sowie Polizei und Feuerwehr kommen ins Schwitzen. Zum Beispiel, wenn sie eine gesuchte Person verfolgen oder ein Verdächtiger einen Koffer unbewacht stehen gelassen hat.

Die Bahnhöfe setzen IT-Systeme ein, die ihre Kunden vor Gefahren schützen sollen. Allerdings gibt es dabei ein Problem: Oft ist nicht nur ein Bahnhof oder ein einziger Nahverkehrsbetreiber bedroht. Da der Einsatz dieser IT nicht zentral koordiniert wird, sind die Systeme innerhalb einer Stadt meist nicht kompatibel zueinander. Sich in kritischen Situationen auszutauschen und Hand in Hand zu reagieren, ist schwierig.

Technologien, die sich »verstehen«

Das Projekt Secur-ED soll aufzeigen, wie die organisatorische und informationstechnische Zusammenarbeit innerhalb von europäischen Großstädten verbessert werden kann – und das bei verschiedenen Bedrohungen und unterschiedlichen Randbedingungen. Das Kürzel steht für Secure Urban Mass Transportation – European Demonstrator. Mit 39 Partnern und einem Budget von 40,2 Millionen Euro ist es eines der größten Demonstrationsprojekte der europäischen Sicherheitsforschung.

»Da es in den meisten Großstädten bereits viele Sensoren – etwa Videokameras – und Leitstellen für Sicherheit im Nahverkehr gibt, haben wir zunächst analysiert, worin die Aufgaben der beteiligten Partner sowie der vorhandenen IT-Systeme liegen«, sagt Dr. Wolf Engelbach, Projektleiter am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO.

»Dazu haben wir ein Interoperabilitätskonzept entwickelt: Es beschreibt, wie die Beteiligten ihre Informationen in kritischen Situationen bestmöglich austauschen können. Darauf aufbauend lassen sich dann konkrete Formate, die den Austausch regeln, ausarbeiten und implementieren.«

Damit die Sicherheitsbehörden ihre Informationen besser miteinander teilen und Vorgehensweisen besprechen können, haben die Forscher zusätzlich einen Multitouch-Tisch gebaut: Nach außergewöhnlichen Ereignissen können die Beteiligten Daten auswählen, den Partnern bereitstellen und die Lage gemeinsam auswerten.

Testläufe in Berlin, Madrid, Mailand und Paris

Die neuen Lösungen von Secur-ED haben die Forscher mit den Partnern zu integrierten Lösungen verbunden – abgestimmt auf die Bahnhöfe und Schienennetze in Berlin, Madrid, Mailand und Paris – und sie dort in Testläufen erprobt. So schlich sich in Mailand ein »Unbefugter« auf ein Bahndepot, was die Mitarbeiter in der »Leitstelle« mit Hilfe einer Wärmekamera sowie einer Zoom-Kamera sofort erkennen konnten.

In einem anderen Szenario wurde ein Fahrgast von einem Busfahrer als verdächtig eingestuft und der Zentrale gemeldet. Obwohl er am Bahnhof ausstieg, konnten die Angestellten in der Leitstelle ihn im Auge behalten – dank einer neuen Software. Sie mussten die verdächtige Person lediglich auf einem Kamerabild markieren. Die Software errechnet dann automatisch, wohin der Gesuchte sich bewegen dürfte und schlägt dem Mitarbeiter von den insgesamt 300 Kameras diejenige vor, die die Person im Anschluss erfasst.

Auch bei der Fahndung nach Personen könnte die Polizei künftig auf die Ergebnisse des Projekts setzen: So haben die Forscher in Madrid das Bild einer gesuchten Person via LTE, also über das Mobilfunknetz, an die städtischen Busse übertragen. Kameras in den Bussen verglichen die Gesichter der einsteigenden Fahrgäste mit dem der gesuchten Person. Stimmte das Gesicht überein, gab das System eine automatische Nachricht an den Busfahrer sowie an die Leitstelle aus.

So zahlreich die Übungen auch waren – die Projektpartner können nicht alle Entwicklungen in allen Varianten durchspielen. Daher haben die Forscher am IAO in Stuttgart zusätzlich Vorschläge entwickelt, wie verschiedene Szenarien ergänzend nachgestellt werden können. Dazu gehören beispielsweise agentenbasierte Simulationen und Berechnungen zur Gasausbreitung, um Evakuierungen zu planen sowie Kameras und Sensoren zu platzieren.

Die Abschlusskonferenz von SECUR-ED (www.secur-ed.eu) findet am 17. September in Brüssel statt. Zudem wird das Projekt vom 16. bis 18. September auf der Sicherheitsforschungskonferenz Future Security 2014 (www.future-security2014.de) in Berlin präsentiert.

Dr.-Ing. Wolf Engelbach | Fraunhofer Forschung Kompakt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft
27.04.2017 | Kompetenzzentrum - Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH

nachricht Ergonomie am Arbeitsplatz: Kamera erkennt ungesunde Bewegungen
24.04.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie